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Neues DFG-Projekt zum Wachstum der sächsischen Landwirtschaft 1750-1880

03.04.2008
Sachsens Landwirtschaft galt im 18. und 19. Jahrhundert bei im Schnitt nur mittelmäßigen Böden als die mit Abstand produktivste und fortschrittlichste in Deutschland.

Tatsächlich gelang es ihr trotz aller Ernährungskrisen, die am schnellsten wachsende Bevölkerung eines deutschen Staates bei schon frühem, rapiden Rückgang der Agrarbevölkerung zu ernähren.

Die Gründe für die Leistungsfähigkeit der sächsischen Landwirtschaft im Übergang vom 'Agrar- zum Industriestaat' liegen dabei noch weitgehend im Dunkeln.

Die Analyse des Wachstums der sächsischen Landwirtschaft 1750-1880 erfolgt durch die Schätzung regional differenzierter Produktionsfunktionen. Das Wachstum des Agrarsektors soll auf diese Weise unter Berücksichtigung regionaler Arbeitsteilung in die beiden Komponenten des zunehmenden Faktoreinsatzes und des agrartechnischen Fortschritts zerlegt werden. Eine solche, den Strukturwandel berücksichtigende Analyse, wird für den deutschsprachigen Raum erstmalig durchgeführt und stellt unter Verwendung von Translog-Produktionsfunktionen auch im internationalen Vergleich eine Innovation dar.

Auf kleinräumiger Ebene wird die lokale Agrarproduktion mit der Entwicklung der lokalen Nachfrage verglichen werden. Dies erlaubt eine vertiefte Beschreibung der regionalen Arbeitsteilung sowie des Ausmaßes, mit dem die lokale Agrarproduktion auf steigende Nachfrage mit einer Ausweitung der Subsistenzproduktion reagiert hat. Zu fragen ist, ob stärker marktorientierte Regionen ein höheres Produktivitätswachstum aufwiesen oder ganz im Gegenteil verstärkt Probleme in der Ernährungssicherung hatten.

Auf Basis monatlicher und jährlicher Getreidepreisreihen soll schließlich für zahlreiche sächsische Städte die Entwicklung der Marktintegration im untersuchten Zeitraum nachgezeichnet werden. In theoretischer Sicht stellt die Zunahme der Marktintegration die Haupterklärung für regionale Spezialisierung und daraus folgende Produktivitätsgewinne dar. Unter Rückgriff auf die anderen Projektergebnisse gilt es, diese Hypothese zu überprüfen. Bisher sind auch in der internationalen Forschung solche empirischen Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen Marktintegration und Agrarwachstum kaum vorhanden. Die Anwendung ökonometrischer Verfahren, welche die Rolle von Transaktions- und Transportkosten in Prozessen der Preiseinanpassung berücksichtigen, stellt dabei in der (wirtschafts-)historischen Forschung eine Innovation dar.

Das Projekt wird bearbeitet von Michael Kopsidis vom IAMO (Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa /Halle) in Zusammenarbeit mit Georg Fertig und Ulrich Pfister vom Lehrstuhl für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte am Historischen Seminar der Westfälischen-Wilhelms-Universität Münster. Für das Projekt wurde von Michael Kopsidis und Ulrich Pfister ein gemeinsamer Sachmittelantrag bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gestellt der am 10. März 2008 bewilligt worden ist. Bei Fragen wenden sie sich bitte an:
kopsidis@iamo.de
pfister@uni-muenster.de

Dr. Michael Kopsidis | idw
Weitere Informationen:
http://www.iamo.de/

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