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Erstmals Lymphflüssigkeit zur Diagnose der Rinder-Paratuberkulose eingesetzt

19.09.2014

Die Paratuberkulose ist eine Rinderseuche, die bis zu 19 Prozent der Rinderbetriebe in Österreich betrifft.

Ein Bakterium gelangt dabei über kontaminierten Kot und Muttermilch in die Kälber und kann Jahre später zu schweren Durchfällen führen. Betroffene Tiere müssen möglichst rasch aus der Herde entfernt werden. Um die Krankheit bereits vor dem Ausbruch erkennen zu können, setzten Forschende der Vetmeduni Vienna erstmals einen Schnelltest zur Untersuchung der Lymphflüssigkeit der Tiere ein. In einer Publikation im Journal Veterinary Microbiology zeigen die ExpertInnen eine vielversprechende Methode, die in Zukunft der Früherkennung dieser Seuche dienen könnte.


Eine Früherkennung der Paratuberkulose trägt maßgeblich zur Herdengesundheit bei. (Foto: citronenrot/Vetmeduni Vienna)

Die Paratuberkulose, oder auch Johne’sche Krankheit genannt, wird durch das Bakterium Mycobacterium avium subspecies paratuberculosis (MAP) verursacht und ist eine in Österreich anzeigepflichtige Tierseuche. Sie betrifft vor allem Hauswiederkäuer und führt bei den betroffenen Tieren zu therapieresistenten Durchfällen und Abmagerung. Für landwirtschaftliche Betriebe bedeutet die Erkrankung hohe wirtschaftliche Einbußen. Die Tiere geben weniger Milch, haben Fruchtbarkeitsprobleme und sind anfällig für andere Erkrankungen, wie etwa Euterentzündungen.

Für die Paratuberkulose gibt es bislang keine Behandlungsmöglichkeit. Erkrankte Tiere müssen behördlich gemeldet und geschlachtet werden. Das Fleisch erkrankter Tiere ist nicht zum Verzehr geeignet und wird deshalb entsorgt.

Von der Infektion bis zum Ausbruch der Erkrankung dauert es meist zwei bis drei Jahre. In einigen Fällen kann es sogar zehn Jahre dauern, bis die Krankheit erkennbar wird. Während dieser Zeit scheiden infizierte Tiere die Keime jedoch auch. Die Gesundheit der gesamten Herde steht auf dem Spiel.

Lymphflüssigkeit für Frühtest gut geeignet

Das Bakterium MAP gelangt über den Darm in den Körper und wird von den Makrophagen der Tiere aufgenommen. Diese Immunzellen gelangen dann über die Lymphflüssigkeit in die Lymphknoten, ins Blut und in andere Organe. Momentan untersuchen Labors Kot, Milch und Blut verdächtiger Tiere. Erstautor Lorenz Khol von der Universitätsklinik für Wiederkäuer an der Vetmeduni Vienna entwickelte in Kooperation mit dem College of Veterinary Medicine der University of Florida eine Methode zur Früherkennung der Infektion. Khol entnimmt dazu Flüssigkeit aus den Lymphgefäßen am Euter der Tiere. Wenige Milliliter reichen aus, um den Keim mittels PCR (Polymerase-Kettenreaktion) in der Lymphe nachzuweisen.

„Die Entnahme von Lymphflüssigkeit bei Rindern ist nicht trivial aber mit etwas Übung problemlos durchführbar. Die länglichen Gefäße liegen neben den Venen unter der Euterhaut und können nur während der Laktation punktiert werden. Da sich die Makrophagen zuerst in der Lymphe befindet, gehen wir davon aus, dass dort eine Infektion wesentlich früher und rascher diagnostiziert werden kann, als mit den heute gängigen Methoden“, so Khol.

Lymphe wird häufiger positiv getestet als Kot, Blut und Milch

Die WissenschafterInnen untersuchten insgesamt 86 Rinder verschiedener Betriebe, die Durchfall- und Abmagerungssymptome zeigten. Die Lymph-Analyse lieferte deutlich mehr positiv getestete Tiere, als die Untersuchung über Kot, Blut oder Milch. „Dies spricht für eine höhere Sensitivität unserer Methode. Nach einem Jahr waren etwa 70 Prozent aller mittels Lymph-PCR positiv getesteten Tiere aus ihren Herden entfernt worden. Diese Tiere entwickelten also verschiedene Krankheitssymptome, die ein Vorzeitiges Ausscheiden aus dem Betrieb notwendig machten. Bei den in der Lymphe negativ getesteten Rindern waren es 27 Prozent, die sich nach etwa einem Jahr nicht mehr in der Herde befanden.

„Die Resultate zeigen uns, dass die Methode vielversprechend ist. Wir müssen die Technik jedoch noch verbessern, um die Verlässlichkeit der Resultate zu erhöhen. Da es für die Krankheit keine Behandlungsmöglichkeit gibt, ist eine flächendeckende Früherkennung besonders wichtig“, erklärt Khol.

Service:
Der Artikel „Lymphatic fluid for the detection of Mycobacterium avium subsp. paratuberculosis in cows by PCR, compared to fecal sampling and detection of antibodies in blood and milk” von Johannes Lorenz Khol, Pablo J. Pinedo, Claus D. Buergelt, Laura M. Neumann und D. Owen Rae wurde im Journal Veterinary Microbiology veröffentlicht. DOI: 10.1016/j.vetmic.2014.05.022
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0378113514002673

Über die Veterinärmedizinische Universität Wien
Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist eine der führenden veterinärmedizinischen, akademischen Bildungs- und Forschungsstätten Europas. Ihr Augenmerk gilt der Tiergesundheit und der Lebensmittelsicherheit. Im Forschungsinteresse stehen die Gesundheit von Tier und Mensch sowie Themen der Tierhaltung und des Tierschutzes. Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1.200 MitarbeiterInnen und bildet zurzeit 2.300 Studierende aus. Der Campus in Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und zahlreiche Forschungseinrichtungen. Zwei Forschungsinstitute am Wiener Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich gehören ebenfalls zur Vetmeduni Vienna. http://www.vetmeduni.ac.at

Wissenschaftlicher Kontakt:
Dr. Johannes Lorenz Khol
Universitätsklinik für Wiederkäuer
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 20577-5205
johannes.khol@vetmeduni.ac.at

Aussenderin:
Heike Hochhauser
Public Relations
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077-1151
heike.hochhauser@vetmeduni.ac.at

Weitere Informationen:

http://www.vetmeduni.ac.at/de/infoservice/presseinformationen/presseinfo2014/rin...

Heike Hochhauser | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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