Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Von Pilzen und Wurzeln - Vernetzung im Boden

16.12.2009
Ohne Pilze geht in Wald und Wiese gar nichts. Das betrifft allerdings nicht nur die essbaren Vertreter dieser Zunft. Der sichtbare Fruchtkörper macht ohnehin nur einen Bruchteil eines Pilzes aus.

Der Rest besteht aus feinen Fädchen oder Hyphen, die zur Nährstoffversorgung die belebte und unbelebte Umwelt durchsetzen. Schlimmstenfalls kommt es so zu Pilzerkrankungen. Aber gerade im Boden tragen Pilze auch dazu bei, dass überhaupt etwas wächst.

Sie bilden ein dichtes Netz aus Hyphen um die Wurzelhärchen vieler Pflanzen, die Mykorrhiza. Sie versorgen die Pflanzen mit raren Nährstoffen wie Stickstoff oder Phosphor und erhalten von ihnen dafür Kohlenhydrate. Die Wechselwirkungen der Mykorrhiza-Pilzarten mit der Pflanzenwelt sind bisher noch nicht umfassend erforscht. Einen Übersichtsartikel zum aktuellen Stand der Forschung veröffentlichten Marcel van der Heijden von der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tännikon in Zürich und Thomas R. Horton von der State University New York im Journal of Ecology. Demnach können Pflanzen verschiedener Spezies durch die Besiedlung mit derselben Pilzart miteinander verbunden sein. Inwieweit dieses "waldweite Netz" zum Nährstoffaustausch zwischen den einzelnen Pflanzen beiträgt, bleibt jedoch offen. Unklar ist auch, ob alle besiedelten Pflanzen gleich stark von ihren Pilznachbarn profitieren. Nach bisherigen Studien fördern einige Netze besonders kleine Pflanzen. Diese erhalten im Verhältnis zu ihrer Kohlenhydrateinspeisung relativ viel Stickstoff und Phosphat. In anderen Fällen profitieren die Pflanzen am meisten, die auch die meisten Kohlenhydrate liefern. Die Autoren analysierten vorliegende Studien, ob die Mykorrhiza speziell das Wachstum von Sämlingen fördert. Sie stellten in etwa der Hälfte der Fälle einen besonders positiven Einfluss der Pilze auf junge Pflanzen fest. In je einem Viertel war der Einfluss aber negativ bzw. gar nicht vorhanden.

Weitere Funktionen von Mykorrhiza-Netzwerken sind neben der Versorgung mit Stickstoff und Phosphor und der Förderung von Sämlingen das Recycling von Nährstoffen aus abgestorbenen Pflanzenteilen und damit das Verhindern der Bodenauslaugung sowie eine Stabilisierung des Bodens. In Zeiten schwindender Ressourcen machen ihre besonderen Eigenschaften die Mykorrhiza-Pilze besonders interessant für die Landwirtschaft. Die weitere Forschung der Autoren wird daher untersuchen, wie sich die Mykorrhiza hier nutzbar machen lässt.

Dr. Margit Ritzka | aid infodienst
Weitere Informationen:
http://www.agroscope.admin.ch
http://www.aid.de

Weitere Berichte zu: Hyphen Kohlenhydrate Mykorrhiza Nährstoff Phosphor Stickstoff Sämlinge Vernetzung Wurzel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Erstmals Studie zu Hai- und Rochenarten in deutschen Meeren
19.04.2017 | Bundesamt für Naturschutz

nachricht Wenn Städte immer mehr an Boden gewinnen: Wie gelingt Land- und Gartenbau südlich der Sahara?
11.04.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für Netzleittechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact beteiligt sich an Berliner Start-up Unternehmen für Energiemanagement

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für industrielle Kommunikationstechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung