Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Isoglukose aus Mais stellt die EU-Zuckerproduktion vor große Herausforderungen

12.12.2013
Wegfall der Zuckerquote könnte Umwälzungen in der EU-Zuckerwirtschaft bewirken

Im Zuge einer Reform der Europäischen Zuckermarktordnung plant die EU, 2016/17 die Zuckerquote abzuschaffen. Mit dieser künstlichen Verknappung des Angebots wurde das im internationalen Vergleich sehr hohe Zuckerpreisniveau gestützt; die hohen Preise wiederum sind das Resultat von hohen Importzöllen.


Der Wegfall der Zuckerquote wird die europäische Zuckerwirtschaft vor erhebliche Probleme stellen.
(Foto: Michael Welling, Thünen-Institut)

Der Wegfall der Zuckerquote wird nicht nur für Zucker gelten, sondern auch für Isoglukose, eine aus Stärke gewonnene Zuckerlösung, die vor allem in der Lebensmittelindustrie zum Süßen von Produkten verwendet wird.

Isoglukose hat bisher nur einen Marktanteil von unter 5 %, obwohl es technisch möglich wäre, 25 bis 30 % der bisherigen Zuckerverwendung durch Isoglukose zu ersetzen. Daher stellt sich die Frage nach der Wettbewerbsfähigkeit von Isoglukose nach dem Wegfall der staatlichen Mengenregulierung.

Dr. Yelto Zimmer vom Thünen-Institut für Betriebswirtschaft hat jetzt auf Basis von US-Statistiken sowie von Daten des internationalen Agrarökonomen-Netzwerks „agri benchmark“ die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Isoglukose-Produktion im Vergleich zu Zucker abgeschätzt. Die wesentlichen Ergebnisse:

(1) Je nach Maispreis kostet Herstellung von Isoglukose zwischen 310 €/t (Mais: 120 €/t) und 370 €/t (Mais: 180 €/t).

(2) Isoglukose ist damit ein überaus wettbewerbsfähiges Produkt. Die EU-Zuckerindustrie müsste ihre bisherige Verarbeitungs- und Gewinnspanne um ca. 40 % oder 150 €/t reduzieren, um Zucker zum gleichen Preis zu anbieten zu können wie Isoglukose.

(3) Da sich industrielle Zuckerverwender bei einem Wechsel zu Isoglukose aufgrund von erforderlichen Zusatzinvestitionen auf Dauer auf die Verwendung von Isoglukose festlegen würden, hat die Zuckerindustrie einen starken Anreiz, einen solchen Wechsel zu verhindern, um jetzige Abnehmer nicht dauerhaft zu verlieren.

In jedem Fall“, so Zimmer, „stellt Isoglukose die europäische Zuckerwirtschaft künftig vor erhebliche Herausforderungen“. Es sei sogar durchaus wahrscheinlich, dass es nach 2017 zu Umwälzungen in der europäischen Zuckerwirtschaft kommt. Entweder sie verliert erhebliche Marktanteile und fährt die Zuckerproduktion entsprechend zurück oder sie ist in der Lage, eine starke Spreizung der Zuckerpreise im Markt umzusetzen. Im Extremfall ist es sogar vorstellbar, dass die Produktion von Zucker für die potenziellen Isoglukose-Verwender intern subventioniert wird. Dies ist möglich, weil aus technischen Gründen nur die genannten 25 bis 30 % des bisherigen Zuckermarktes durch Isoglukose ersetzt werden können.

Das ausführliche Papier ist veröffentlicht in der Dezember-Ausgabe von „Sugar Industry“ (siehe http://www.sugarindustry.info)

Ansprechpartner:
Dr. Yelto Zimmer
Thünen-Institut für Betriebswirtschaft, Braunschweig
E-Mail: yelto.zimmer@ti.bund.de, Tel.: 0531 596-5155

Dr. Michael Welling | Thünen-Institut
Weitere Informationen:
http://www.ti.bund.de
http://www.agribenchmark.org/cash-crop/sector-country-farm-information/sugar-isoglucose.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Elefanten-Herpes: Super-Verbreiter gefährden Jungtiere
04.05.2017 | Universität Zürich

nachricht Wurmmittel für Weidetiere können die Keimung von Pflanzensamen beeinflussen
27.04.2017 | Universität Trier

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften