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Fassadenverschattung: Klappe auf, Klappe zu

06.06.2011
Freiburger Forscher erhalten Preis für die Erfindung einer Fassadenverschattung nach dem Vorbild der Paradiesvogelblume

Von der südafrikanischen Paradiesvogelblume, auch Strelitzie genannt, können sich Wissenschaftler einiges abgucken – und das mit Erfolg: Prof. Dr. Thomas Speck, Dr. Tom Masselter und Dipl.-Biol. Simon Poppinga vom Botanischen Garten der Universität Freiburg sind für die Entwicklung der „Bionischen Fassadenverschattung nach dem Vorbild der Strelitzie" mit dem „Techtextil Innovationprize 2011 – Architecture“ ausgezeichnet worden.


Quelle: Bionik Uni Freiburg

Der Preis wurde ihnen auf der TechTextil 2011, Europas größter und wichtigster Industriemesse für Technische Textilien, in Frankfurt verliehen. Die Freiburger teilen sich die Auszeichnung mit Kolleginnen und Kollegen vom Institut für Tragkonstruktionen und Konstruktives Entwerfen der Universität Stuttgart, vom Institut für Textil- und Verfahrenstechnik Denkendorf und vom beteiligten Firmenpartner Clauss Markisen.

Die bionische Fassadenverschattung Flectofin© ist eine naturinspirierte, wandelbare Konstruktion für die Architektur: Sie funktioniert wie eine vertikale Jalousie. Bei dem stufenlos einstellbaren Klappmechanismus lässt sich die Ausrichtung der Lamellen nach Bedarf verändern. Auf verschleißanfällige und wartungsintensive Gelenke und Scharniere haben die Forscher jedoch verzichtet. Stattdessen basiert die elastische Verformung auf dem Klappmechanismus in der Blüte der Strelitzie. Die Blume wird in ihrer Heimat Südafrika von Vögeln bestäubt, die sich auf einer eigens von der Pflanze gebildeten „Sitzstange“ aus verwachsenen Blütenblättern niederlassen. Durch das Gewicht des Vogels klappen die Blütenblätter auf und die Pflanze gibt Pollen ab, die der Vogel auf die nächste Blüte überträgt.

Die Grundlage für den Flectofin®-Klappmechanismus ist ein glasfaserverstärkter Kunststoff, der hochelastische Eigenschaften hat und gut verformt werden kann. Das Auf- und Zuklappen der Lamellen ist an das Biegen eines in die Lamelle integrierten Stabes gekoppelt, wodurch sie um bis zu 90 Grad umklappt. Dieses Grundprinzip lässt sich zu verschiedenen Versionen weiterentwickeln. Da der Klappmechanismus ohne technische Gelenke oder Scharniere funktioniert und sich die Flectofin®-Systeme auch auf aufwändig zu schattierende, gekrümmte Fassaden anbringen lassen, erhoffen sich die Forscher einen wichtigen Impuls für das moderne Bauwesen. Die Flectofin®-Verschattung kann von Einfamilienhäusern bis hin zu großen 20 bis 30 Meter hohen Fassenden verwendet werden.

Kontakt:
Prof. Dr. Thomas Speck
Direktor Botanischer Garten
Universität Freiburg
Tel.: 0761/203- 2875
Fax: 0761/203- 2880
E-Mail: thomas.speck@biologie.uni-freiburg.de

Rudolf-Werner Dreier | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-freiburg.de

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