Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hirntumore einfach und schnell erkennen

11.06.2001

Der Diplom Chemiker Michael Blank und Prof. Hermann Schlüsener vom Tübinger Institut für Hirnforschung haben an Versuchen mit Ratten herausgefunden, dass spezielle bösartige, - an den Ratten künstlich erzeugte - Hirntumore (Glioblastome **) mit Hilfe einer neuartigen Substanz einfacher und besser diagnostiziert werden können. Publiziert wurden die neuen Ergebnisse in der Maiausgabe 2001 der Fachzeitschrift "Journal of Biological Chemistry".



Der Test beruht auf der Tatsache, dass die Endothelzellen, die die Blutgefäße in Tumoren auskleiden, auf ihrer Zelloberfläche Proteine besitzen, die bei der Auskleidung der Blutgefäße im gesunden Körper nicht vorkommen. Der Tumor selbst veranlasst die Endothelzellen zur Herstellung dieser Proteine, indem er Wachstumsfaktoren produziert. Das hat zur Folge, dass ein Netzwerk aus kleinen Blutgefäßen entsteht, welches den Tumor durchdringt und gewährleistet, dass er mit ausreichend Nährstoffen und Sauerstoff versorgt wird. Die Neubildung des tumoreigenen Blutversorgungssystems ist wichtig für den steigenden Nährstoffbedarf eines wachsenden Tumors. Gelänge es, die Entstehung dieses versorgenden Netzwerkes zu unterdrücken, könnte das Wachstum des Tumors gestoppt werden.

... mehr zu:
»Glioblastom »Hirntumor »Protein

Den Tübinger Forschern gelang es durch Versuche an Ratten, eine Substanz zu entwickeln, die wie ein Schlüssel zum Schloss an dieses spezifische Protein an den Gefäßen des Hirntumors passt. Wird diese Substanz mit einem Fluoreszenzmarker gekoppelt, können die Blutgefäße in den blutgefäßreichen Glioblastomen selektiv und intensiv angefärbt und damit von gesundem Hirngewebe unterschieden werden.
Die gefundene Substanz unterscheidet sich von gebräuchlichen diagnostischen Substanzen durch ihre problemlose Herstellung. Ein weiterer Vorteil des neuen Testverfahrens ist die leichte Modifizierbarkeit der Substanz nicht nur für bildgebende Diagnostika sondern auch für Therapeutika.

Noch ein Pluspunkt ist, dass bei Therapien, die sich selektiv gegen das tumorversorgende Gefäßsystem richten und nicht gegen die Tumorzelle an sich, die Blut-Hirnschranke nicht überwunden werden muss. Diese Schranke zwischen Blut und Hirnsubstanz stellt normalerweise eines der Haupthindernisse bei der Therapie von Hirntumoren dar. Das bedeutet, dass die Substanz in Zukunft auch als Trägermolekül für den zielgerichteten Transport von Therapeutika eingesetzt werden könnte, um damit das Wachstum von Hirntumoren aufzuhalten.

Ansprechpartner für nähere Informationen

Universitätsklinikum Tübingen
Institut für Hirnforschung
Dipl. chem. Michael Blank und Prof. Dr. Hermann Schlüsener
hirnforschung@uni-tuebingen.de
Tel. 0 70 71 / 29-8 48 81


** Glioblastome sind die häufigsten bösartigen hirneigenen Tumore. Pro Jahr erkranken etwa 3 000 Menschen in Deutschland an einem Glioblastom. Der Tumor kann in jedem Lebensalter auftreten, besonders häufig in der fünften Lebensdekade. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Die Ursachen für die Entstehung von Hirntumoren sind nicht bekannt. Erste Anzeichen eines Hirntumors können epileptische Anfälle, Lähmungserscheinungen oder Veränderungen der Persönlichkeit sein. Kopfschmerzen treten eher selten auf. Die Behandlung der Glioblastome ist sehr schwierig und oft wenig erfolgreich.

Dr. Ellen Katz | idw

Weitere Berichte zu: Glioblastom Hirntumor Protein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Das Blut zum Sprechen bringen: Bauchspeicheldrüsenkrebs früh erkennen
21.09.2016 | Universitätsklinikum Ulm

nachricht Alzheimer: Zellulärer Mechanismus liefert Erklärungsmodell für den Abbau der Gedächtnisleistung
20.09.2016 | Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Synthese-chemischer Meilenstein: Neues Ferrocenium-Molekül entdeckt

Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben zusammen mit Kollegen der Freien Universität Berlin ein neues Molekül entdeckt: Die Eisenverbindung in der seltenen Oxidationsstufe +4 gehört zu den Ferrocenen und ist äußerst schwierig zu synthetisieren.

Metallocene werden umgangssprachlich auch als Sandwichverbindungen bezeichnet. Sie bestehen aus zwei organischen ringförmigen Verbindungen, den...

Im Focus: Neue Entwicklungen in der Asphären-Messtechnik

Kompetenzzentrum Ultrapräzise Oberflächenbearbeitung (CC UPOB) lädt zum Expertentreffen im März 2017 ein

Ob in Weltraumteleskopen, deren Optiken trotz großer Abmessungen nanometergenau gefertigt sein müssen, in Handykameras oder in Endoskopen − Asphären kommen in...

Im Focus: Mit OLED Mikrodisplays in Datenbrillen zur verbesserten Mensch-Maschine-Interaktion

Das Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP arbeitet seit Jahren an verschiedenen Entwicklungen zu OLED-Mikrodisplays, die auf organischen Halbleitern basieren. Durch die Integration einer Bildsensorfunktion direkt im Mikrodisplay, lässt sich u.a. die Augenbewegung in Datenbrillen aufnehmen und zur Steuerung von Display-Inhalten nutzen. Das verbesserte Konzept wird erstmals auf der Augmented World Expo Europe (AWE), vom 18. – 19. Oktober 2016, in Berlin, Stand B25 vorgestellt.

„Augmented Reality“ (erweiterte Realität) und „Wearable Displays“ (tragbare Displays) sind Schlagworte, denen man mittlerweile fast täglich begegnet. Beide...

Im Focus: OLED microdisplays in data glasses for improved human-machine interaction

The Fraunhofer Institute for Organic Electronics, Electron Beam and Plasma Technology FEP has been developing various applications for OLED microdisplays based on organic semiconductors. By integrating the capabilities of an image sensor directly into the microdisplay, eye movements can be recorded by the smart glasses and utilized for guidance and control functions, as one example. The new design will be debuted at Augmented World Expo Europe (AWE) in Berlin at Booth B25, October 18th – 19th.

“Augmented-reality” and “wearables” have become terms we encounter almost daily. Both can make daily life a little simpler and provide valuable assistance for...

Im Focus: Künstliche Intelligenz ermöglicht die Entdeckung neuer Materialien

Mit Methoden der künstlichen Intelligenz haben Chemiker der Universität Basel die Eigenschaften von rund 2 Millionen Kristallen berechnet, die aus vier verschiedenen chemischen Elementen zusammengesetzt sind. Dabei konnten die Forscher 90 bisher unbekannte Kristalle identifizieren, die thermodynamisch stabil sind und als neuartige Werkstoffe in Betracht kommen. Das berichten sie in der Fachzeitschrift «Physical Review Letters».

Elpasolith ist ein glasiges, transparentes, glänzendes und weiches Mineral mit kubischer Kristallstruktur. Erstmals entdeckt im El Paso County (USA), kann man...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Einsteins Geburtsstadt wird für eine Woche Hauptstadt der Physik

23.09.2016 | Veranstaltungen

Industrie und Wissenschaft diskutieren künftigen Mobilfunk-Standard 5G auf Tagung in Kassel

23.09.2016 | Veranstaltungen

Fachgespräch Feste Biomasse diskutiert Fragen zum Thema "Qualitätshackschnitzel"

23.09.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Korallenthermometer muss neu justiert werden

23.09.2016 | Biowissenschaften Chemie

Doppel-Infektion macht Erreger aggressiver

23.09.2016 | Biowissenschaften Chemie

Synthese-chemischer Meilenstein: Neues Ferrocenium-Molekül entdeckt

23.09.2016 | Biowissenschaften Chemie