Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tabakpflanze produziert Diabetes-Heilmittel

20.03.2009
Erfolgreiche Züchtung von Heilproteinen in transgenen Pflanzen

Die Tabakpflanze eignet sich bestens zur Erzeugung von Arzneistoffen für Autoimmun- und Entzündungskrankheiten wie Diabetes-1. Das ist ein Ergebnis des EU-Projekts Pharma-Planta http://www.pharma-planta.org , das Heilproteine in Pflanzen in therapeutisch relevanten Mengen produziert und klinisch testet. Die Forscher entwickelten transgene Tabakpflanzen, die den Wirkstoff Interleukin-10 produzieren. Dabei handelt es sich um ein wirkungsvolles Protein aus der Gruppe der Zytokine, das überschießende Entzündungsreaktionen verhindert. Tests an kranken Mäusen werden zeigen, ob die regelmäßige Einnahme geringer Dosen dieser Tabakblätter in Verbindung mit einem auto-Antigen heilende Wirkung für Diabetes Mellitus besitzen, berichtet das Fachjournal BMC Biotechnology.

"Tabak hat den Vorteil, dass es am Feld angebaut werden kann und bereits sehr gut erforschte transgene Eigenschaften besitzt", erklärt Johannes Stadlmann von der Wiener Universität für Bodenkultur http://www.boku.ac.at , im pressetext-Interview. In den Genstrang der Pflanze wurden Erbinformationen von zwei Versionen des Interleukins-10 eingeschleust, die von einem Virus und von einer Maus stammen. Die Tabakpflanze verarbeitete beide Formen des Proteins und produzierte es in den Blättern. Stadlmann war für die Analyse zuständig, ob die im Blatt erhaltenen Eiweißstoffe in Struktur und Eigenschaften den Erwartungen entsprechen. "Das hat sich auch weitgehend bestätigt", so der Wiener Biochemiker.

Die Methode der Heilmittelproduktion in transgenen Pflanzen ist schon länger bekannt, doch stellte die geringe Konzentration, in der die Stoffe bisher in den Blättern ausgeprägt wurden, eine Hürde dar. "Bei bisherigen Versuchen hätte man als Patient stets eine unzumutbare Menge von Blättern konsumieren müssen, damit genügend Wirkstoff eingenommen wird", so Stadlmann. Bei den jetzigen Versuchen mit Tabak hatten die Forscher mehr Erfolg, denn die Pflanze produzierte den Wirkstoff in ihren Blättern in einer bisher unerreichten Dosis, die für ihren Einsatz keine weiteren Gewinnungs- und Reinigungsprozesse erfordern würde. "Die erzeugten Proteine machen bis zu einem Prozent der Blattsubstanz aus, womit bereits eine für die Medizin relevante Menge erreicht ist", berichtet Studienleiter Mario Pezzotti von der Universität Verona http://www.univr.it gegenüber pressetext.

Bevor das Mittel therapeutisch eingesetzt wird, muss allerdings auch das Problem der Verabreichung gelöst werden. "Mäuse können mit Tabakblättern gefüttert werden, doch für Menschen ist der regelmäßige Verzehr kaum möglich. Der Tabak ist schließlich keine Futterpflanze", so Stadlmann. Die inhalierte Form durch Tabakrauch komme nicht in Frage, da die Hitze die gezüchteten Eiweiße vernichtet, viel eher sei die Produktion des Heilstoffes in anderen transgenen Pflanzen wie etwa in Kartoffeln denkbar. Sein italienischer Kollege Pezzotti lehnt ab: "Die Einnahme der Heilsubstanzen in Früchten oder Blättern wäre möglich und kostengünstig. Jedoch stellt sich die Ärzteschaft gegen diese Form der Selbstimpfung, da die eingenommene Dosis kaum kontrollierbar ist." Es müssten daher Methoden gesucht werden, um den in den Blättern gewachsenen Impfstoff abzusondern und ihn zu Medikamenten zu verarbeiten, so der italienische Forscher.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.pharma-planta.org
http://www.boku.ac.at
http://www.univr.it

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Biologische Vielfalt von grünlanddominierten Kulturlandschaften unter der Lupe
20.04.2018 | Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

nachricht Nitrat-Problem der Landwirtschaft in Luft auflösen
29.03.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns

24.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Bestrahlungserfolg bei Hirntumoren lässt sich mit kombinierter PET/MRT vorhersagen

24.04.2018 | Medizintechnik

RWI/ISL-Containerumschlag-Index auf hohem Niveau deutlich rückläufig

24.04.2018 | Wirtschaft Finanzen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics