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Gefährliche Stoffe in Krankenhausabwässern

29.04.2009
Im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsprojektes wurde unter der Projektleitung der Fachhochschule Gießen-Friedberg am Evangelischen Krankenhaus in Gießen eine Abwasserversuchsanlage in Betrieb genommen.

Im Unterschied zu häuslichen Abwässern sind Krankenhausabwässer hoch medikamentös belastet. Kommunalen Kläranlagen gelingt die Trennung der Schadstoffe vom Wasser meist nur zum Teil.

So gelangen zum Beispiel Arzneimittelrückstände wie Hormone in freie Gewässer. Ein weiteres Problem bereitet hier immer noch die unachtsame Beseitigung von Medikamentenresten über die Toilette, so Projektleiter Prof. Dr. Markus Röhricht von der Fachhochschule in Gießen.

Geringste Rückstände können dabei drastische Auswirkungen auf die Natur haben. So wurde festgestellt, dass Rückstände von Schmerzmitteln und Antibabypillen zu Missbildungen bei Jungfischen bzw. zur Verweiblichung der Fischbestände führen. Den Fachleuten der FH Gießen-Friedberg erscheint deshalb eine Abwasserbehandlung am Entstehungsort am sinnvollsten.

Gegenüber einer zentralen städtischen Abwasseranlage hat das dezentrale Konzept am Krankenhaus den Vorteil, die Schadstoffe in höherer Konzentration vorzufinden. Die Verdünnung würde in zentralen Anlagen durch das Beimischen von häuslichen Abwässern entstehen und den Reinigungsprozess erheblich erschweren. Die entsprechende Analytik der Spurenstoffe wird von einer Arbeitsgruppe der Justus-Liebig-Universität Gießen unter Leitung von Dr. Rolf Düring ausgeführt.

Der am Evangelischen Krankenhaus in Gießen aufgestellte Versuchscontainer wurde in Kooperation mit der EMW filtertechnik GmbH aus Diez in Rheinland-Pfalz und dem Anlagenbauer Aquadetox international aus Altmannshofen in Baden-Württemberg aufgebaut. Die EMW hat eigens für die biologische Abwasserreinigung ein spezielles Trägermaterial entwickelt. Dabei findet eine Fixierung von Mikroorganismen auf dem Trägermaterial vorab statt. Ziel dieser patentierten Voraktivierung ist die Bildung eines Biofilms, der im direkten Kontakt mit dem belastenden Abwasser die anfallenden Schadstoffe beseitigt, so EMW-Projektleiter Markus Bartel.

Im Rahmen des Forschungsprojektes untersucht die Fachhochschule Gießen-Friedberg unter Leitung von Prof. Röhricht zudem innovative Reinigungstechniken wie die UV-Oxidation oder die Nanofiltration. Wie akut die Thematik Abwasser in der heutigen Zeit ist, zeigt das erst kürzlich veranstaltete Welt-Wasser-Forum in Istanbul. Laut Prof. Röhricht betreibe man somit am Evangelischen Krankenhaus in Gießen zukunftsweisende Forschungsarbeit.

Erhard Jakobs | idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-giessen.de/
http://kmubserv.tg.fh-giessen.de/pm/roehricht/

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