Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fit für die "Salzwüste" - Auf der Suche nach Toleranz-Genen bei Gerste

12.12.2012
Kulturpflanzen haben in der Regel ein Problem: Sie gedeihen kaum, sobald Salze das Wachstum und die Wasseraufnahme behindern.

In vielen Regionen der Erde ist Beregnung das einzige Mittel, um Trockenzeiten zu überbrücken oder den Anbau überhaupt zu ermöglichen. Wird die Beregnung gestoppt, kommt es jedoch häufig zur Versalzung, da Salz-Ionen durch den kapillaren Aufstieg des verdunstenden Wassers aus tieferen Bodenschichten an die Oberfläche transportiert werden. Dann haben die betroffenen Landwirte gleich das nächste Problem: Ihre Kulturen vergilben und stoppen das Wachstum. Ernteverluste und -ausfälle sind die Folge.

Insofern finden neuere Forschungsergebnisse der Universität Wageningen internationale Beachtung. Nguyen Viet Long, Doktorand in Wageningen, fand in Zusammenarbeit mit dem Leibnitz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) heraus, auf welchen Chromosomen bei Gerste die Eigenschaften für mehr Salztoleranz lokalisiert sind.

Er stieß dabei auf Chromosom 4 und Chromosom 6, indem er 200 verschiedene Gerstensorten unter salzreichen Bedingungen testete. Besonderes Augenmerk legte er dabei auf Sorten aus dem Mittleren Osten, dem Ursprungsgebiet der Gerste und somit der Region, in der noch die breiteste Vielfalt an Eigenschaften zu erwarten war - sozusagen der größte Gen-Fundus für seine Forschungen.

Chromosom 4 beeinflusst den Umgang der Pflanze mit erhöhten Konzentrationen an Salz-Ionen. Die Pflanze setzt eine Art Ionen-Pumpe ein, um zu verhindern, dass die Salze bis zu den Blättern transportiert werden. Das erlaubt es, die Photosynthese völlig normal ablaufen zu lassen und entsprechend auch das Wachstum fortzusetzen - notwendige Voraussetzung, um später einen Kornertrag erzielen zu können. Chromosom 6 dagegen macht die Pflanze widerstandsfähiger gegen den osmotischen Stress.

Denn Salz-Ionen im wurzelnahen Bereich behindern normalerweise die Wasseraufnahme, da diese nur dann gut funktioniert, wenn innerhalb der Wurzeln mehr Salze vorhanden sind als außerhalb. Besonders letzteres Ergebnis der aktuellen Forschung wird als ein Durchbruch gefeiert und stößt auf beträchtliches internationales Interesse. Nach diesen Vorarbeiten hofft Nguyen, dass in etwa fünf Jahren erste salztolerante Gerstensorten zum Anbau zur Verfügung stehen könnten.

Die Ergebnisse sind aber auch für Forschungsarbeiten an Reis oder Weizen richtungsweisend, um Fortschritte bei der Züchtung von salztoleranten Sorten zu erzielen. Langfristig könnte durch Versalzung verloren gegangenes Land vielerorts (wieder) in Kultur genommen werden.

Weitere Informationen:
www.wageningenur.nl/en/show/Making-barley-less-thirsty.htm

Friederike Heidenhof | www.aid.de
Weitere Informationen:
http://www.aid.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Die smarte klassische Landhausvilla
28.11.2016 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

nachricht Kleinbauern setzen verstärkt auf Monokulturen
10.11.2016 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie