Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stoffwechselleistungen von Kühen schlagen die von Olympiateilnehmern deutlich

30.08.2004


Für die Ernährung eines Kalbes reichen täglich etwa 8 kg Milch der Mutterkuh. Auf die Erzeugung dieser Menge ist der Stoffwechsel der Kuh von Natur aus eingestellt. Um jedoch ökonomisch wirtschaften zu können, muss der Bauer von seiner Kuh heute ein Mehrfaches an Milch erwarten. Kühe, die täglich über 50 kg Milch produzieren, sind keine Seltenheit mehr. Solche Hochleistungskühe scheiden mit der Milch täglich etwa 1,6 kg Eiweiß, 2 kg Fett und 2,4 kg Zucker aus. Die Synthese dieser Stoffe bedeutet Schwerstarbeit für den tierischen Organismus. Pro Kilogramm Körpergewicht sind im Intermediärstoffwechsel täglich 0,5 MJ (120 kcal) umzusetzen, nahezu doppelt soviel wie ein Hochleistungssportler bei Olympia täglich verstoffwechselt.


...mehr zu:
»Glucose »Insulingehalt »Kuh »Kühe »Milch

In der Phase der höchsten Milchleistung reichen für die Synthese der Milchinhaltsstoffe die Nährstoffe ihres Futters nicht aus, so dass die Kuh auch Körpergewebe, insbesondere Fett "einschmelzen" muss. Die hohe Belastung kann zur Verfettung der Leber führen, was auch Ursache dafür ist, dass das mittlere Lebensalter der Kuh mit dem Anstieg des Milchleistungsniveaus sinkt. In der praktischen Milcherzeugung wird dieses Problem nicht nur aus ökonomischer, sondern auch aus ethischer und ökologischer Sicht als besonders bedeutend eingestuft und ist Gegenstand zahlreicher Forschungsansätze.

Die Lösung des Problems hat man bisher in einer zusätzlichen Gabe von Traubenzucker (Glucose) gesehen, da an Glucose ein hoher Bedarf besteht. Die Experimente waren nicht erfolgreich, weil man nicht bedacht hat, dass Glucose den Insulingehalt im Blut erhöht. Wie Hochleistungssportler besitzen Hochleistungskühe nur sehr geringe Insulingehalte im Blut, da beide auf eine hohe Nährstoffverfügbarkeit angewiesen sind: der Sportler für eine schnelle Bereitstellung von Energie im Wettkampf, die Kuh für die Milchsynthese im Euter. Insulin bewirkt aber das Gegenteil, den vermehrten Einbau in das Körpergewebe.


Im Forschungsinstitut für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere (FBN) wurde deshalb ein anderer Weg beschritten. Nicht Kohlenhydrate sollen aus dem Futter zusätzlich im Darm absorbiert werden, sondern langkettige pflanzliche Fettsäuren. Dieser Weg hat mehrere Vorteile. Da Fette nach der Verdauung über das Lymphsystem an der Leber vorbei direkt ins Blut und somit in die Milchdrüse gelangen, wird die Leber nicht belastet und die Neusynthese von Fettsäuren im Euter vermindert. So wird Glucose gespart, der Insulingehalt im Blut sinkt und die Kühe sind in der Lage nachhaltiger eine signifikant höhere Milchleistung zu erbringen. Darüber hinaus enthält das Milchfett einen höheren Gehalt an den gesundheitsfördernden konjugierten Linolsäuren (CLA). Durch konsequente Nutzung wissenschaftlicher Erkenntnisse ist es möglich auch im Hochleistungsbereich gleichzeitig die Gesundheit der Kühe und die Qualität ihrer Milch zu verbessern.

Das FBN gehört zur Leibniz-Gemeinschaft, einem Zusammenschluss von 80 außeruniversitären Wissenschaftseinrichtungen. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 12.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie arbeiten nachfrageorientiert und interdisziplinär und sind von überregionaler Bedeutung. Da sie Vorhaben im gesamtstaatlichen Interesse betreiben, werden sie von Bund und Ländern gemeinsam gefördert.

Norbert K. Borowy | idw
Weitere Informationen:
http://fbn-dummerstorf.de

Weitere Berichte zu: Glucose Insulingehalt Kuh Kühe Milch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Neue Informationen zu deutschen Agrarflächen via Satellit
17.04.2014 | Julius Kühn-Institut

nachricht Wohin laufen Fuchs und Hase - Tierbewegungen in dynamischen Agrarlandschaften
16.04.2014 | Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Gestern Pocahontas, heute Avatar: Öffentliche Tagung zu Medien und Postkolonialismus

17.04.2014 | Veranstaltungen

Die Seniorexperten Chemie treffen sich in Braunschweig: Das menschliche Altern – ein Backprozess?

16.04.2014 | Veranstaltungen

Optimierung der Hämophiliebehandlung – EHC-Treffen im Paul-Ehrlich-Institut

16.04.2014 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Früher Säugetierverwandter gibt Einblicke in den Ursprung des Pflanzenfressens bei Wirbeltieren

17.04.2014 | Geowissenschaften

Versteckspiel ums Überleben: Wie die Tarnung von Bakterien auffliegt

17.04.2014 | Biowissenschaften Chemie

Neuer Wirkstoff im Tiermodell bei Masern erfolgreich – zukünftig Hilfe bei begrenzten Ausbrüchen?

17.04.2014 | Biowissenschaften Chemie