Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Artischocken für Arzneimittel - Uni Giessen erprobt Anbau in Deutschland

06.06.2001

Mit Anbauversuchen will das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft der Arzneipflanze Artischocke den Weg in die deutsche Landwirtschaft bahnen. Hat das Projekt der Uni Giessen Erfolg, wird die Pharmaindustrie Artischockenpräparate nicht mehr aus Importen und Resten der Gemüseverarbeitung fertigen, sondern aus eigens dafür angebauten Blattdrogen.

Während die Artischocke als wohlschmeckendes Gemüse vor allem im Mittelmeerraum genossen wird, steht sie seit einigen Jahren als Arzneimittel auch bei uns hoch im Kurs. Ihre Inhaltsstoffe senken den Cholesterinspiegel und werden auch bei Lebererkrankungen und begleitend zur Chemotherapie erfolgreich eingesetzt. Der Verbraucher weiß vor allem eines zu schätzen: Artischockenpräparate regen die Tätigkeit der Galle an und fördern damit die Fettverdauung.

Da der Anbau in Deutschland verschwindend gering und im wesentlichen auf kulinarische Zwecke ausgerichtet ist, tun sich die Verarbeiter schwer, ausreichend Blattdrogen zu beschaffen. Sie behelfen sich in der Regel mit Importen oder greifen auf die Reste aus der Gemüseproduktion zurück. Mit Unterstützung der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe schafft das Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der Universität Giessen nun die Voraussetzungen für einen Anbau der Arzneipflanze in Deutschland.

Die umfangreichen Untersuchungen drehen sich zunächst um die Auswahl geeigneter Sorten. Am Institut in Giessen sollen dabei internationale Herkünfte in Versuchsfeldern ausgesät, kultiviert und auf ihre Eignung für die Drogengewinnung getestet werden. Nicht nur Schoßfestigkeit und Dauer des Rosettenstadiums, sondern auch Blattstellung, -struktur und -ertrag sind für eine spätere industrielle Nutzung von Bedeutung. Die über mehrere Jahre geplanten Feldversuche münden in die Auswahl von Artischockensorten, die für eine Kultivierung in Deutschland geeignet sind und auch die von der Arzneimittelindustrie gewünschten Erträge und Qualitäten liefern.

Sind die ausgewählten Sorten erst für eine Nutzung als Arzneipflanze optimiert, könnte sich ihr Anbau auf deutschen Äckern wirklich lohnen; denn nicht nur der Bedarf ist da, auch preislich dürften die qualitativ hochwertigen heimischen Blattdrogen den Importen überlegen sein.

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR)
Hofplatz 1

18276 Gülzow
Tel.: 03843/69 30-0
Telefax: 03843/69 30-102
E-Mail: info@fnr.de

Dr. Torsten Gabriel | idw
Weitere Informationen:
http://www.fnr.de

Weitere Berichte zu: Anbau Arzneimittel Arzneipflanze Blattdrogen Giessen Importen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Acht europäische Länder im Kampf gegen den Asiatischen Laubholzbockkäfer
06.01.2017 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

nachricht Kleinbauern in Afrika: Clevere Milchkühlung – dank Solar auch ohne Stromanschluss
02.01.2017 | Universität Hohenheim

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ein neuer Index zur Diagnose einer nichtalkoholischen Fettlebererkrankung

20.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das Cockpit für Kühlgeräte

20.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Der Hausschwamm als Chemiker

20.01.2017 | Biowissenschaften Chemie