Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Grüne Gentechnik" birgt Risiken für den Ökologischen Landbau

20.07.2001


Paralleler Einsatz von gentechnisch-konventioneller und von ökologischer Landwirtschaft in Deutschland problematisch

Der Ökologische Landbau verzichtet bewusst auf den Anbau gentechnisch veränderter Nutzpflanzen. Aber: Der Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft birgt Risiken für den ökologischen Landbau. Gentechnisch veränderte Pollen können mit dem Wind auch auf weit entfernte Felder gelangen und sich dort mit Pflanzen aus dem Anbau ohne Gentechnik kreuzen. Auch nach der Ernte bestehen Risiken. Werden Warenflüsse von konventionellen, gentechnikfreien Produkten sowie von Öko-Produkten nicht strikt von den Warenflüssen der Produkte mit "Grüner Gentechnik" getrennt, kann es bei Transport, Lagerung und schließlich auch bei der Verarbeitung zu Futter- und Lebensmitteln zu Durchmischungen und Verunreinigungen kommen. Damit sind wiederum die Produktions- und Vermarktungsmöglichkeiten ökologischer aber auch konventioneller Landwirtschaft, die auf Gentechnik verzichtet, gefährdet. Maßnahmen zum Schutz des Öko-Landbaus und des herkömmlichen, gentechnikfreien Landbaus sind notwendig, stehen aber noch aus.

Fachleute aus Forschung, Industrie und von Behörden haben dazu auf einem Fachgespräch im Umweltbundesamt zwei Forderungen erhoben:

1. Es sollten schnellstmöglich Regelungen zu Abständen zwischen den Anbauflächen des Öko-Landbaus und Feldern mit gentechnisch veränderten Pflanzen für die Bereiche Anbau und Saatgutvermehrung getroffen werden. Wie diese Abstandsregelung im deutschen und europäischen Rechts etabliert werden kann, soll ein Rechtsgutachten klären, welches das Umweltbundesamt zu dieser Problematik in Auftrag gegeben hat. Die Ergebnisse sollen Mitte 2002 vorliegen.

2. Es müssen dringend Handlungsempfehlungen bis hin zu rechtlichen Regelungen erarbeitet werden, um einen Eintrag von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) in die Produktions- und Verarbeitungswege von ökologischen Nahrungsmitteln zu verhindern. Die Einführung einer neuen Technik darf nicht auf Kosten anderer bewährter, umweltfreundlicher sowie von Verbraucherinnen und Verbrauchern zunehmend nachgefragter Agrarprodukte gehen.
Hintergrund: Die EG-Ökolandbau-Verordnungen 2092/91/EG und 1804/99/EG legen fest, wie landwirtschaftliche Erzeugnisse und Lebensmittel, die als Öko-Produkte gekennzeichnet sind, erzeugt und hergestellt werden müssen. Danach ist es Ökobauern untersagt, GVO aktiv einzusetzen. Jedoch gibt es keine Grenzwerte für Verunreinigungen ökologisch erzeugter Produkte mit GVO. Eine Präsenz sogenannten transgenen Erbguts, also Erbgut in das Fremdgene integriert wurden, macht das Öko-Produkt als solches praktisch unverkäuflich, besonders dann, wenn eine Kennzeichnungspflicht nach Novel- Food-Verordnung ausgelöst wird.
Bisher stehen für die Kennzeichnung von Saatgut und Ernteprodukten umfassende, verbindliche Regelungen noch aus. Laut EG-Verordnung 49/2000/EG ist bisher nur für bestimmte Lebensmittel - für Produkte aus zwei zugelassenen Mais und Soja-Linien - eine Kennzeichnungspflicht bei einem GVO-Anteil von mehr als einem Prozent festgelegt worden. Verbraucherinnen und Verbraucher erwarten, dass ein Öko-Produkt keine gentechnisch veränderten Bestandteile enthält und dürften - wenn überhaupt - nur geringste, unvermeidbare Spuren akzeptieren. Zwar sind bisher nur wenige GVO in der EU zur Vermarktung zugelassen, mittelfristig ist jedoch auch in Deutschland mit einem wachsenden Einsatz der Gentechnik in der konventionellen Landwirtschaft zu rechnen.

! Der Tagungsband "Vorarbeiten/Fachgespräch - Grüne Gentechnik und ökologische Landwirtschaft" ist in der UBA-Reihe TEXTE als Nr. 23/2001 erschienen, umfasst 53 Seiten und kostet 15,- DM. Er kann gegen Einsendung eines Verrechnungsschecks bei der Firma Werbung und Vertrieb, Ahornstraße 1-2, 10787 Berlin bezogen werden. Bitte unbedingt die TEXTE-Nummer und den Namen des Bestellers angeben. Eine Kurzfassung steht im Internet unter der Adresse http://www.umweltbundesamt.de, Stichwort "Veröffentlichungen", bereit. Dort kann auch der komplette Tagungsband bestellt werden.

Karsten Klenner | idw
Weitere Informationen:
http://www.umweltbundesamt.de

Weitere Berichte zu: Anbau GVO Gentechnik Landbau Öko-Produkt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Elefanten-Herpes: Super-Verbreiter gefährden Jungtiere
04.05.2017 | Universität Zürich

nachricht Wurmmittel für Weidetiere können die Keimung von Pflanzensamen beeinflussen
27.04.2017 | Universität Trier

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligente Sensoren mit System

29.05.2017 | Messenachrichten

Geckos kommunizieren überraschend flexibel

29.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

1,5 Millionen Euro für vier neue „Innovative Training Networks” an der Universität Hamburg

29.05.2017 | Förderungen Preise