Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Drahtlose Haustechnik-Systeme geben viel über die Bewohner preis

22.07.2014

Hausautomations-Systeme, die Licht, Heizung, Rollläden oder Türschlösser steuern, eröffnen Dritten umfangreiche Einblicke in die Privatsphäre der Bewohner. Das haben IT-Sicherheitsexperte Christoph Sorge und sein Forscherteam herausgefunden.

Selbst verschlüsselte Anlagen geben durch ihren Datenaustausch Informationen preis, die etwa Einbrecher nutzen könnten. Professor Sorge, Inhaber der juris-Stiftungsprofessur für Rechtsinformatik der Saar-Uni, und sein Team erforschen jetzt, wie die Haustechnik sicherer werden kann. Frederik Möllers aus Sorges Team stellt die Ergebnisse am 25. Juli in Oxford auf der Konferenz "ACM Conference on Security and Privacy in Wireless and Mobile Networks" vor.

Die Heizung regelt sich energiesparend selbst, die Beleuchtung passt sich der Tageszeit an, Pflanzen werden automatisch gegossen, Rollläden fahren von selbst hoch und runter – die Vorteile von intelligenter Hausautomation sind vielfältig und entsprechend erfreuen sich die Systeme zunehmender Beliebtheit.

Aber die drahtlosen Anlagen können auch ein Risiko sein, wie Untersuchungen der Forschungsgruppe von Professor Christoph Sorge belegen. „Viele der Systeme gewähren keine ausreichende Sicherung gegen ungewollte Zugriffe Dritter und stellen eine Bedrohung für die Privatsphäre der Hausbewohner dar“, sagt der Experte für IT-Sicherheit, Datenschutz und Verschlüsselungstechnik von der Saar-Uni. Mit seinem Team hat er erforscht, wie angreifbar die Systeme sind.

Hierfür haben die Wissenschaftler im Rahmen einer Studie die Rolle eines böswilligen Angreifers übernommen: „Wir haben die Systeme zweier Freiwilliger über einen längeren Zeitraum mit Hilfe eines einfachen, etwa zigarettenschachtelgroßen Mini-PCs belauscht und so ermittelt, wie viele Informationen ein herkömmliches, drahtloses Hausautomations-System über seine Besitzer verrät“, erklärt Sorge.

Dabei hatten die Forscher keine zusätzlichen Informationen über die Bewohner. Das Ergebnis: „Systeme ohne Verschlüsselung liefern jedem, der es darauf anlegt, große Mengen an Daten, und das ohne Vorkenntnisse über die Anlage oder die so ausgespähten Opfer“, sagt er.

„Aus diesen Daten lassen sich Kommandos und Statusinformationen des Systems auslesen, die viel über das Verhalten und die Gewohnheiten der Bewohner aussagen. Wir konnten Arbeitszeiten ebenso extrahieren wie die Lüftungs- und Heizgewohnheiten“, erklärt der Rechtsinformatiker.

Hierdurch war es möglich, regelrechte Profile der Hausbewohner zu erstellen. Sogar wenn die Systeme eine Verschlüsselung enthalten, können sie Dritten Informationen liefern: „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass selbst bei verschlüsselter Kommunikation allein aufgrund der Anzahl der ausgetauschten Nachrichten noch Informationen über Anwesenheitszeiten gewonnen werden könnten“, sagt Sorge. Sowohl gegen die Funktion des Systems selbst, als auch gegen die Privatsphäre der Hausbewohner können sich mögliche Angriffe richten. „Ein böswilliger Angreifer kann mit Hilfe solcher Informationen auch Einbrüche planen“, sagt Sorge.

„Um die drahtlosen Hausautomations-Systeme sicher zu machen, besteht noch ein großer Handlungsbedarf. Entsprechend weiterentwickelte Verschlüsselungs- und Verschleierungstechnologien können hier einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Privatsphäre leisten“, erklärt Sorge. Und an solchen arbeitet er mit seiner Gruppe derzeit gemeinsam mit der Universität Paderborn im Rahmen eines vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Projekts.

Die Forschung zur Hausautomation begann mit einer Masterarbeit von Andreas Hellmann bei Professor Sorge an der Universität Paderborn, bevor er mit seiner Forschergruppe an die Saar-Uni wechselte. Frederik Möllers, Wissenschaftlicher Mitarbeiter in Sorges Saarbrücker Team, der die Forschungen mit Professor Sorge fortgeführt hat, wird die Ergebnisse der Studie am 25. Juli in Oxford präsentieren.

Hintergrund: Christoph Sorge ist Experte für IT-Sicherheit, Datenschutz, sichere Kommunikation, Verschlüsselungstechniken, elektronische Signaturen und IT-Einsatz in der Justiz. Er hat die Stiftungsprofessur der juris GmbH am Institut für Rechtsinformatik der Saar-Uni inne und forscht und lehrt mit seinem Team an der Schnittstelle von Technik und Recht. Sorge war zuvor Juniorprofessor für „Sicherheit in Netzwerken“ an der Universität Paderborn.

Kontakt: Professor Christoph Sorge:
Telefon: 0681 302 5122 (Sekretariat: -5120), E-Mail: christoph.sorge@uni-saarland.de

Ein Pressefoto für den kostenlosen Gebrauch finden Sie unter
http://www.uni-saarland.de/pressefotos. Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen.

Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes führen, über Rundfunk-Codec (IP-Verbindung mit Direktanwahl oder über ARD-Sternpunkt 106813020001). Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681/302-2601, oder -64091).

Claudia Ehrlich | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Neueinschätzung der Erdbebengefährdung Deutschlands
13.06.2018 | Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

nachricht Im Herzen der Stadt
06.06.2018 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Im Focus: Revolution der Rohre

Forscher*innen des Instituts für Sensor- und Aktortechnik (ISAT) der Hochschule Coburg lassen Rohrleitungen, Schläuchen oder Behältern in Zukunft regelrecht Ohren wachsen. Sie entwickelten ein innovatives akustisches Messverfahren, um Ablagerungen in Rohren frühzeitig zu erkennen.

Rückstände in Abflussleitungen führen meist zu unerfreulichen Folgen. Ein besonderes Gefährdungspotential birgt der Biofilm – eine Schleimschicht, in der...

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Im Focus: Overdosing on Calcium

Nano crystals impact stem cell fate during bone formation

Scientists from the University of Freiburg and the University of Basel identified a master regulator for bone regeneration. Prasad Shastri, Professor of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

Hengstberger-Symposium zur Sternentstehung

19.06.2018 | Veranstaltungen

LymphomKompetenz KOMPAKT: Neues vom EHA2018

19.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Breitbandservices von DNS:NET erweitert

20.06.2018 | Unternehmensmeldung

Mit Parasiten infizierte Stichlinge beeinflussen Verhalten gesunder Artgenossen

20.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics