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Wozu Spargel im Meerwasser?

21.12.2012
Salztolerante Pflanzen reinigen Prozesswasser aus der Fischzucht

Fast jeder zweite Seefisch, der heutzutage verzehrt wird, stammt aus einer Fischzuchtanlage. Die Überfischung der Meere und der gleichzeitig ständig wachsende Bedarf an marinen Speisefischen führen zu einem Boom der kommerziellen Fischzucht.

Zusätzlich zu den Aquakulturen an den Küsten gibt es im Moment einige wenige Projekte zur landbasierten Produktion von Meeresfischen. Dort werden Schwarmfische wie Wolfsbarsche, Doraden oder Makrelen in großen Haltungstanks ohne Zugang zum Meer und unabhängig von natürlichem Meerwasser gezüchtet.

Ein innovatives Projekt unter Beteiligung der Leibniz Universität Hannover forscht daran, das Prozesswasser aus diesen Fischzuchtanlagen mit salztoleranten Pflanzen wie Meeresspargel oder Strandaster zu reinigen, Nährstoffe zu nutzen und das Wasser dann wieder der Fischzucht zuzuführen. So entsteht ein geschlossener Kreislauf, in dem das teure, künstlich hergestellte Meerwasser immer wieder genutzt werden kann.

Ein besonderer Clou: Die Pflanzen sind nicht nur Biofilter, sondern können selber als Nahrung dienen. „Die Pflanzen sollen eine gute Absatzchance als Lebensmittel haben, daher haben wir uns bemüht, sie geschickt auszuwählen“, berichten Projektleiterin Prof. Jutta Papenbrock und Doktorandin Anne Buhmann vom Institut für Botanik der Leibniz Universität.

Die Wahl fiel auf salztolerante Pflanzen, die anderswo gerne gegessen werden oder sogar als Delikatesse gelten: der so genannte Meeresspargel, auch Queller genannt, die Strandaster und der Hirschhornwegerich. Der Queller wird in Küstenregionen Frankreichs gesammelt und in Restaurants und auf Märkten als Gemüse angeboten. Strandaster und Hirschhornwegerich, der dem Rucola ähnelt, können ebenfalls gedünstet als Gemüse oder auch roh als würziger Salat verzehrt werden.

In Versuchsbecken in Hannover testen die Experten die Kultivierung der Pflanzen mit Prozesswasser aus der Fischzucht – zum einen auf Kies oder Sand, zum anderen auf Styroporplatten, die direkt auf dem Wasser schwimmen. Die Ergebnisse werden in einer Fisch-Pflanzen-Kreislaufanlage im Saarland in größerem Maßstab umgesetzt. Verbunden mit einer Fischzuchtanlage in Völklingen soll in den kommenden Jahren ein etwa 300 Quadratmeter großes Gewächshaus gebaut werden. Partner in dem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Projekt sind unter anderem die Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes und die Firma Neomar. Das Freiburger Öko-Institut e.V. wird das Projekt hinsichtlich Nachhaltigkeit bilanzieren.

Wie ist es um die Lebensmittelqualität der Pflanzen bestellt, wenn sie aus „Abwässern“ gespeist werden? Hier geben die Wissenschaftler Entwarnung. „Es sind keine Schadstoffe im Wasser“, sagt Prof. Papenbrock. Antibiotika würden in der Kreislauffischzucht nicht verwendet. Anders sehe das in offenen Anlagen in Vietnam oder Indien aus. „Mein Traum wäre ein Transfer in die Tropen. Dort könnte man mit den Pflanzen als Biofilter und -katalysator Antibiotika und Chemikalien entgiften.“

Hinweis an die Redaktion:
Für weitere Informationen steht Ihnen Prof. Jutta Papenbrock, Institut für Botanik, unter Telefon +49 511 762 3788 oder per E-Mail unter jutta.papenbrock@botanik.uni-hannover.de gern zur Verfügung.

Mechtild Freiin v. Münchhausen | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hannover.de

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