Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie natürlich sind Deutschlands Landschaften?

17.06.2014

Täglich nimmt der Mensch 74 Hektar Fläche neu in Anspruch – für Siedlungsgebiete und Verkehrsflächen werden sie versiegelt.

Doch auch auf anderen Flächen hinterlässt der Mensch Spuren. In welchem Maße diese Eingriffe die Landschaft und damit ihre natürlichen Funktionen beeinflussen, messen nun erstmals deutschlandweit zwei Indikatoren. Forscher des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung (IÖR) in Dresden haben sie entwickelt. Ihre Ergebnisse sind jetzt im Fachmagazin „Journal for Nature Conservation“ erschienen.


Der IÖR-Monitor visualisiert die Indikatoren für die Natürlichkeit von Landschaften (weitere Erläuterungen im PDF-Dokument). Bearbeitung: IÖR/Christian Stein+Ulrich Walz, 2013

Bisher machen bundesweite Indikatoren-Systeme die Entwicklung der Flächennutzung daran fest, wie sich Siedlungs- und Verkehrsflächen verändern. Unklar blieb bisher, wie sich die Landschaft insgesamt wandelt, wie natürlich genutzte und auch nicht genutzte Flächen sind. Forscher des IÖR haben nun zwei Indikatoren entwickelt, die Aussagen zum Kultivierungsgrad von Landschaften ermöglichen.

Dafür nutzen sie das Konzept der Hemerobie. Dieses gibt Auskunft über die Gesamtheit aller Eingriffe des Menschen in den Naturhaushalt. Dabei ist nicht allein entscheidend, wie stark der Mensch zum Beispiel Flächen in der Stadt versiegelt. In der Land- und Forstwirtschaft kommt es darauf an, wie intensiv die Flächen genutzt werden und wie stark der Bewuchs von der heimischen Vegetation abweicht.

Um hierzu Aussagen treffen zu können, nutzen die Forscher nicht nur aktuelle Geobasisdaten wie das Digitale Landschaftsmodell für Deutschland (DLM-DE). Sie ziehen darüber hinaus auch die Karte der potenziellen natürlichen Vegetation hinzu. „Diese Karte gibt für das gesamte Bundesgebiet Auskunft über die natürliche Pflanzenwelt, also die Vegetation, die vorherrschen würde, würde der Mensch nicht in die Natur eingreifen", erläutert Projektleiter Dr. Ulrich Walz.

„Ein Fichtenwald in den Hochlagen eines Mittelgebirges entspricht oft der natürlichen Vegetation, ein Nadelwald im Tiefland hingegen ist unter Umständen standortfremd und wird entsprechend als stärker kulturbeeinflusst eingestuft.“

Wie stark der gesamte Einfluss des Menschen auf eine Fläche ist, misst der Hemerobieindex. Die Skala reicht von 1 bis 7. „Je höher der Wert, desto größer ist der Eingriff des Menschen in die Landschaft. Der Wert 7 steht für eine vollständig versiegelte, also überbaute Fläche, der Wert 1 für ein vom Menschen gänzlich unbeeinflusstes Gebiet“, so Ulrich Walz.

Ein zweiter Indikator, den die Dresdener Forscher entwickelt und berechnet haben, gibt Auskunft über den Anteil naturbetonter Flächen an einem Gebiet. Naturbetont ist eine Fläche dann, wenn der Mensch nicht oder nur selten periodisch eingreift. Nehmen diese Flächen ab, gefährdet dies nicht nur die biologische Vielfalt in einem Gebiet. Auch der Mensch benötigt zur Erholung unberührte oder wenig beeinflusste Natur. Durch starke Eingriffe gehen diese Erholungs- und weitere Landschaftsfunktionen jedoch verloren.

Hier können beide Indikatoren in Zukunft wertvolle Dienste leisten, indem sie etwa aufzeigen, ob der steigende Flächenbedarf vorrangig zu Lasten naturnaher oder bereits intensiv genutzter Flächen geht. Ebenso können sie deutlich machen, wo Maßnahmen zur Verbesserung des Landschaftszustandes besonders nötig sind und auch, wo bereits positive Entwicklungen zu verzeichnen sind.

Für das Jahr 2010 stehen die beiden Indikatoren als Karte und Tabelle frei zur Verfügung. Im Rahmen des Monitors der Siedlungs- und Freiraumentwicklung (IÖR-Monitor), einer internetbasierten Dienstleistung des IÖR, können Interessierte sie abrufen und weiterverarbeiten. Mit dem Erscheinen einer neuen Version des Digitalen Landschaftsmodells für Deutschland (DLM-DE 2012) in diesem Jahr ist eine erneute Berechnung geplant. Anhand der dann vorliegenden Differenzwerte kann die Entwicklung des Kultureinflusses für jede Gemeinde, jeden Kreis oder jedes Bundesland erhoben werden.

Die Indikatoren sind ausführlich beschrieben in:
Walz, U. & Stein, C. (2014): Indicators of hemeroby for the monitoring of landscapes in Germany. Journal for Nature Conservation 22(3): 279–289. (DOI: 10.1016/j.jnc.2014.01.007)

Ansprechpartner im Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung:
Dr. Ulrich Walz, Telefon: (0351) 46 79-234, E-Mail: U.Walz[im]ioer.de
Christian Stein, Telefon: (0351) 46 79-270, E-Mail: C.Stein[im]ioer.de

Weitere Informationen:

http://www.ioer.de - Internetseite des IÖR
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1617138114000168 - Link zum Artikel im "Journal for Nature Conservation"

Heike Hensel | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht BAM-Forschungsprojekt will Mikroplastik im Wasser genauer nachweisen
21.06.2018 | Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)

nachricht Ausdehnung von Ackerflächen reduziert CO2-Aufnahme
20.06.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics