Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Imkerverbände: Pestizid schuld am Bienensterben

10.09.2004


Umweltorganisationen fordern Verbot aller systemischen neurotoxischen Pestizide

... mehr zu:
»Bienensterben »Pestizid

Deutsche Imkerverbände fordern Verbote der Pestizide Neonikotinoide. Nach Angaben von Experten stehen diese im dringenden Verdacht für das Bienensterben in weiten Teilen Europas verantwortlich zu sein. Im besonderen Brennpunkt steht das von Bayer hergestellte Produkt Gaucho. Die Imkerverbände lehnen die Ergebnisse ab, wonach die Varroa-Milbe für das Sterben von 30 Prozent der Bienen verantwortlich sei.

Die Wirkstoffe Imidacloprid, Thiaclopid und Clothianidin stehen in dringendem Verdacht für das Bienensterben verantwortlich zu sein. In einer gemeinsamen Stellungnahme rufen der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund, der Naturschutzbund (NABU), die Coordination gegen BAYER-Gefahren sowie die österreichische Umweltorganisation GLOBAL 2000 die deutsche Bundesregierung dazu auf, diesen Pestiziden bis zur Klärung aller aktuellen Erkenntnisse die Zulassung zu entziehen. Die heftige Kritik folgt einer Untersuchung der französischen Regierung durch das Comite Scientifique et Technique, die bewiesen hat, dass Imidacloprid für das weiträumige Bienensterben mitverantwortlich ist.


Imidacloprid wird vom Leverkusener Bayer-Konzern hergestellt. In Deutschland wird der Wirkstoff unter den Markennamen Gaucho und Chinook vor allem im Raps-, Zuckerrüben-, Obst-, Gemüse und Maisanbau eingesetzt. Der Bayer-Konzern hat erst in der vergangenen Woche behauptet, dass eine Studie der französischen Lebensmittelbehörde AFSSA die Vorwürfe gegen Gaucho entkräften würde. Ein AFFSA-Sprecher weist diese Darstellung jedoch zurück: "Unsere Studie zeigt, dass Imidacloprid unter bestimmten Bedingungen zum Tod von Bienen führen kann." Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren kommentiert dazu, dass Imidacloprid mit einem Umsatz von mehr als einer halben Mrd. Euro jährlich zu den wichtigsten Bayer-Produkten gehöre. Darin liege auch der Grund, weswegen sich das Unternehmen trotz der gravierenden Umweltschäden mit Zähnen und Klauen gegen Anwendungsverbote wehrt.

Bei einem Treffen der deutschen Institute der Bienenforschung mit französischen Experten wurden zusätzlich einige andere Fakten bekannt: Die französischen Imkerverbände und der Sprecher und Experte Albert Becker werfen den deutschen Studien vor, dass diese statistisch und wissenschaftlich nicht fundiert seien. Die Gründe dafür liegen in Mängeln in der Methodologie und der Repräsentativität. Die überdurchschnittlichen Völkerverluste in den französischen Großkulturzonen (Mais und Sonnenblume) sind unwiderruflich den Molekülen Imidacloprid und Fipronil zuzuschreiben. Es sei jedoch eventuell nicht auszuschließen, dass andere multifaktorielle Ursachen sich zu den Auswirkungen dieser zwei Moleküle auf die Bienenvölker addieren.

Die Vergiftungen durch Imidacloprid und Fipronil sind von Wissenschaftlern und der Commission des Toxiques als sehr wahrscheinlich und als Hauptursache eingestuft worden. In Südfrankreich ist ein Gerichtsverfahren im Gange, in dem wichtige neue Fakten ans Licht gebracht werden, die auch auf die Hauptverantwortung von Fipronil hinweisen. Da die Quelle der angesprochenen deutschen Labordaten nicht vorliegt und die deutschen Institute nicht in der Lage sind diese Analysen durchzuführen, lassen sich die Unterschiede wahrscheinlich dadurch erklären, dass diese Daten vom Hersteller stammen. Eine Kooperation zwischen Wissenschaftlern beider Länder soll vorbereitet werden, um auch in Deutschland Versuche mit einer angepassten wissenschaftlichen Methodologie durchzuführen. Fipronil und Imidachloprid wurden im April 2004 in Frankreich verboten.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.bienensterben.info
http://www.pressetext.at/pte.mc?pte=040907048

Weitere Berichte zu: Bienensterben Pestizid

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Klimawandel: Bei Wetterextremen profitiert einheimisches Grünland weniger von steigendem CO2
26.09.2016 | Justus-Liebig-Universität Gießen

nachricht Mikroplastik: Lösungsansätze aus der Bionik
14.09.2016 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenboost für künstliche Intelligenz

Intelligente Maschinen, die selbständig lernen, gelten als Zukunftstrend. Forscher der Universität Innsbruck und des Joint Quantum Institute in Maryland, USA, loten nun in der Fachzeitschrift Physical Review Letters aus, wie Quantentechnologien dabei helfen können, die Methoden des maschinellen Lernens weiter zu verbessern.

In selbstfahrenden Autos, IBM's Watson oder Google's AlphaGo sind Computerprogramme am Werk, die aus Erfahrungen lernen können. Solche Maschinen werden im Zuge...

Im Focus: Synthese-chemischer Meilenstein: Neues Ferrocenium-Molekül entdeckt

Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben zusammen mit Kollegen der Freien Universität Berlin ein neues Molekül entdeckt: Die Eisenverbindung in der seltenen Oxidationsstufe +4 gehört zu den Ferrocenen und ist äußerst schwierig zu synthetisieren.

Metallocene werden umgangssprachlich auch als Sandwichverbindungen bezeichnet. Sie bestehen aus zwei organischen ringförmigen Verbindungen, den...

Im Focus: Neue Entwicklungen in der Asphären-Messtechnik

Kompetenzzentrum Ultrapräzise Oberflächenbearbeitung (CC UPOB) lädt zum Expertentreffen im März 2017 ein

Ob in Weltraumteleskopen, deren Optiken trotz großer Abmessungen nanometergenau gefertigt sein müssen, in Handykameras oder in Endoskopen − Asphären kommen in...

Im Focus: Mit OLED Mikrodisplays in Datenbrillen zur verbesserten Mensch-Maschine-Interaktion

Das Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP arbeitet seit Jahren an verschiedenen Entwicklungen zu OLED-Mikrodisplays, die auf organischen Halbleitern basieren. Durch die Integration einer Bildsensorfunktion direkt im Mikrodisplay, lässt sich u.a. die Augenbewegung in Datenbrillen aufnehmen und zur Steuerung von Display-Inhalten nutzen. Das verbesserte Konzept wird erstmals auf der Augmented World Expo Europe (AWE), vom 18. – 19. Oktober 2016, in Berlin, Stand B25 vorgestellt.

„Augmented Reality“ (erweiterte Realität) und „Wearable Displays“ (tragbare Displays) sind Schlagworte, denen man mittlerweile fast täglich begegnet. Beide...

Im Focus: OLED microdisplays in data glasses for improved human-machine interaction

The Fraunhofer Institute for Organic Electronics, Electron Beam and Plasma Technology FEP has been developing various applications for OLED microdisplays based on organic semiconductors. By integrating the capabilities of an image sensor directly into the microdisplay, eye movements can be recorded by the smart glasses and utilized for guidance and control functions, as one example. The new design will be debuted at Augmented World Expo Europe (AWE) in Berlin at Booth B25, October 18th – 19th.

“Augmented-reality” and “wearables” have become terms we encounter almost daily. Both can make daily life a little simpler and provide valuable assistance for...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von der Probe zum digitalen Modell - MikroskopieTrends ´16

26.09.2016 | Veranstaltungen

300 Experten diskutieren auf größter Entrepreneurship-Konferenz im deutschsprachigen Raum

26.09.2016 | Veranstaltungen

Idealer Ablauf für GMP-konforme Projekte

26.09.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Phänotyp auf Knopfdruck

26.09.2016 | Biowissenschaften Chemie

Effiziente elektrische Antriebe: TU Graz startet Christian Doppler Labor

26.09.2016 | Maschinenbau

Methodenentwicklung an BESSY II: Automatische Auswertung beschleunigt die Suche nach neuen Wirkstoffen

26.09.2016 | Biowissenschaften Chemie