Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dem Verderb immer eine Spur voraus – ein neues System verbessert die durchgängige Qualitätskontrolle bei Obst und Gemüse

06.07.2010
SYSMORE, ein neues, am Leibniz-Institut für Agartechnik Potsdam-Bornim entwickeltes System zur Modellierung der Resthaltbarkeit von Produkten hilft Verluste verringern, die durch unpassende Verpackung, Lagerung und Transport - auf dem Weg vom Erzeuger zum Verbraucher - verursacht werden. Es vereinfacht die Kontrolle der Nacherntequalität in der Logistikkette von pflanzlichen Frischeprodukten und liefert insbesondere dem Handel wertvolle Informationen über die Resthaltbarkeit der leicht verderblichen Produkte.

Früchte, Wurzeln oder Salate - empfindliches Obst und Gemüse ist auch nach der Ernte stoffwechselaktiv. In einem Wettlauf mit der Zeit werden die für die menschliche Ernährung wertvollen Inhaltsstoffe abgebaut. Qualitätsverluste drohen – und das lange bevor äußerlich erkennbare Anzeichen wie Verfärbungen oder Weichwerden die Vermarktungsfähigkeit einschränken.

Je nach Umgebungsbedingungen erfolgt dieser Prozess mehr oder weniger schnell.
Das neue System kann die Resthaltbarkeit empfindlicher frischer Produkte entlang des gesamten Weges vom Erzeuger zum Verbraucher bestimmen. Dadurch lassen sich rechtzeitig Verluste verringern, die durch unpassende Verpackung, Lagerungs- und Transportbedingungen verursacht würden.

Bestandteile des modular aufgebauten Systems sind neuartige Funkdatenlogger mit Internetanbindung und ein Online-Programm zur Modellierung der Resthaltbarkeit. An einer Verpackungseinheit angebracht erfassen und speichern die Funkdatenlogger die klimatischen Belastungen durchgängig auf dem Weg vom Erzeuger bis zum Verbraucher. Temperatur, Lagerungszeit bzw. Messzeitpunkt und –dauer werden kontinuierlich aufgezeichnet und drahtlos, z.B über ein Smartphone, zu einem speziell entwickelten Webserver übertragen. Dort erfolgt die Berechnung der aktuellen Qualität und Haltbarkeitsparameter der Frischeprodukte auf Basis der vom Nutzer eingegebenen Eingangsdaten wie Produktart und Sorte, Reifezustand und Verpackungsart sowie der vom „Frischelogger“ übermittelten Informationen über Lagerungs- und Transportbedingungen. Produkt und Prozessinformationen werden mit mathematischen Modellen, die den Abbau von Inhaltsstoffen beschreiben, verknüpft. Der Nutzer erhält unmittelbar eine Aussage über den aktuellen Zustand der Ware.

Dies ermöglicht eine gezielte Steuerung der Lagerungs- und Transportbedingungen, um die temperaturabhängigen Stoffwechselabbauprozesse zu verlangsamen. Für den Handel ist die Kenntnis über die Resthaltbarkeit von Produkten eine wertvolle Hilfe bei der Entscheidungsfindung. Droht beispielsweise während des Transports aus Spanien ein Qualitätsverlust, können die für den Berliner Markt bestimmten Erdbeeren rechtzeitig an einem anderen Ort vermarktet werden.

Die „Frischelogger“ verfügen zudem über Funktionen, die den wechselnden Verantwortlichkeiten für ein Produkt entlang der Nacherntekette Rechnung tragen: Neben den kontinuierlich gespeicherten Messwerten nehmen sie relevante Textinformationen für die Rückverfolgbarkeit auf und besitzen darüberhinaus eine Lieferscheinfunktion. Informationen und Lieferschein lassen sich problemlos von Logger zu Logger übertragen.

Nicht nur für den Lebensmittelsektor bietet das System vielfältige Anwendungsmöglichkeiten. Seine Komponenten können mit nur geringen Aufwendungen an bestehende Informations-, bzw. Kontroll- und Abrechnungssysteme angepasst werden. Die Logger funktionieren auch autark. Über ein online-fähiges Gerät wie ein Smartphone lassen sie sich an verschiedenen Stationen in der Nacherntekette konfigurieren, starten und auslesen.

Das System Sysmore wurde gemeinsam vom Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim, der Firma ESYS GmbH Berlin und der Bundesanstalt für Materialforschung Berlin im Rahmen des Verbundprojekts ProSenso.net2 (gefördert vom BMBF) entwickelt.

Die Markteinführung steht kurz bevor.

Kontakt: Manfred Linke - Abteilung Technik im Gartenbau
Tel.: 0331 5699-615, E-Mail: mlinke@atb-potsdam.de
Helene Foltan – Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 0331 5699-820, E-Mail: hfoltan@atb-potsdam.de
Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim e.V.
Max-Eyth-Allee 100, 14469 Potsdam
Das Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim (ATB) zählt zu den führenden agrartechnischen Forschungseinrichtungen in Europa. Wir untersuchen und entwickeln nachhaltige Technologien im Agrar- und Nahrungsmittelsektor. Ziel ist ein optimiertes Zusammenwirken von Technik und Verfahren in landwirtschaftlichen Produktionssystemen bei reduziertem Ressourceneinsatz. Im Bereich der Qualität und Sicherheit von Frischeprodukten geht es um die Entwicklung innovativer Produktionskonzepte und die Weiterentwicklung bewährter qualitätssichernder technischer Verfahren und Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette – vom Feld bis zum Verbraucher. Im Fokus stehen leicht verderbliche Produkte, wie Obst, Gemüse, Milch und Fleisch sowie Futtermittel.

Helene Foltan | idw
Weitere Informationen:
http://www.atb-potsdam.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Dendromax: Züchtung und Vermehrung von Mehrklonsorten der Hybridlärche, Douglasie und Aspe
27.02.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

nachricht Arten verschwinden, Pflanzenfraß bleibt
07.02.2017 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Proteine Zellmembranen verformen

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor Oliver Daumke vom MDC erforscht. Er und sein Team haben nun aufgeklärt, wie sich diese Proteine auf der Oberfläche von Zellen zusammenlagern und dadurch deren Außenhaut verformen.

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor...

Im Focus: Safe glide at total engine failure with ELA-inside

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded after a glide flight with an Airbus A320 in ditching on the Hudson River. All 155 people on board were saved.

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded...

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Poseidon goes Politics – Wer oder was regiert die Ozeane?

27.02.2017 | Veranstaltungen

Fachtagung Rapid Prototyping 2017 – Innovationen in Entwicklung und Produktion

27.02.2017 | Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Herz-Untersuchung: Kontrastmittel sparen mit dem Mini-Teilchenbeschleuniger

27.02.2017 | Medizintechnik

Neue Maßstäbe für eine bessere Wasserqualität in Europa

27.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wenn der Schmerz keine Worte findet - Künstliche Intelligenz zur automatisierten Schmerzerkennung

27.02.2017 | Medizintechnik