Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Holz erdbebensicher bauen: Universität Kassel erforscht die Grundlagen

07.04.2011
Außerordentlich „gutmütig“ sei der Baustoff Holz, urteilt Werner Seim und denkt dabei an dessen Fähigkeit, durch Reibung und Verformung in den Verbindungen ein hohes Maß an Energie aufzunehmen.

Das sind für den Leiter des Fachgebiets für Bauwerkserhaltung und Holzbau an der Universität Kassel ideale Voraussetzungen, um Erschütterungen zu widerstehen, wie sie jedes Erdbeben mit sich bringt. Diese Fähigkeit soll jetzt an der Universität Kassel in einem aufwändigen Versuchsprogramm unter der Leitung von Professor Seim nachgewiesen werden.


Wie in realen Erdbeben: Hölzerne Wandelemente werden am Fachgebiet für Bauwerkserhaltung und Holzbau auf ihre Belastungsfähigkeit getestet. Bild: Uni Kassel

Insbesondere in Deutschland und den skandinavischen Ländern gehören viergeschossige Holzbauten längst zum Standard. Montagegeschwindigkeit, Qualitätssicherung durch Leichtbau und Vorfertigung, die Nachhaltigkeit des Baustoffs und die darin enthaltene CO2-Aufnahme sprechen für Seim unbedingt für das Bauen mit Holz. Das Verhalten mehrgeschossiger Holzbauten bei Erdbeben ist allerdings sehr komplex und allgemein anwendbare Bemessungsgrundlagen stehen dafür bislang nicht zur Verfügung. Dies allerdings wäre eine Voraussetzung, um den Holzbau auch in erdbebengefährdeten Gebieten Südeuropas und Asiens zu Akzeptanz zu verhelfen.

In dem auf zwei Jahre angelegten Forschungsvorhaben OPTIMBER-QUAKE* investieren die Holzwirtschaft und die beteiligten EU-Länder deshalb 800.000 Euro, damit diese Datenlücke geschlossen wird. Der Löwenanteil von 480.000 Euro entfällt davon auf die Arbeiten an der Universität Kassel. Prof. Seim und sein Team setzen dabei hölzerne Wandelemente bis zu einer Größe von 2,50 Metern Schwingungen und Erschütterungen aus, wie sie in realen Erdbeben in Japan, USA und Italien aufgezeichnet worden sind und messen die dabei auftretenden Belastungen.

Forscherkollegen in Belgien machen Ähnliches mit hölzernen Deckenelementen und Wissenschaftler in Italien steuern komplexe Rechenleistungen bei. Die Forscher verfolgen dabei das Ziel, mechanische Regeln zu entwickeln und durch Experimente abzusichern, die Aussagen über ganz unterschiedliche Bauausführungen bis hin zu sechs- oder achtgeschossigen Bauten erlauben.

„Wir reihen uns mit diesen Arbeiten zur Erdbebensicherheit ein in die Forschungen, die meine Kollegen Prof. Ekkehard Fehling bereits für den Massiv- und Prof. Uwe Dorka für den Stahlbau geleistet haben“, sagt Seim, womit er nicht nur kollegiale Bescheidenheit demonstriert, sondern auf einen hochaktuellen Forschungsschwerpunkt der Kasseler Universität verweist.

* OPTIMBER-QUAKE ist ein über CORNET gefördertes transnationales Projekt (siehe auch http://www.cornet-era.net). Das Projekt wird nicht über die Europäische Union (EU), sondern direkt durch die beteiligten Länder finanziert. Der deutsche Part wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert, der Belgische Part über den Service Public de Wallonie, SPW – Belgium. Der Arbeitsgruppe in Kassel angegliedert ist Prof. Fragiacomo, Italien, im Rahmen einer Unterbeauftragung.

Im deutschen Teilprojekt sind folgende Verbände involviert: Holzbau Deutschland / Qualitätsgemeinschaft Holzbau und Ausbau (QHA), Berlin, Deutscher Holzfertigbauverband e.V., Stuttgart (DHV), Studiengemeinschaft Holzleimbau e.V., Wuppertal (SGHL), Verband der Holzwerkstoffindustrie e.V., Gießen (VHI) und Bundesverband der Gipsindustrie e.V., Berlin. Im Projektbegleitenden Ausschuss sind die Sektoren durch Mitgliedsbetriebe der Verbände und die Wissenschaft durch hochrangige Vertreter beteiligt. Diese Projektkoordinierung übernimmt Martin FischerI vom INNOVATIONSSERVICE FÜR NACHHALTIGES BAUEN UND WOHNEN - INBW, der auch das Antragsverfahren betreut hat. Durch die breite Beteiligung der Branche und der Wissenschaft sowie die umfangreichen Transfermaßnahmen sind die Praxisnähe der Ergebnisse und die zeitnahe Umsetzung sicher gestellt.

Info
Prof. Dr.-Ing. Werner Seim
Universität Kassel
FB 14 - Fachgebiet Bauwerkserhaltung und Holzbau
Telefon: 0561/804-2625
E-Mail: wseim@uni-kassel.de
Dipl.-Ing. (FH) Martin Fischer
INNOVATIONSSERVICE FÜR NACHHALTIGES BAUEN UND WOHNEN - INBW
Telefon: (0881) 638934
E-Mail: martin.fischer@inbw.info

Christine Mandel | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-kassel.de
http://www.inbw.info

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Doppelhaus mal anders - Elegantes Glas-Ensemble am Hang
02.05.2017 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

nachricht Bauübergabe der ALMA-Residencia
26.04.2017 | Max-Planck-Institut für Astronomie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie