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Strategie des Bundes zur alternativen Bekämpfung von Feuerbrand zeigt Erfolge

06.06.2012
Feuerbrand gehört zu den gefährlichsten Krankheiten im Kernobstanbau in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol.

Ohne eine wirksame Bekämpfung müssen in manchen Jahren ganze Obstanlagen gerodet werden. In der Versuchsanlage `Kirschgartshausen` des Julius Kühn-Instituts (JKI) informierten sich Ende Mai 2012 Wissenschaftler, Pflanzenschutzmittelhersteller, Obstbauern, Imker sowie Vertreter des Pflanzenschutzes und der Politik.


Frostschutzberegnete Büschel von Apfelblüten
Bernd Pfeifer, Julius Kühn-Institut

Die vom JKI in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Karlsruhe und dem Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg seit 1998 durchgeführten Untersuchungen zu Streptomycin-Alternativen zeigen deutliche Erfolge.

Bisher gelang es trotz jahrelanger intensiver Forschung nicht, gänzlich auf Streptomycin-haltige Pflanzenschutzmittel zu verzichten.Reges nationales und internationales Interesse galt daher den aktuellen Ergebnissen der Freilandversuche, die in der Versuchsanlage `Kirschgartshausen` des Julius Kühn-Instituts (JKI) durchgeführt wurden. Es ging darum, Feuerbrand ohne die Verwendung von Antibiotika zu bekämpfen.
Freilandversuche mit Feuerbrand hängen stark von den Witterungsbedingungen ab. Das kühle und von Spätfrösten geprägte Frühjahr 2012 führte zu einem guten, überraschend hohen Feuerbrandbefall von 30 % in der unbehandelten Kontrolle und sorgte für aussagekräftige Ergebnisse. Insgesamt wurden 10 Varianten mit mehr als 15.000 Blütenbüscheln an 260 Bäumen ausgewertet. Biologische Alternativen wie der Gegenspieler Erwinia tasmaniensis lieferten in den Vorjahren gute Ergebnisse. Unter dem diesjährigen starken Infektionsdruck konnte E. tasmaniensis - wie häufig bei lebenden Biokontroll-Organismen - sein Bekämpfungspotenzial nicht zeigen. Weitere Forschungen sind geplant, um die Wirkungsgrade zu stabilisieren und zu verbessern. Das Prüfmittel LMA zeigte mit einem nur 10 – 15 % geringeren Wirkungsgrad als Streptomycin das beste Ergebnis. Der positive Trend aus den Versuchen der zwei Vorjahre konnte bestätigt werden.

„Die Versuchsanlage des Julius Kühn-Instituts liegt isoliert außerhalb von Obstanbaugebieten. Jedes Jahr stehen über 400 fest gepflanzte Bäume für die Versuche zur Verfügung, die danach gerodet werden. Damit bietet `Kirschgartshausen` bundesweit, aber auch international, beste Bedingungen für Feuerbrandversuche“, so der Leiter des JKI-Instituts für Pflanzenschutz in Obst- und Weinbau, Prof. Dr. Wilhelm Jelkmann. Neue Strategien können in `Kirschgartshausen` praxisnah und standardisiert, d. h. unter optimal reproduzierbaren Bedingungen und nach international gültigen Richtlinien geprüft werden. Alle Versuche werden an dreijährigen Bäumen durchgeführt, von denen einige gezielt mit dem Feuerbranderreger infiziert werden. Ungünstige Nebeneffekte durch Behandlungen des Vorjahres, Rückschnittmaßnahmen oder Baumalter entfallen, da die Quartiere gewechselt und die Bäume nur einmal verwendet werden. Seit 2008/2009 kann starker Trockenheit oder Spätfrösten durch ein fest installiertes System zur Tröpfchen- und Überkronenbewässerung gegengesteuert werden.

Die vom Bund seit 2003 in zwei Fünfjahresperioden geförderte Strategie zur Bekämpfung des Feuerbranderregers ohne Antibiotika geht 2012 zu Ende. Weder in Deutschland noch in betroffenen Nachbarländern ist die längerfristige Anwendung Antibiotika-haltiger Pflanzenschutzmittel gewünscht.

Alle anwesenden Interessensgruppen versicherten daher, die notwendigen weiteren Untersuchungen mit dem vielversprechenden Wirkstoff rasch voranzubringen und eine baldige Zulassung durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zu unterstützen. So zeigte sich nicht nur der anwesende Präsident des Landesverbandes Erwerbsobstbau Baden-Württemberg e.V. (LVEO), Franz-Josef Müller, erfreut von der Aussicht, dass Streptomycin hoffentlich schon in naher Zukunft nicht mehr benötigt wird.

Dr. Gerlinde Nachtigall | idw
Weitere Informationen:
http://feuerbrand.jki.bund.de/

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