Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Haushaltsbelastung für die EU-Agrarpolitik durch die Ost-Erweiterung

02.11.2000


Durch die Ost-Erweiterung sind zukünftig Haushaltsbelastungen für die EU-Agrarpolitik in Höhe von jährlich 9 bis 11 Milliarden Euro (einschließlich Direktzahlungen) zu erwarten. Zu diesem Ergebnis kommen
Studien, die am Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO), Halle und am Institut für Agrarökonomie der Universität Göttingen unter Leitung von Professor Klaus Frohberg (Halle) und Professor Stefan Tangermann (Göttingen) durchgeführt worden sind.

Bei der Vorbereitung auf die Ost-Erweiterung der EU wird immer wieder darüber diskutiert, welche Haushaltsbelastung auf die EU zukommt, wenn auch die Beitrittsländer aus Mittel- und Osteuropa in die Gemeinsame Agrarpolitik einbezogen werden. Schätzungen der Ausgaben für den Agrarhaushalt der EU weichen zum Teil weit voneinander ab.
Es gibt gute Gründe dafür, warum Prognosen der Agrarausgaben für die Beitrittsländer breit streuen können. Die zukünftige Entwicklung auf den Agrarmärkten in den Beitrittsländern ist schwer vorherzusagen, weil die Geschwindigkeit, mit der sich die Landwirtschaft dort vom "Transformations-Schock" erholt, unterschiedlich eingeschätzt werden kann. Das gleiche gilt für die Reaktionen auf Preisveränderungen, die zu erwarten sind, wenn die Länder Mittel- und Osteuropas der EU beitreten. Die Bandbreite für die erwartbare Entwicklung der Überschüsse auf den Agrarmärkten der Beitrittsländer ist also recht groß. Entsprechend unterschiedlich können auch die Prognosen über Ausgaben für Maßnahmen der Marktpolitik ausfallen, ganz besonders derjenigen für Exporterstattungen, die zudem noch durch Unsicherheiten über die Entwicklung der Weltmarktpreise und Wechselkurse geprägt sind.
Am meisten Unsicherheit besteht aber beim gegenwärtigen Stand der politischen Verhandlungen mit den Beitrittsländern hinsichtlich des größten Ausgabenpostens. Nach wie vor ist nicht klar, ob die Landwirte in den Beitrittsländern die Direktzahlungen erhalten sollen. Deshalb ist erst recht nicht klar, nach welchen Kriterien diese Zahlungen festgesetzt würden, wenn sie auch in den Beitrittsländern geleistet werden sollten. Welche Durchschnittserträge würden für die Flächenbeihilfen herangezogen? Diejenigen aus der zweiten Hälfte der achtziger Jahre wie in der EU-15 (unwahrscheinlich), diejenigen aus der zweiten Hälfte der neunziger Jahre (wahrscheinlicher), oder diejenigen, die zum Zeitpunkt des Beitritts eingebracht werden (denkbar, aber nicht sehr wahrscheinlich)? Welche Milchquoten werden den Beitrittsländern zugestanden, und was ergibt sich daraus für die zukünftigen Prämien bei Milch? Welche Struktur wird der Rinderbestand in den Beitrittsländern zukünftig haben? Wird die Einführung von Milchquoten dazu führen, dass auch dort mehr Fleischrinder gehalten werden? Werden die Beitrittsländer sich eher auf Mutterkühe oder auf Bullen und Ochsen spezialisieren? Welche Höchstgrenzen werden für prämienberechtigte Mutterkühe vereinbart?
Das Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (Halle) und das Institut für Agrarökonomie der Universität Göttingen haben unabhängig voneinander Schätzungen für die zukünftigen Agrarausgaben in den Beitrittsländern vorgelegt, die aus den genannten Gründen zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Professor Frohberg (Halle) und Professor Tangermann (Göttingen) haben die Einzelheiten der jeweiligen Schätzungen jüngst miteinander verglichen und einige Anpassungen vorgenommen. Für die Übertragung der Direktzahlungen nach Agenda 2000 auf alle zehn Beitrittsländer rechnet das Institut in Halle jetzt mit Ausgaben von etwa 8,3 Milliarden Euro in laufenden Preisen, während das Göttinger Institut nun von etwa 8,5 Milliarden Euro ausgeht. Göttingen legt dabei etwas höhere Milchquoten in den Beitrittsländern und höhere Ausgaben bei Rindern zugrunde. Für die übrigen Marktordnungsausgaben rechnet Halle mit knapp 1 Milliarde Euro (alleine Exporterstattungen), während Göttingen etwa 2,5 Milliarden Euro (einschließlich der übrigen Marktinstrumente) erwartet.
In der Summe prognostiziert Halle also derzeit Agrarausgaben für alle zehn Beitrittsländer von knapp 9 Milliarden Euro in laufenden Preisen, während Göttingen eher mit Ausgaben von etwa 11 Milliarden Euro rechnet. Angesichts der Unsicherheit über die zukünftigen Entwicklungen ist diese Bandbreite der Prognosen nicht verwunderlich. Unter etwas anderen Annahmen hinsichtlich der Referenzerträge, die allerdings zur Zeit weder Halle noch Göttingen für wahrscheinlich halten, könnten auch deutlich höhere Ausgaben, möglicherweise 13 Milliarden Euro und mehr prognostiziert werden.
Sowohl das Institut in Halle als auch das Göttinger Institut haben sich bei ihren Prognosen auf die wichtigsten Agrarprodukte konzentriert. Zukünftige Ausgaben für Produkte wie Olivenöl, Obst und Gemüse, Wein, Tabak und Schafe sind in den Schätzungen nicht enthalten. Ebenfalls nicht eingeschlossen sind Ausgaben für die sogenannten flankierenden Maßnahmen. In der EU-15 machen die Ausgaben für diese in den Prognosen nicht erfassten Bereiche etwa 30 Prozent der Gesamtausgaben in der Abteilung Garantie des Agrarhaushalts der EU aus.

Halle und Göttingen, 1. November 2000

Dr. Michael Kopsidis | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Klimawandel – die Tanne sticht Fichte und Buche aus
10.08.2017 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Zukunft des Leichtbaus: Mehr als nur Material einsparen

23.08.2017 | Veranstaltungen

Logistikmanagement-Konferenz 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Spot auf die Maschinerie des Lebens

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die Sonne: Motor des Erdklimas

23.08.2017 | Physik Astronomie

Entfesselte Magnetkraft

23.08.2017 | Physik Astronomie