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Multinationales Forschungsprojektes "LicoPro" soll Planungsdilemma für Fabriken lösen

26.01.2004


Fabriken versucht man auf der Basis langfristiger Absatzprognosen zu planen. Es entstehen "Factories for upcoming products". Marktdiskontinuitäten wie Absatzkrisen, Konsumentenwanderungen, etc. durchkreuzen jedoch langfristige Prognosen und damit häufig auch die Planung. Die heute vorherrschende Strategie für den Umgang mit solchen Planungsunsicherheiten ist der Versuch der Volumen- und evtl. noch Variantenflexibilisierung der eigenen Produktionseinrichtungen. Dieser Ansatz lässt sich bei moderaten Bedarfsschwankungen rechtfertigen - der Begriff der "atmenden Fabrik" verdeutlicht den Planungsansatz einer flexibel skalierbaren Produktion. Dieses Konzept hat jedoch seine Grenzen: Absatzschwankungen ab einer gewissen Breite können nicht mehr innerhalb einer Fabrik "geatmet" werden. In der Automobilindustrie zeigt sich dies bei erfolgreichen Produkten an den Wartemonaten von der Bestellung bis zur Auslieferung.



Das Ende der herkömmlichen Planung?



Die Fabrik von heute versucht lediglich, auf Marktschwankungen zu reagieren, ist aber nicht in der Lage, sich proaktiv an die ständig variierenden Planungsdaten anzupassen. Dieser reaktive Zustand führt häufig zu suboptimalem Betrieb der Fabrik. Die Produktion wird kontinuierlich angepasst, erreicht aber nie die ideale Konfiguration für die aktuellen Produktionsaufgaben. Im Gegensatz zur heute angestrebten agilen, jedoch reaktiven "Factory for the upcoming product" wird ein neues Produktionsparadigma gefordert: Die "Factory on Demand" (FoD). Proaktiv konfiguriert wartet sie auf die kommenden Produktionsaufgaben.

Paradigmenwechsel mit der Factory on Demand

Die "Factory on Demand" wird ihre Aufgaben in wechselnden Produktionsverbünden bewältigen. Jedes Element in diesen dynamischen Netzen aus Produktionsdienstleistern hat seine eigenständige Identität mit unverwechselbarer Kompetenz und Kapazität. Die FoD entwickelt ihre einzigartige Position aus einer kundenspezifisch skalierbaren Kombination von Kompetenz und Kapazität. Für den Kunden müssen Kapazitäten schnell und günstig konfiguriert werden. Desgleichen müssen Produktionskompetenzen in Form von Produktionstechnologien und -dienstleistung optimal verkettet sein. Damit kehrt die FoD das herrschende Planungsprinzip um, nach dem ein Produktionssystem für ein Produkt geplant wird. Die FoD entwickelt ihre Dienstleistung "Produzieren" abgekoppelt von einem vorher festgesetzten Produktvolumen und optimiert sich durch ständigen Abgleich mit der Umwelt. Dieser Paradigmenwechsel ermöglicht die Entkopplung von Produkt- und Produktionslebenszyklus und weist damit den Ausweg aus dem Planungsdilemma. Der Versuch, eine immer dynamischere Zukunft zentral zu planen, wird zugunsten einer flexiblen Konfiguration aus Produktionsdienstleistern aufgegeben.

Im Rahmen des multinationalen Forschungsprojektes "LicoPro" (Lifecycle Design for Global Collaborative Production) soll daher als Antwort ein Paradigmenwechsel zur Factory on Demand mit Partnern aus Industrie (DaimlerChrysler, Toyota, Hyundai, Mitsubishi, T-Systems, Hilti, Hella, Chiron, etc.) und Forschung (ETH, MIT, RWTH, etc.) herbeigeführt werden. Als Ergebnis wird neben dem neuen Paradigma auch eine anwendungsnahe Methode zur Planung von flexiblen Konfigurierationen aus Produktionsdienstleistern erarbeitet. Aus der Methode wird eine praxistaugliche Software-Toolbox entwickelt, die die Industriepartner bei der Planung ihrer "Factory on Demand" - beispielsweise hinsichtlich der Feststellung der benötigten Flexibilität -unterstützt.

Das Projekt LicoPro (www.licopro.com) ist ein globales Verbundprojekt unter dem Dach von Intelligent Manufacturing Systems (IMS) mit ca. 40 Partnern aus verschiedenen Branchen in den Regionen Japan, Korea, Europa und USA. Das WZL der RWTH Aachen ist Initiator und Koordinator des Projektes. Das Information Society Technology (IST) Programm der Europäischen Union fördert das Projekt von 2002 bis 2005.

Die europäische Union fördert internationales Forschungsprojekt. Initiator und Koordinator ist das WZL der RWTH Aachen.

Ansprechpartner:

Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Wirt. Ing. Günther Schuh, Tel.: 0241-80-27404, E-Mail: g.schuh@wzl.rwth-aachen.de
Nils Wemhöner, M.Sc., Tel.: 0241-80-27388, E-Mail: n.wemhoener@wzl.rwth-aachen.de

Thomas von Salzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwth-aachen.de

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