Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kunstobjekte besser schützen – Glassensoren als Frühwarnsystem

17.12.2015

Nicht nur durch freie Bewitterung im Außenraum, sondern auch wenn Kunst- und Kulturobjekte in Museen, Bibliotheken oder historischen Gebäuden aufbewahrt werden, können Schäden beispielsweise durch aggressive Luftinhaltsstoffe entstehen. Um Konzepte für einen dauerhaften Schutz von Ausstellungsgegenständen zu entwickeln, beauftragten die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg das Fraunhofer ISC zu mehrmonatigen Sensormessungen an zwei verschiedenen Standorten, die nun erfolgreich abgeschlossen wurden.

Als Frühwarnsystem für schädigende Umweltbedingungen dienen vom Fraunhofer ISC entwickelte Glassensoren. Die hochempfindlichen Oberflächen der Glassensoren reagieren auf die Umgebungsbedingungen, denen sie in den Innenräumen ausgesetzt sind.


Glassensor zeigt feuchte sowie feste kristalline Strukturen und eine beginnende Gelschichtausbildung. Glas korrodiert – die Umgebungsbedingungen sind nicht ideal.

Foto: Fraunhofer ISC


Kleine, sensible Glassensoren für den Einsatz in Ausstellungsvitrinen.

Foto: Fraunhofer ISC

Bei ungünstigen Bedingungen kommt es zu strukturellen Änderungen im Glas, die sich später im Labor durch infrarotspektroskopische Untersuchungen exakt quantifizieren lassen. Auch Analysen kristalliner Auflagerungen lassen zum Teil Rückschlüsse auf Schadstoffe zu.

Diese sensitiven Gläser ermitteln dabei anstelle von Einzelparametern den Gesamteffekt der Umgebungsbedingungen in den Räumen und schaffen damit die Voraussetzung für ein langfristig wirksames Schutzkonzept in sensiblen Ausstellungsbereichen.

Aufgrund der langjährigen Erfahrungen des Fraunhofer ISC auf diesem Gebiet wandten sich die Staatlichen Schlösser- und Gärten Baden-Württemberg an die Fraunhofer-Forscher, um im Rahmen eines gemeinsamen Projekts zwei ihrer Standorte untersuchen zu lassen.

Auf Schloss Favorite (Rastatt) sowie dem Sammlungsdepot Karlsruhe wurden je zwei 3-monatige Messkampagnen durchgeführt. Die zwei Messperioden im Winter und Sommer zeigen den Einfluss der jahreszeitlich bedingten, klimatischen Schwankungen. Die Erkenntnisse der Messungen sollen nun konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Ausstellungsbedingungen und zur Erhaltung der Kunstgegenstände aufzeigen.

Insbesondere in den Ausstellungsräumen auf Schloss Favorite machen sich jahreszeitliche Unterschiede in den Sensormessungen bemerkbar. Die Ausstellungsräume sind nicht klimatisiert oder beheizt, sodass das Innenraumklima den äußeren Witterungsbedingungen folgt und unmittelbar von anderen Faktoren – wie dem hohen Besucherverkehr in den Sommermonaten – beeinflusst wird. Der korrosive Einfluss der Umgebung lag im Sommer generell deutlich höher als im Winter.

Nach der Auswertung der Glassensoren konnte das Fraunhofer ISC verschiedene einfach realisierbare Maßnahmen zur Verbesserung vorschlagen, zum Beispiel regelmäßiges Lüften der Ausstellungsvitrinen sowie den Einsatz von Absorbermaterialien zur Reduzierung der Luftschadstoffe. Die Depoträume in Karlsruhe sind beheizbar und die relative Luftfeuchtigkeit wird reguliert. Die Glassensormessungen im Depot zeigen trotz der erkennbaren jahreszeitlichen Schwankungen insgesamt unproblematische Umgebungsbedingungen, sowohl in der Raumluft als auch in den Depotschränken.

Für die beiden Standorte planen die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg kostengünstige und kurzfristig durchführbare Änderungen.

Durch die gemeinsam durchgeführte Studie vom Fraunhofer ISC und den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg ließen sich Optimierungsmöglichkeiten für eine langfristig sichere Präsentation und Erhaltung wertvoller Kunstobjekte aufzeigen.

Die fruchtbare Zusammenarbeit soll auch in den kommenden Monaten in weiteren Projekten fortgesetzt werden. Der Fokus liegt in der Untersuchung und Klassifizierung von Schadensphänomenen an Hohlgläsern der Sammlungen der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. Hierbei werden die beiden Projektpartner ebenfalls wieder Hand in Hand arbeiten, damit restauratorische Praxis und analytische Untersuchungen gewinnbringend zusammengeführt werden.

Weitere Informationen:

http://www.isc.fraunhofer.de
http://www.izkk.de
http://www.schloesser-und-gaerten.de

Marie-Luise Righi | Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht EU-Forschungsprojekt INNOVIP: Neue Technologien für langlebige und kostengünstige Vakuumdämmplatten
22.02.2017 | Bayerische Forschungsallianz GmbH

nachricht Modernes Architektenhaus mit landestypischen Design-Elementen
15.02.2017 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Proteine Zellmembranen verformen

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor Oliver Daumke vom MDC erforscht. Er und sein Team haben nun aufgeklärt, wie sich diese Proteine auf der Oberfläche von Zellen zusammenlagern und dadurch deren Außenhaut verformen.

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor...

Im Focus: Safe glide at total engine failure with ELA-inside

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded after a glide flight with an Airbus A320 in ditching on the Hudson River. All 155 people on board were saved.

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded...

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Poseidon goes Politics – Wer oder was regiert die Ozeane?

27.02.2017 | Veranstaltungen

Fachtagung Rapid Prototyping 2017 – Innovationen in Entwicklung und Produktion

27.02.2017 | Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Herz-Untersuchung: Kontrastmittel sparen mit dem Mini-Teilchenbeschleuniger

27.02.2017 | Medizintechnik

Neue Maßstäbe für eine bessere Wasserqualität in Europa

27.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wenn der Schmerz keine Worte findet - Künstliche Intelligenz zur automatisierten Schmerzerkennung

27.02.2017 | Medizintechnik