Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gib Gummi mit Kaukasischem Löwenzahn: die Pflanze ist potenzieller neuer Kautschuklieferant

15.07.2013
Nach Abschluss vorbereitender Arbeiten starten jetzt die Sortenzüchtung und Versuche zur Kautschuk- und Inulinverwertung

Nachdem ein Forschungsverbund unter Koordination der Pflanzenzüchter der Aeskulap GmbH im vergangenen Jahr ein Zuchtprogramm für den Kaukasischen Löwenzahn (Taraxacum koksaghyz) entwickelt hat, kann nun die eigentliche Züchtung beginnen. Aeskulap will mit Partnern inhaltsstoff-optimierte, ertragreiche Populationen selektieren und daraus Sorten züchten.


Jungpflanzenanzucht des Russischen Löwenzahn.
Foto: Fred Eickmeyer


Samenstand beim Löwenzahn.
Foto: Fred Eickmeyer

Außerdem planen die Forscher, Naturkautschukproben auf ihre Eignung für die Reifenherstellung und andere Kautschukerzeugnisse zu prüfen. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) fördert das Verbundvorhaben „Züchtung und Anbau von Kaukasischem Löwenzahn (Taraxacum koksaghyz) - Von der Wildpflanze zum nachwachsenden Industrierohstoff (TAKOWIND)“ über seinen Projektträger, die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR).

Aufgrund steigender Rohstoffpreise für Naturkautschuk/-latex drängt die gummiverarbeitende Industrie auf Domestikation und Anbau alternativer Pflanzenarten, als Ergänzung zum bislang genutzten Kautschukbaum Hevea brasiliensis. Eine für den Anbau in weiten Teilen Europas infrage kommende Pflanze ist der Kaukasische oder Russische Löwenzahn, der für den Anbau auf marginalen Böden geeignet ist und hochwertige Rohstoffe in Form von Naturkautschuk und Inulin in der Wurzel produziert und speichert. Das heute verfügbare Ausgangsmaterial besitzt allerdings noch weitgehend Wildpflanzencharakter.

Das Ziel des bis 2016 laufenden Projektes TAKOWIND ist deshalb die Züchtung von landwirtschaftlich anbaubarem Kultur-Löwenzahn. Im ebenfalls vom BMELV geförderten Vorläuferprojekt legten die Wissenschaftler die entscheidenden züchterischen Grundlagen: Sie erzeugten Ausgangslinien mit großer genetischer Variationsbreite, die die Basis für die jetzt anstehenden Kreuzungen darstellen. Die Elternlinien wurden dabei aus Taraxacum koksaghyz und aus Taraxacum officinale, dem Gemeinen Löwenzahn, der bei uns verbreitet und bekannt ist, gezüchtet. Während die kaukasische Variante hohe Kautschukgehalte mitbringt, soll Taraxacum officinale für eine gute Pfahlwurzelbildung und Wüchsigkeit sorgen.

Darüber hinaus wurden erfolgreich züchterische Werkzeuge wie DNA-Marker, eine Methode zur Inhaltsstoffanalytik auf Basis der Kernspinresonanzspektroskopie und Gewebekulturtechniken für den Löwenzahn entwickelt und angepasst - die Voraussetzung für ein effizientes Zuchtprogramm mit schnellen Generationsfolgen.

Bei den zu entwickelnden Sorten streben die Züchter hohe Kautschukerträge mit langkettigen Molekülen für die Industrie an. Zudem sollen die Pflanzen für den Anbau auf Sandböden oder die Untersaat geeignet sein, um Flächenkonkurrenzen zu vermeiden.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert seit Februar 2012 ebenfalls ein Vorhaben zum Kaukasischen Löwenzahn: „Taraxacum koksaghyz als nachhaltige Quelle für die lokale Produktion von Latex, Kautschuk und Inulin (TARULIN)“. Beide Projekte sind inhaltlich aufeinander abgestimmt und stehen in engem Austausch miteinander. So setzt man bei TAKOWIND ausschließlich auf zweijährige Pflanzen, in TARULIN werden einjährige Pflanzen verwendet. Auch bei der Züchtungstechnik nutzen die Forscher jeweils unterschiedliche Methoden.

Industriepartner im BMELV-Verbund ist die Continental Reifen Deutschland GmbH, die auf eigene Kosten erste Versuchsgummimischungen aus dem Löwenzahn-Kautschuk herstellt, analysiert und testet. Weitere Partner sind die Numares GmbH, Hortilab – Labor für pflanzliche Gewebekultur, das Julius Kühn Institut und die Westfälische Wilhelms-Universität Münster, die Beiträge zur Inhaltsstoffanalytik, zur Gewebekultur, zu DNA-Markern und zur Kautschukbiosynthese für die Sortenzüchtung liefern.

Schließlich wird die Gäubodenkräuter GbR, eine Erzeugergemeinschaft, auf jeweils 3 Hektar pro Jahr Saatgut und Wurzeln des entwickelten Materials produzieren, um Anbauerfahrungen unter Praxisbedingungen zu sammeln.

Informationen zum Verbundvorhaben „Züchtung und Anbau von Kaukasischem Löwenzahn (Taraxacum koksaghyz) - Von der Wildpflanze zum nachwachsenden Industrierohstoff (TAKOWIND)“ sind in der Projektdatenbank auf www.fnr.de im Menü Projekte & Förderung unter folgenden Förderkennzeichen erhältlich: 22002112, 22002212, 22002312, 22002412 und 22002512.

Dr. Torsten Gabriel | idw
Weitere Informationen:
http://www.fnr.de
http://www.fnr.de/projekte-foerderung/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Agritechnica: Silber für neue Technologie zur Blütenausdünnung im Obstbau
16.10.2017 | Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

nachricht Getreide, das der Dürre trotzt
19.09.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Im Focus: Topologische Isolatoren: Neuer Phasenübergang entdeckt

Physiker des HZB haben an BESSY II Materialien untersucht, die zu den topologischen Isolatoren gehören. Dabei entdeckten sie einen neuen Phasenübergang zwischen zwei unterschiedlichen topologischen Phasen. Eine dieser Phasen ist ferroelektrisch: das bedeutet, dass sich im Material spontan eine elektrische Polarisation ausbildet, die sich durch ein äußeres elektrisches Feld umschalten lässt. Dieses Ergebnis könnte neue Anwendungen wie das Schalten zwischen unterschiedlichen Leitfähigkeiten ermöglichen.

Topologische Isolatoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie an ihren Oberflächen Strom sehr gut leiten, während sie im Innern Isolatoren sind. Zu dieser neuen...

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Intelligente Messmethoden für die Bauwerkssicherheit: Fachtagung „Messen im Bauwesen“ am 14.11.2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

17.10.2017 | Informationstechnologie

Pflanzen gegen Staunässe schützen

17.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Trends der Umweltbranche auf der Spur

17.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz