Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Wir ernten Energie" - Landwirte werden zu Energiewirten

17.07.2001


Aktion des Bauernverbandes zum Beginn der Weltklimakonferenz

Die Landwirtschaft in Deutschland leistet schon heute einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz. Sie ist in der Lage, bei entsprechender Förderung erneuerbarer Energien noch mehr CO2 einsparen zu helfen. Die Technik dafür ist vorhanden. Die Bauern stehen in den Startlöchern, brauchen aber Unterstützung für weitere Initiativen. Mit dieser Botschaft haben der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner, und Helmut Lamp, Vorsitzender der Bundesinitiative Bioenergie und MdB, heute in Bonn das Klimaschutzpotenzial der Landwirtschaft vorgestellt. Mit einem Fahrzeugkorso, bestehend aus Biodiesel-Fahrzeugen und Anlagen zur Bioenergiegewinnung, haben die Landwirte bei der Klimakonferenz in Bonn auf die praktische Nutzung von nachwachsender Energie aufmerksam gemacht. Sie übergaben eine Resolution mit dem Titel "Wir ernten Energie" an Michael Williams, den offiziellen Konferenzsprecher, in der sie eine weitere Förderung von Anbau und Verwendung nachwachsender Rohstoffe zur Energiegewinnung fordern.

Ebenfalls erläuterten Sonnleitner und Lamp auf einer Pressekonferenz ihre Forderungen. Solange bei der Nutzung fossiler Energien deren externe Kosten, zum Beispiel für die Beseitigung der Umweltschäden, nicht vollständig berücksichtigt seien, müssten zur Schaffung der Wettbewerbsgleichheit erneuerbare Energien und nachwachsende Rohstoffe durch Steuerbefreiung sowie Investitions- und Absatzförderprogramme unterstützt werden. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz und die Biomasse-Verordnung seien wichtige Schritte in die richtige Richtung. So würden nun im ländlichen Raum umfangreiche Investitionen im Bereich erneuerbare Energien getätigt. Allein für den Bau von Heizkraftwerken und Biogasanlagen schätzte Sonnleitner für die nächsten Jahre ein Investitionsvolumen von 2 bis 3 Milliarden D-Mark.

Die Landwirtschaft könne zum Klimaschutzziel der Bundesregierung - Reduktion der CO2-Emission bis 2005 um 25 Prozent oder 170 Millionen Tonnen - einen spürbaren Beitrag leisten. Vorteil der Bioenergie: Bei der Verbrennung dieser Biomasse werde nur soviel CO2 frei, wie die Pflanze vorher aus der Luft aufgenommen habe. Der CO2-Kreislauf sei geschlossen.

Die Potenziale der Land- und Forstwirtschaft zum Klimaschutz sehen Sonnleitner und Lamp in mehreren Bereichen, zum Beispiel in der CO2-neutralen Erzeugung von Wärme und Strom durch die Nutzung von Biogas. Die derzeit ca. 1.500 Biogasanlagen seien nur der Anfang. Das Potenzial werde vom Bundesumweltministerium auf bis zu 200.000 Biogasanlagen geschätzt. Der Anbau von Raps zur Herstellung von Biodiesel sei schon heute eine Erfolgsgeschichte. Mittlerweile werde Biodiesel an 1.200 Tankstellen in Deutschland und Österreich an Pkw’s, Lkw’s, Omnibusse und Taxen verkauft. Im diesem Jahr würden voraussichtlich 400.000 Tonnen Biodiesel auf 290.000 Hektar erzeugt. Eine Ausdehnung des Anbaus von Raps für Biodiesel auf eine Million Hektar würde zu einer Verringerung der Klimagas-Emissionen in Höhe von rund 3-5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten führen. In jüngster Zeit entwickele sich zusätzlich eine für die Landwirtschaft in aller Welt hochinteressante Pflanzenölperspektive. Dieselmotoren würden in spezialisierten Werkstätten auf den Betrieb mit naturbelassenem Öl umgerüstet.

Die nachhaltige Wald-Bewirtschaftung liefere jährlich 60 Millionen Festmeter CO2-neutrales Holz. Davon würden 40 Millionen Festmeter als Baumaterial, für Möbel und ähnliches, aber auch in Form von Brennstoff bereits genutzt. Weitere 20 Millionen Festmeter könnten nachhaltig unter anderem als Brennstoff zur Verfügung gestellt werden und große Mengen fossiler Energieträger ersetzen.

Die Landwirte bauen zurzeit in Deutschland auf 700.000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche klimaschützende nachwachsende Rohstoffe an und tragen damit zu einer Verminderung der CO2-Emissionen von ca. 5 Millionen Tonnen bei. Der Anbau von nachwachsenden Rohstoffen und Energiepflanzen - zum Beispiel Raps, Mais, Kartoffeln, Öllein, Getreide - sei auf bis zu 2,5 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche möglich. Dies entspreche theoretisch einer CO2-Einsparung von rund 18 Millionen Tonnen.

Schon heute würden von der Landwirtschaft bei ihrer täglichen Arbeit auf knapp 12 Millionen Hektar Ackerfläche jährlich rund 180 Millionen Tonnen CO2 gebunden. Dies sei rund das vier- bis fünffache des landwirtschaftlichen Energieverbrauchs.

| Pressestelle Bonn

Weitere Berichte zu: Anbau Biodiesel Landwirt Rohstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Wurmmittel für Weidetiere können die Keimung von Pflanzensamen beeinflussen
27.04.2017 | Universität Trier

nachricht Erstmals Studie zu Hai- und Rochenarten in deutschen Meeren
19.04.2017 | Bundesamt für Naturschutz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kaltwasserkorallen: Versauerung schadet, Wärme hilft

27.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

IAB-Arbeitsmarktbarometer: Arbeitsmarkt bleibt im Aufwind

27.04.2017 | Wirtschaft Finanzen

Wurmmittel für Weidetiere können die Keimung von Pflanzensamen beeinflussen

27.04.2017 | Agrar- Forstwissenschaften