Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nachhaltige Entwicklung nicht verheizen!

15.03.2007
Ergebnisse eines Seminars der Arbeitsgruppe "Nachhaltige Landwirtschaft" der Agenda 21 für den Baltischen Raum (BALTIC 21) in Rostock

Not macht erfinderisch: sei es der Klimawandel oder die Verknappung fossiler Brenn- und Kraftstoffe. Lag der Anteil erneuerbarer Energien zur Jahrtausendwende noch bei unter 3%, hat er sich binnen 3 Jahren fast verdoppelt und soll in 2010 12%, in 2020 sogar 20% erreichen. Vieles von dem, was an landwirtschaftlichen Produkten bisher verkocht, verbacken und gegessen wurde, wird nun entweder zuerst vergast bzw. verflüssigt und anschließend verheizt oder direkt verbrannt.

So landet heimischer Hafer in Zukunft fast vollständig in schwedischen Heizkraftwerken, denn Hafer zeigt von allen heimischen Getreidearten die günstigsten Eigenschaften beim Verbrennen. Die Landwirtschaft in den neuen EU-Mitgliedstaaten des Ostseeraums wird in den kommenden Jahren mit erheblichen Umstrukturierungsprozessen konfrontiert. Viele kleinere Betriebe werden ihren Lebensunterhalt nicht mehr allein aus der Produktion von Nahrungsmitteln erwirtschaften können, sondern existenziell auf Alternativen angewiesen sein. Als erfreulicher Nebeneffekt forcierter Produktion von Bioenergie sollen Arbeitsplätze im ländlichen Raum erhalten werden, möglicherweise sogar neue entstehen.

So viel versprechend eine Umorientierung landwirtschaftlicher Produktion auf Bioenergie als Beitrag zur Lösung von Klima-, Energie- und Beschäftigungsproblemen auch klingen mag, bleibt doch die Sorge, inwieweit diese Entwicklung dem Gebot der Nachhaltigkeit entspricht, welches eine Entwicklung fordert, die "Bedürfnisse der jetzigen Generationen deckt, ohne die Möglichkeiten zukünftiger Generationen, ihre eigenen Bedürfnisse zu decken, zu beschränken". Zu Aspekten der nachhaltigen Entwicklung bei der Erzeugung von Bioenergie fand im Rahmen der Ratspräsidentschaft Deutschlands ein Seminar der Arbeitsgruppe für Nachhaltige Landwirtschaft der Agenda 21 für den Baltischen Raum (Task Force Sustainable Agriculture (TFSA)) am 22. Februar 2007 im Internationalen Zentrum der Universität Rostock statt. Dabei wurde dem Bodenschutz besondere Bedeutung beigemessen.

... mehr zu:
»Bioenergie »Erzeugung

Für einzelne baltische Staaten wurden Prognosen für die zukünftige Entwicklung der Produktion von Bioenergie aufgestellt und diskutiert. Gemessen am Energiehunger unserer Gesellschaft sind die Möglichkeiten einer Ausdehnung der Bioenergieproduktion nicht unbegrenzt: Deutschland wird seine Flächen für die Produktion von Ölraps (Biodiesel) (Foto 1) von jetzt 1,5 Millionen ha auf maximal 1,8 Millionen ha ausweiten können. Im Gegensatz dazu stehen im östlichen Europa noch riesige Flächenpotentiale zur Verfügung (z.B. Ukraine 3,5 Millionen ha, Russland >18 Millionen ha), deren Produktion wegen des höheren, weil subventionierten Preises leicht in die EU fließen könnte. Insbesondere in ärmeren Ländern kann die politische Bevorzugung der Bioenergieproduktion daher leicht auch zu einer Verteuerung landwirtschaftlicher Produkte führen.

Unter dem Aspekt "Nachhaltigkeit" ist das wichtigste Ergebnis des Seminars die Forderung, dass bei der Erzeugung von Bioenergie Anforderungen zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit (Foto 2) nicht herabgesetzt werden dürfen, um eine jederzeitige Wiederinbetriebnahme der Flächen für die Erzeugung gesunder Nahrungsmittel nicht zu gefährden und die Erneuerbarkeit der Bioenergie zu gewährleisten.

Die Präsentationen des Seminars (auf Englisch) finden sich auf http://www.baltic21.org/?meetings,table,agriculture_6

Kontakt: Prof. Dr. Dr. Ewald Schnug, Vorsitzender der TFSA/B21, Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL), Institut für Pflanzenernährung und Bodenkunde, Bundesallee 50, 38116 Braunschweig, Tel.: 0531 596 2101; E-Mail: pb@fal.de; PD Dr. Bettina Eichler-Löbermann, Agrar- u. umweltwissenschaftliche Fakultät, Institut für umweltgerechten Pflanzenbau, Universität Rostock, Justus v. Liebig Weg 6, 18051 Rostock, Tel.: 0381 498 3064; E-Mail: bettina.eichler@uni-rostock.de

Margit Fink | idw
Weitere Informationen:
http://www.baltic21.org/?meetings,table,agriculture_6

Weitere Berichte zu: Bioenergie Erzeugung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Die smarte klassische Landhausvilla
28.11.2016 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

nachricht Kleinbauern setzen verstärkt auf Monokulturen
10.11.2016 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie