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"Guter" Schimmel, "böser" Schimmel - Getreidekörner als Pflanzenschutzmittel

17.08.2005


Anfang der 1960er Jahre starben in England mehr als 100.000 Truthähne an Leberkrebs. Als Auslöser der mysteriösen "Turkey-X"-Krankheit identifizierten die Forscher schließlich verschimmeltes Erdnussmehl aus Brasilien, das große Mengen Aflatoxin enthielt. Bis heute gilt das Gift als einer der stärksten krebsauslösenden Naturstoffe.



Gebildet wird das geschmacklose Toxin vom Schimmelpilz Aspergillus flavus. "Unsere Kollegen vom IITA [Agrarinstitut in Nigeria] konnten kürzlich bei 99 von 100 Kindern aus Benin und Togo Aflatoxin im Blut nachweisen", erklärt Professor Dr. Richard Sikora vom Bonner Institut für Pflanzenkrankheiten. "Folge sind drastische Wachstums- und andere Entwicklungsstörungen."



Abhilfe verspricht eine Idee des US-Forschers Dr. Peter J. Cotty, die ebenso einfach wie genial ist. Die Wissenschaftler "impfen" die Felder mit einer Aspergillus-Variante, die kein Toxin produzieren kann, und hoffen, dass der "gute" Schimmel den "bösen" verdrängt. "Es gibt neben den gefährlichen Aspergillus flavus-Stämmen auch solche, die gar kein Gift produzieren können", erläutert der Bonner Pflanzenpathologe Dr. Sebastian Kiewnick. "Cotty hat einen solchen ungiftigen Aspergillus-Stamm auf Getreidekörnern vermehrt und die pilzdurchwucherten Körner auf Baumwollfeldern verteilt. Der ungefährliche Stamm war dadurch erheblich in der Überzahl und konnte so die toxische Variante fast vollständig verdrängen." Der Erfolg war durchschlagend. Die Aflatoxin-Belastung der Baumwolle ging von durchschnittlich 1.000 ppb (parts per billion) auf unter 20 ppb zurück und lag damit unter dem US-Grenzwert für Futtermittel - wichtig, weil Baumwollsamen in der Tierernährung eingesetzt werden.

Nun geht das mit 1,2 Millionen Euro geförderte Projekt an die ersten Feldversuche. Sollten die erfolgreich verlaufen, wollen die Forscher in einem Folgeprojekt eine schnelle und einfache Methode zu entwickeln, den ungiftigen Schimmelpilz für den Masseneinsatz zu vermehren.

Harald Seitz | aid infodienst
Weitere Informationen:
http://www.aid.de

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