Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sonnenfinsternis auf Knopfdruck - Gaschrome Fenster als moderner Sonnenschutz

20.06.2001


Eine Idee des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE läuft demnächst bei der Firma Interpane vom Band: Isoliergläser, die auf Knopfdruck abdunkeln. Statt herkömmlicher, mechanischer Jalousien wird der Sonnen- und Blendschutz der Zukunft auf einem wartungsfreien elektrochemischen Vorgang beruhen, der die Durchsichtigkeit des Fensters stufenlos ändert. Bald wird das Produkt auch über den Fachhandel erhältlich sein.

Wenn im Herbst 2001 die Pilotfertigung gaschromer Scheiben bei Interpane in Lauenförde aufgebaut wird, hat Wolfgang Graf, Projektleiter am Fraunhofer ISE, Grund zum Feiern. "Wir haben diese Technik in der Rekordzeit von rund
1 ½ Jahren bis zur Fertigungsreife entwickelt. Das war nur möglich, weil wir im Institut alles aus einer Hand bieten können: Grundlagenforschung, Systemtechnik, Marketing und den direkten Kontakt zum Architekten als zukünftigem Nutzer."

Die Glaselemente der Pilotproduktion sind für Demonstrationsprojekte in großflächigen Fassaden bestimmt. Neben technischen Detailfragen interessiert die Forscher besonders die Rückmeldung der Nutzer.

Was ist der Vorteil von Verglasungen, die auf Knopfdruck abdunkeln können? Wenn wenig Sonne scheint, wird das Licht mit offenen Armen empfangen und kann sein wärmendes und erhellendes Werk tun. Im Sommer, wenn vor allem in Bürogebäuden Überhitzung droht, dunkelt man das Fenster mit einem Knopfdruck soweit ab, dass man einerseits genug Licht, andererseits aber nicht zuviel Wärme im Raum hat. So nutzt man Sonnenenergie und Tageslicht optimal und braucht doch oft keine Klimaanlage.

Ein weiterer Nutzen: Architekten können die Außenhülle freier gestalten und müssen nicht so sehr auf den Wärmeeintrag achten. Sie brauchen auch keine aufwändigen Sonnenschutzanlagen mehr, die das Erscheinungsbild beeinflussen und wartungsintensiv sind.

Die möglichen Anwendungen sind vielfältig: Fenster, Fassaden, Brüstungen, Fahrzeugverglasung. Dazu ein Beispiel: Der Prototyp eines modernen Reisebusses mit seitlichen Oberlichtern gestattet den Reisenden vollen Blick auf die Sehenswürdigkeiten, ohne dass sie schwitzen müssen.

Innenverglasungen sind eine ganz andere Anwendungssparte. So schirmen schaltbare Sichtschutzwände in einem Großraumbüro nach Wunsch vertrauliche Besprechungen ab oder fördern Kommunikation mit voller Durchsicht.

Besonders pfiffig ist der technische Hintergrund der "gaschromen" Verglasung: Letztlich ist Wasserstoff für die zwischen 1 und 75% stufenlos änderbare Transmission verantwortlich. Die Innenseite der Isolierverglasung ist mit Wolframoxid (WO3) beschichtet. Dieser unsichtbare Belag färbt sich dunkelblau ein, wenn er mit geringsten Mengen Wasserstoff in Verbindung kommt. Er entfärbt sich im Kontakt mit Sauerstoff.

Wie kommt der Wasserstoff ins Fenster? Ganz einfach: Im Brüstungsbereich des Fensters verborgen sitzen ein kleiner Elektrolyseur und eine Pumpe, die in einem geschlossenen Gaskreislauf für die gewünschte Mischung sorgen. Nach dem Einbau sind die Fenster für 20 Jahre und mehr wartungsfrei. "Der Nutzer merkt von der Technik nichts.", erläutert Graf und fügt hinzu: "Die Beimischung von Wasserstoff ist so gering, dass selbst bei Zerstörung des Fensters keine Gefahr besteht."

Der visuelle Eindruck beim Schalten ist faszinierend: Wie bei einer Sonnenfinsternis ändert sich in wenigen Minuten die Helligkeit gleichmäßig und lautlos. So kann jeder seinen Arbeitsplatz komfortabel und individuell an das Wetter anpassen.


Informationsmaterial:
Fraunhofer ISE, Presse und Public Relations
Tel. +49 (0) 7 61/45 88-1 50, Fax +49 (0) 7 61/45 88-3 42

E-Mail: info@ise.fhg.de

Hier erhalten sie auch Bildmaterial zu gaschromen Fenstern.

Ansprechpartner für weitere Informationen:

Projektleiter Gaschrome Fenster:
Dipl.-Phys. Wolfgang Graf, Fraunhofer ISE,
Tel. +49 (0) 7 61/40166 -85, Fax +49 (0) 7 61/40166 -81

Karin Schneider | idw

Weitere Berichte zu: Fenster Gaschrome ISE Sonnenschutz Wasserstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Additive Fertigung: Bauteile völlig neu denken
02.12.2016 | Hochschule Landshut

nachricht Kombination von Isolierung und thermischer Masse
01.12.2016 | Fraunhofer Institute for Chemical Technology ICT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie