Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Künstliche Intelligenz im Baubüro: Forscher entwickeln Software für vernetztes Dokumentenmanagement

07.10.2010
Wirtschaftsinformatiker werben 172.000 Euro für neue Generation intelligenten Projektmanagements ein

Tausende von Dokumenten, Hunderte Personen, Dutzende Firmen – und ein System, das Dokumente intelligent vernetzt, Planänderungen erfasst und so den Überblick behält: Bis Ende 2011 wollen Wirtschaftsinformatiker der Universität Hohenheim eine Software entwickeln, die diesen speziellen Anforderungen der Baubranche Dank künstlicher Intelligenz gerecht wird.

Kooperationspartner der Forscher sind die Software-Unternehmen CTO Balzuweit GmbH und Jesselle GmbH. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung stellt insgesamt 172.000 Euro für das Verbundprojekt zur Verfügung. Das Projekt gehört damit zu den Schwergewichten der Forschung an der Universität Hohenheim.

Bei Bauvorhaben können schon kleine Planänderungen große Wirkungen haben. Wird beispielsweise nur ein Fenster von der Ost- in die Südwand verschoben, wirkt sich das gleich auf mehrere am Bauvorhaben Beteiligte aus. Oft findet sich diese Information nur in einem von bis zu Tausenden Baudokumenten wieder.

„Künftig erkennt die Software alle von dieser Änderung betroffenen Bauvorgänge. Sie ruft alle zugehörigen Dokumente auf, etwa Aufträge, Kalkulationen und Rechnungen, und benachrichtigt die Beteiligten“, berichtet Dr. Jörg Leukel, der projektverantwortliche Wirtschaftsinformatiker der Universität Hohenheim.

Bislang erledigen dies spezialisierte Sachbearbeiter, die einen kompletten Überblick über das gesamte Bauvorhaben haben müssen. „Trotzdem ist für sie die gezielte Suche nach Bauvorgängen und die Information der Beteiligten sehr zeitintensiv und mühsam“, so der Wirtschaftsinformatiker.

Neue Software vernetzt Dokumente

Die einzelnen Baudokumente stehen inhaltlich in einer Beziehung zueinander. Sie betreffen zum Beispiel denselben Bauabschnitt oder dasselbe ausführende Bauunternehmen. „Jedoch gehen viele inhaltliche Beziehungen von Gewerken nicht deutlich aus den Dokumenten hervor. Was fehlt ist die Vernetzung“, erklärt Dr. Leukel das Problem.

Die Lösung: Die Wissenschaftler entwickeln Methoden, um inhaltliche Beziehungen zwischen Baudokumenten automatisiert zu erkennen. Dazu dient zum einen ein sogenanntes Wissensmodell, das die möglichen inhaltlichen Beziehungen der Dokumente untereinander abbildet. Zum anderen werden Verfahren benötigt, um unterschiedlichste Baudokumente systematisch auszuwerten und Dokumentinhalte zu erfassen.

Die Hohenheimer erweitern die Funktionalität heutiger Dokumentenmanagement-Systeme (DMS). Solche Systeme erfassen bereits heute Dokumente elektronisch durch Scannen, Texterkennung und Zuordnung zu Unternehmen und Projekten. Zukünftig soll zuerst erkannt werden, ob es sich um ein Angebot, eine Rechnung, einen Auftrag oder ähnliches handelt. Anschließend erfolgt die inhaltliche Analyse und Zuordnung zu Bauvorgängen.

Dr. Leukel erläutert an einem Beispiel: „Kommt es zu einer Reklamation, muss der Vorgang heute noch von Hand aus allen Dokumenten recherchiert und rekonstruiert werden. Unser Ansatz stellt eine intelligente Suchfunktion bereit, die alle mit der Reklamation in Beziehung stehenden Geschäftsdokumente findet und schnell und vollständig ausgibt. Die Fehlerrate soll so gering sein, dass die richtigen Dokumente zu 99% dabei sind.“

ProBauDok – Schlüssel zur Effizienz

Dr. Leukels Projekt heißt „ProBauDok - Kooperatives, semantisch sensitives Dokumentenmanagement in industriellen Bauprojekten“.

„Unser Ziel ist ganz klar: Wir möchten über Methoden der Wissensverarbeitung das in verteilten Baudokumenten enthaltene Wissen dem Projektmanagement zugänglich machen. Zukünftige Softwaresysteme sollen auf diese Weise helfen, dass Unternehmen effizienter mit großen Informationsmengen umgehen und die richtigen Informationen erhalten“, so Dr. Leukel.

Wissensmodell für Geschäftsdokumente
Die Hohenheimer Wissenschaftler entwickeln ein neuartiges Wissensmodell für Geschäftsdokumente und erweitern es um bauspezifische Inhalte.

Aus denselben Bausteinen soll auch in Zukunft das Web 3.0 entstehen. Dr. Leukel: „Es ist auch bekannt als Semantic Web und wird auf Wissensmodellen beruhen. Heutige Suchmaschinen benutzen kein Wissensmodell. Sie suchen nur nach Begriffen, die nicht untereinander vernetzt sind.“

„Wissensmodelle bilden die Basis für Dokumentenmanagement-Systeme der neuen Generation. Das heißt, dass Dokumente nicht mehr rein sprachlich beschrieben werden, sondern das Programm verschlagwortet sie mit künstlicher Intelligenz und sortiert sie in die richtige zeitliche Reihenfolge. Dies ist nur mit semantischen Technologien zu erreichen“, erklärt der Wissenschaftler.

Hintergrund: Schwergewichte der Forschung

Rund 26 bzw. 32 Millionen Euro an Drittmitteln akquirierten Forscher der Universität Hohenheim allein in den beiden vergangenen Jahren – jeweils rund 20% mehr als im Vorjahr. In loser Folge präsentiert die Reihe „Schwergewichte der Forschung“ herausragende Forschungsprojekte mit einem Drittmittelvolumen von mindestens einer viertel Million Euro bzw. 125.000 Euro in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.

Florian Klebs | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hohenheim.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Doppelhaus mal anders - Elegantes Glas-Ensemble am Hang
02.05.2017 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

nachricht Bauübergabe der ALMA-Residencia
26.04.2017 | Max-Planck-Institut für Astronomie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften