Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

GVO-Anbaufläche wächst weltweit

08.03.2011
Der Anbau genetisch veränderter Pflanzen hat 2010 weiter zugenommen. Den deutlichsten Zuwachs verzeichneten die Entwicklungs- und Schwellenländer.

Die Agro-Biotechnologie-Agentur ISAAA (International Service for the Acquisition of Agri-biotech Applications) hat ihren jährlichen Bericht zur kommerziellen Nutzung von gentechnisch veränderten Pflanzen (gv-Pflanzen) für das Jahr 2010 vorgelegt. Danach wurden gentechnisch veränderte Pflanzen im Jahr 2010 in insgesamt 29 Ländern auf einer Fläche von knapp 148 Millionen Hektar angebaut. Dies bedeutet einen Anstieg von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Entwicklungsländer als Wachstumsmotor

Besonders hoch war das Wachstum des GVO-Anbaus in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Von den derzeit 29 Ländern, in denen gv-Pflanzen angebaut werden, sind 19 Entwicklungs- und Schwellenländer. In diesen Ländern wuchs die Anbaufläche im Jahr 2010 um 17 Prozent (10,2 Millionen Hektar) im Vergleich zum Vorjahr. Der Zuwachs in den Industrieländern betrug fünf Prozent (3,8 Millionen Hektar).

Im zweiten Jahr in Folge verzeichnete Brasilien das größte Wachstum der Anbaufläche. In 2010 wurden auf insgesamt 35,4 Millionen Hektar Fläche gv-Pflanzen angebaut, insbesondere Soja, Mais und Baumwolle. Dies ist ein Zuwachs um vier Millionen Hektar bzw. 19 Prozent. Befördert wurde diese Entwicklung vor allem durch das Engagement der Politik – beschleunigte Zulassungsverfahren, vereinfachte Exportregelungen und erhebliche Forschungsinvestitionen in die Grüne Biotechnologie.

Enorme Potentiale

Saatgut-Innovationen wie der Goldene Reis, ein mit Vitamin-A angereicherter Reis, aber auch ertragssteigernde, trockenresistente und insektenresistente Sorten versprechen nicht nur für die armen Länder der Welt erhebliche Chancen: für die Ernährungssicherung, die Anpassung an den Klimawandel, für Effizienzsteigerungen in der Landwirtschaft und eine nachhaltige Bewirtschaftung (Pflanzenschutzmanagement).

Für die kommenden Jahre erwarten Experten daher ein weiteres positives Wachstum der Anbaufläche, vor allem in den Entwicklungs- und Schellenländern. Besonders stark werde die Anbaufläche in den nächsten Jahren in den Ländern Südamerikas und Asiens wachsen, vermutet der ISAAA. In diesen Ländern sei das politische Klima derzeit sehr innovationsfreundlich, was den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen angeht. Diese Länder könnten damit zum Wachstumsmotor für die Kommerzialisierung der Grünen Gentechnik werden. Bereits jetzt wachsen 48% der gentechnisch veränderten Pflanzen in den Entwicklungsländern. Bis 2015 könnten diese Nationen die Industrienationen überholt haben.

Vor allem kleine Bauern nutzen gv-Pflanzen

Der ISAAA-Studie zufolge gehören 90% der weltweit etwa 15,4 Millionen gv-Pflanzen anbauenden Landwirte zur armen Landbevölkerung in den Entwicklungsländern. Diese Bauern bewirtschaften zumeist kleine Flächen und versprechen sich durch die resistenteren oder ertragsreicheren Sorten eine sichere Ernte. In China (6,5 Millionen Bauern) und Indien (6,3) ist die Zahl der Kleinbauern, die gv-Saatgut verwenden, besonders hoch.

Die größten Anbauländer

Die zehn bedeutendsten Anbauländer sind derzeit die USA (66.8 Millionen Hektar), Brasilien (25.4), Argentinien (22.9), Indien (9.4), Kanada (8.8), China (3.5), Paraguay (2.6), Pakistan (2.4), Südafrika (2.2) und Uruguay (1.1).

Die Graphik zeigt die weltweite Anbaufläche für gentechnisch veränderte Pflanzen nach Ländern sortiert mit den dort am häufigsten angebauten gentechnisch veränderten Kulturen.

Drei Nationen bauten 2010 erstmalig genetisch veränderte Pflanzen in industriellem Maßstab an: 600,000 Landwirte in Pakistan und 375,000 in Myanmar pflanzten insektenresistente Bt-Baumwolle an. Schweden führte eine neue biotechnologisch veränderte Stärkekartoffel ein und ist damit das erste skandinavische Land, in dem gv-Pflanzen wachsen. In Deutschland wurde 2010 die Stärkekartoffel Amflora erstmals angepflanzt.

Der Blick in die Zukunft

Während immer mehr Länder in Süd- und Nordamerika, Asien und zunehmend auch afrikanische Länder gentechnisch verändertes Saatgut nutzen, steuert Europa in eine andere Richtung. Wie die jahrelange Diskussion um eine EU-weite Anbau- und Zulassungsregelung für gv-Pflanzen versus mehr Autonomie der einzelnen EU-Mitgliedsländer zeigt, ist Europa bisher uneins, wie es mit der Grünen Gentechnik verfahren will.

Die weitere Kommerzialisierung von gentechnisch veränderten Pflanzen wird zukünftig von vier Faktoren abhängen:

von der Einführung angemessener, verantwortungsvoller und Kosten- bzw. Zeiteffektiver Regulations- und Zulassungsverfahren

vom politischen Willen und der politischen Unterstützung für die Technologie und

von verbessertem gentechnisch verändertem Saatgut, das die Anforderungen der Industrieländer ebenso erfüllt wie die der Entwicklungsländer in Asien, Lateinamerika und Afrika

und vor allem in Europa: von der gesellschaftlichen Akzeptanz der Grünen Gentechnik.

Quelle:
ISAAA Report 2010 - Executive Summary mit zusätzlichen Graphiken

| Pflanzenforschung.de
Weitere Informationen:
http://www.pflanzenforschung.de/journal/aktuelles/gvo-anbauflaeche-waechst-weltweit?page=0,1&piwik_campaign=newsletter

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht „Antilopen-Parfüm“ hält Fliegen von Kühen fern
20.10.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Agritechnica: Silber für neue Technologie zur Blütenausdünnung im Obstbau
16.10.2017 | Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Boost für Lipidforschung: Grazer Forscher erleichtern Lipidanalyse

24.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Bildung von Magma-Ozeanen auf Exoplaneten erforscht

24.10.2017 | Physik Astronomie

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften