Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eine wirksame Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners zum Schutz des Menschen ist möglich

22.02.2013
Experten diskutierten Bekämpfungsstrategien auf einem Statusseminar von Bundesinstitut für Risikobewertung und Julius Kühn-Institut

Der Eichenprozessionsspinner (EPS) ist in Deutschland weiter auf dem Vormarsch. Neben Eichenwäldern sind zunehmend Eichen des innerstädtischen Grüns etwa entlang von Alleen, auf Spielplätzen, in öffentlichen Parks und in Naherholungsgebieten befallen.

Die Raupen bilden mit dem dritten Larvenstadium Brennhaare aus und können dadurch schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen bei Menschen verursachen, was unter dem Gesichtspunkt des Gesundheitsschutzes nicht tolerierbar ist. „Typische Symptome nach einem Kontakt mit den Brennhaaren sind Hautirritationen, Augenreizungen und Atembeschwerden, bei empfindlichen Personen können auch schwere pseudoallergische Reaktionen bis hin zum Schock auftreten“, sagt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), „eine Bekämpfung in den ersten beiden Larvenstadien ist daher im urbanen Bereich dringend geboten und sollte bis spätestens April erfolgen.“

Auf einem Statusseminar am 18. Februar 2013 diskutierten Vertreter von Ministerien, Bundes- und Länderbehörden sowie Praktiker, welche Möglichkeiten für das Jahr 2013 zur Verfügung stehen. Die Situation ist rechtlich kompliziert, da je nach Anwendungsbereich und Schutzziel auf unterschiedlichen Rechtsgrundlagen vorzugehen ist. „Für den Schutz der Eichen in Wäldern vor Kahlfraß und Zerstörung ist das Pflanzenschutzrecht die Grundlage“, sagt Professor Dr. Georg Backhaus, Präsident des Julius Kühn-Instituts (JKI).

Nach dem Pflanzenschutzrecht stehen zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners (EPS) im Jahr 2013 drei Pflanzenschutzmittel zur Verfügung. Auf sie kann zur Bekämpfung des EPS im Jahr 2013 zurückgegriffen werden, ihr Einsatz bedarf jedoch zum Teil eines Antrags beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Für die gezielte Bekämpfung aus der Luft im Forst ist derzeit nur ein Pflanzenschutzmittel nach § 18 des Pflanzenschutzgesetzes genehmigt.

Da in urbanen Gebieten die gesundheitsschädlichen Auswirkungen eines Befalls im Vordergrund stehen, hat die Bekämpfung des EPS in Ortschaften nach dem Biozidrecht zu erfolgen. Nach dem Biozidrecht sind noch keine Biozidprodukte speziell zur Bekämpfung des EPS zugelassen. Es gibt aber Produkte, die aufgrund der derzeit gültigen Übergangsregelung bei der EPS-Bekämpfung aus Gründen des Gesundheitsschutzes eingesetzt werden dürfen.

Nach Ansicht der nach dem Biozidrecht zuständigen Bundesbehörden sollten vor dem Einsatz chemisch-biologischer Mittel auch biozidfreie Alternativen bei der Festlegung der Bekämpfungsstrategie geprüft werden. Falls in der spezifischen Befallssituation möglich, gehören dazu neben organisatorischen Maßnahmen wie zeitlich befristete Zugangsverbote oder Warnhinweise auch mechanische Verfahren wie eine Absaugung der Nester durch Spezialfirmen. Ist dieses Vorgehen basierend auf dem Schadschwellenkonzept in der spezifischen Befallssituation nicht ausreichend oder aus Gründen des Gesundheitsschutzes der Bevölkerung nicht vertretbar, können entsprechend der jeweiligen konkreten Situation verkehrsfähige Produkte unterschiedlicher Wirkweise eingesetzt werden.

Auf dem Statusseminar wurden für verschiedene Befallsszenarien praktikable Möglichkeiten einer situationsbezogenen Bekämpfung mit den zur Verfügung stehenden Produkten und Pflanzenschutzmitteln dargelegt. Eine entsprechende Übersicht, die von allen zuständigen Bundesbehörden erarbeitet worden ist, wird in Kürze auf den Webseiten von BfR und JKI veröffentlicht.

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

Dr. Suzan Fiack | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfr.bund.de/de/veranstaltung/statusseminar_prozessionsspinner__notodontidae____sachstand_zu_bekaempfungsstrategien___massnah

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht „Antilopen-Parfüm“ hält Fliegen von Kühen fern
20.10.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Agritechnica: Silber für neue Technologie zur Blütenausdünnung im Obstbau
16.10.2017 | Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise