Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wilde Bestäuber sichern das Einkommen von Mandelbauern

03.09.2015

Erste ökonomische Hochrechnungen für kalifornische Mandelplantagen zeigen: je mehr wild lebende Bestäuber wie Wildbienen und Schwebfliegen, desto sicherer sind die Erträge der Mandelbauern. Verglichen mit Mandelplantagen, die ausschließlich von gezüchteten Honigbienen bestäubt werden, reduziert die Zuarbeit von wild lebenden Bestäubern das Risiko unsicherer Erträge um bis zu 20 %. Diesen „Versicherungseffekt“ stellt die Freiburger Umweltökonomin Yuki Henselek am 2. September 2015 auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Ökologie vor. Ihr Fund ist angesichts des weltweiten Bienensterbens sowohl ökonomisch als auch ökologisch relevant.

Kalifornische Mandelbauern sind auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Deshalb transportieren sie jedes Jahr rund die Hälfte der knapper werdenden Bienenvölker der USA zu ihren Plantagen. Doch auch von den kostenlosen Leistungen wild lebender Bestäuber wie Wildbienen und Schwebfliegen profitieren die Mandelbauern wirtschaftlich:


Wildbiene bestäubt Mandelblüte; hier die am häufigsten beobachtete Wildbienenart Andrena cerasifolii

A.M. Klein / Albert-Ludwigs-Universität Freiburg


Mandelplantage in Kalifornien zur Blütezeit

A.M. Klein / Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Sie erhöhen das durchschnittliche Einkommen eines Mandelbauern um bis zu 68 % und reduzieren gleichzeitig das Risiko unsicherer Erträge um bis zu 20 %. Am meisten profitieren organisch wirtschaftende Mandelbauern mit hohem Anteil natürlicher Vegetation in der Umgebung ihrer Plantagen.

Das zeigen erste Hochrechnungen der Umweltökonomin Yuki Henselek von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Ihre ersten Ergebnisse präsentiert sie am 2. September 2015 auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Ökologie in Göttingen. Unter dem Motto „Ecology for a sustainable future“ treffen sich hier rund 600 Ökologen aus 38 Ländern.

Die Studien der Freiburger Umweltökonomin belegen, dass wild lebende Bestäuber substanziell zum Einkommen der Mandelbauern beitragen. Besonders das verringerte Risiko unsicherer Erträge ist laut Yuki Henselek ein spannender und neuer Aspekt:

„Wir bezeichnen das als ‚Versicherungseffekt‘ für das Einkommen der Mandelbauern. In unseren Berechnungen zeigt sich das durch geringere Schwankungen des mittleren Einkommens der Landwirte. Das bedeutet auch, dass es unwahrscheinlicher ist, besonders geringe Erträge zu erzielen, wenn nicht nur die gezüchteten Honigbienen, sondern auch die wilden Bestäuber da sind. Diese ‚Einkommensversicherung‘ durch wilde Bestäuber könnte auch angesichts des weltweiten Bienensterbens bald eine Rolle spielen.“

Grundlage der Berechnungen von Yuki Henselek sind Beobachtungen von blütenbesuchenden Insekten auf 23 Mandelplantagen in Sacramento Valley, Kalifornien. Die Freiburger Professorin und Vizepräsidentin der Gesellschaft für Ökologie, Alexandra-Maria Klein, hatte hier im Frühjahr 2008 Tausende Insekten auf Mandelblüten beobachtet und ihre Erfolgsquote bei der Mandelproduktion bewertet. Die Modelle von Yuki Henselek rechnen die Leistungen der Honigbienen sowie der wilden Bestäuber auf die zum aktuellen Marktpreis verkauften Mandeln eines Bauern je Baum in einer Saison hoch.

Originalveröffentlichung

Henselek Y, Klein AM, Baumgärtner S (2015): The insurance effect of wild pollinators on almond farmers’ income. In: Gesellschaft für Ökologie e.V. (Hrsg.): Verhandlungen der Gesellschaft für Ökologie, Band 45. Jahrestagung der Gesellschaft für Ökologie, 31. Aug. - 4. Sep. 2015 in Göttingen. Görich&Weiershäuser, Marburg, S. 163

Termin

Jahrestagung der Gesellschaft für Ökologie: 31. August - 4. September 2015
Vortrag von Yuki Henselek: 2. September 2015, 16:45 Uhr, Hörsaal MN08
Georg-August-Universität Göttingen
Hörsaalgebäude Geowissenschaften und Geographie
Goldschmidtstr. 1
D-37077 Göttingen

Kontakt (Presse, während der Tagung)

Dr. Eva Diehl (Pressereferentin)
Heike Kuhlmann (Tagungsorganisation)
E-Mail: presse@gfoe.org
Tagungstelefon: 0551 399598 (31. Aug. - 3. Sep. 2015, 9:30 - 18 Uhr)

Kontakt (fachlich)

Yuki Henselek, M.Sc.
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Professur für Umweltökonomie und Ressourcenmanagement
Tennenbacher Str. 4
D-79106 Freiburg
Tel.: 0761 2033783
E-Mail: yuki.henselek@ere.uni-freiburg.de

Weitere Informationen:

http://www.gfoe-2015.de/ - 45. Jahrestagung der GfÖ in Göttingen (Programm, wissenschaftliche Kurztexte zu allen Beiträgen)
http://gfoe.org/de/pressemitteilungen - Presseinformationen der GfÖ (Presseprogramm, Pressemitteilungen, Kurzinformation zur Gesellschaft)
http://gfoe.org - Internetseite der GfÖ
http://idw-online.de/de/event51645 - Termin beim idw (weitere Informationen zur Teilnahme)

Dr. Eva Diehl | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Klimawandel – die Tanne sticht Fichte und Buche aus
10.08.2017 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie