Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kaltwasserkorallen - bedrohte Juwelen der Tiefe

25.08.2006
Das Aquarium des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) präsentiert weltweit zum ersten Mal riffbildende Kaltwasserkorallen. Im Rahmen der "Museumsnacht" werden Kieler Meeresforscher die filigrane Steinkoralle Lophelia pertusa in einem speziell eingerichteten Becken der Öffentlichkeit vorstellen.

Erst vor wenigen Jahren sind die Kaltwasserkorallen in den Blickpunkt der Wissenschaft geraten, denn ihr Lebensraum in der Tiefe ist nur durch aufwendige Technik wie Tauchboote und ferngesteuerte Roboter erschließbar. Forscher, die zum Meeresboden tauchten, staunten über ausgedehnte Korallenriffe in kalten Gewässern. Wie ihre tropischen Verwandten bilden auch die Kaltwasserkorallen eindrucksvolle Riffe, die sich kilometerweit erstrecken. Die Meeresbiologen Prof. Ulf Riebesell und Armin Form vom IFM-GEOMAR sind mit dem Forschungstauchboot JAGO im März dieses Jahres vor der Küste Norwegens getaucht, um Exemplare für die Forschung in Kiel zu sammeln.


Nahaufnahme der Kaltwasserkoralle Lophelia pertusa. IFM-GEOMAR


Korallenriff vor der norwegischen Küste. IFM-GEOMAR

Diese besonderen Ökosysteme sind bereits seit Jahren durch Schleppnetzfischerei, Kabel und Öl-Pipelines gefährdet. Seit kurzem schlagen Forscher Alarm, denn die Kalk bildenden Organismen sind auch durch die zunehmende Versauerung der Ozeane bedroht. Durch fortschreitende Kohlendioxid-Emissionen wird das Meerwasser zunehmend saurer und die Bildung der Kalkskelette vieler Lebewesen im Meer, darunter auch die der Korallen, stark beeinträchtigt. In weiten Gebieten des Ozeans werden sie sich sogar ganz auflösen. Da die Riffe als Lebensraum für unzählige Arten dienen, sind nicht nur die Korallen selbst betroffen, sondern mit ihnen auch eines der artenreichsten Ökosysteme der Tiefsee. Mit jeder weiteren Expedition wird den Forschern deutlich, dass die betroffenen Regionen sehr groß sind. Vor der Westküste Europas befindet sich beispielsweise ein über 4500 km langer "Gürtel" von Lophelia-Riffen. Diese Riffsequenz beginnt vor Westafrika im Süden und erstreckt sich bis nach Nordnorwegen.

Nach Studien in ihrem natürlichen Lebensraum beschreiten die Kieler Meeresforscher nun neue Wege, indem sie weltweit erstmalig Kaltwasserkorallen in speziell dafür entwickelten Aquariensystemen experimentell untersuchen. Hier liegt eine Stärke der Kieler Wissenschaftler, die über langjährige Erfahrung in der Haltung von sensiblen Lebewesen aus dem Meer verfügen. Dr. Uwe Waller, wissenschaftlicher Leiter des Aquariums, zu der neuen Herausforderung: "Ein abgetrennter Wasserkreislauf mit entsprechend kälteren Temperaturen sowie die Haltung unter besonderen Licht- und Nährstoffverhältnissen zeigten sehr gute Ergebnisse in den Experimenten. Das ermutigte uns, die Kaltwasserkorallen auch den Besuchern unseres Aquariums zu präsentieren." Mit der einmaligen Ausstellung wollen die Kieler Meeresforscher die Problematik der Ozeanversauerung und deren Erforschung durch Wissenschaftler des IFM-GEOMAR der Öffentlichkeit nahe bringen.

Ansprechpartner:

Dr. Uwe Waller (Aquariumhaltung) - Tel. 0431/ 600 1630
Prof. Ulf Riebesell (Ozeanversauerung) - Tel. 0431/600 4581
Armin Form (Projekt Korallenforschung) - Tel. 0431/ 600 4510
Mona Botros (Öffentlichkeitsarbeit) - Tel. 0431/ 600 2807,
mbotros@ifm-geomar.de
Fakten zu Lophelia pertusa
Die Koralle verfügt über keine symbiontischen Algen (Zooxanthellen) und ist daher nicht auf Licht angewiesen. Sie ernährt sich rein heterotroph (d.h. ausschließlich durch Filtration) und hat daher sehr große Polypen mit vielen Tentakeln. Diese sind mit bloßem Auge sichtbar. Tiefenzone: 39 m bis 3383 m. Zum Vergleich: tropische Verwandte leben zwischen 0 und 100 m Tiefe. Temperaturbereich: 4 - 12 °C. Die tropischen Korallen leben in 20 - 29 °C. Relativ langsames Wachstum: ca. 10 mm/Jahr, folglich sind Korallenriffe meist viele tausend Jahre alt. Die tropischen Verwandten wachsen deutlich schneller, nämlich bis zu 150 mm/Jahr. Verbreitung von Kaltwasserkorallen: weltweit außer an den Polen. Die tropischen Korallen sind zwischen den Breitengraden 30 °N und 30 °S zu finden. Größter Riffkomplex: Røst-Riff, Norwegen: ca. 100 km2

Mona Botros | idw
Weitere Informationen:
http://www.aquarium-kiel.de
http://www.peece.ifm-geomar.de

Weitere Berichte zu: Aquarium IFM-GEOMAR Kaltwasserkoralle Lebensraum Meeresforscher

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Das Hochwasserrisiko besser abschätzen
17.09.2018 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht Pflanzensamen überstehen Maschinenwäsche - Ausbreitung invasiver Arten an Kleidung
11.09.2018 | Gesellschaft für Ökologie e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Nano-Lenkraketen Keime töten

Wo Antibiotika versagen, könnten künftig Nano-Lenkraketen helfen, multiresistente Erreger (MRE) zu bekämpfen: Dieser Idee gehen derzeit Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen (UDE) und der Medizinischen Hochschule Hannover nach. Zusammen mit einem führenden US-Experten tüfteln sie an millionstel Millimeter kleinen Lenkraketen, die antimikrobielles Silber zielsicher transportieren, um MRE vor Ort zur Strecke zu bringen.

In deutschen Krankenhäusern führen die MRE jährlich zu tausenden, teils lebensgefährlichen Komplikationen. Denn wer sich zum Beispiel nach einer Implantation...

Im Focus: Schaltung des Stromflusses auf atomarer Skala

Forscher aus Augsburg, Trondheim und Zürich weisen gleichrichtende Eigenschaften von Grenzflächenkontakten im ferroelektrischen Halbleiter nach.

Die Grenzflächen zwischen zwei elektrisch unterschiedlich polarisierten Bereichen im Festkörper werden als ferroelektrische Domänenwände bezeichnet. In der...

Im Focus: New soft coral species discovered in Panama

A study in the journal Bulletin of Marine Science describes a new, blood-red species of octocoral found in Panama. The species in the genus Thesea was discovered in the threatened low-light reef environment on Hannibal Bank, 60 kilometers off mainland Pacific Panama, by researchers at the Smithsonian Tropical Research Institute in Panama (STRI) and the Centro de Investigación en Ciencias del Mar y Limnología (CIMAR) at the University of Costa Rica.

Scientists established the new species, Thesea dalioi, by comparing its physical traits, such as branch thickness and the bright red colony color, with the...

Im Focus: Neues Verfahren erfolgreich getestet: Entwickeltes Protein ermöglicht tiefere Einblicke ins Gehirn

Um die Funktion einzelner Zellen oder Strukturen im intakten Gewebe zu untersuchen, müssen sie sichtbar sein. Klingt trivial, ist es aber nicht. Forscher schleusen dazu fluoreszierende Proteine in Zellen ein: Zellen, Strukturen oder ihre Aktivität werden unter dem Mikroskop sichtbar. Allerdings müssen die Proteine für den Einsatz in der Forschung optimiert werden. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Neurobiologie haben nun ein Verfahren entwickelt, dass durch eine automatisierte Computeranalyse und ein roboterunterstütztes Auswahlverfahren dieses „Protein Engineering“ erheblich verbessern – wie erste Erfolge mit einem tief roten Protein zeigen.

Mit leisem Surren schwenkt der Roboterarm zur Seite. Ein Stückchen nach rechts, ein Stück nach vorne, dann verharrt er kurz, bevor er einen Stab mit einer...

Im Focus: Neue Materialien auf der Basis von Rost könnten Wärmeentwicklung bei Rechnern verringern

Physiker beobachten Übertragung von Informationen über große Distanzen in antiferromagnetischem Eisenoxid-Kristall

Wissenschaftlern ist es gelungen, eine Langstreckenübertragung von Daten in einem isolierenden Antiferromagneten zu beobachten. Antiferromagnete sind eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Studierende organisieren internationalen Wettbewerb für zukünftige Flugzeuge

17.09.2018 | Veranstaltungen

Neues von Merkur, Mars und Mond – größtes Treffen europäischer Planetenforscher

14.09.2018 | Veranstaltungen

Chemie zum Anfassen

13.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

CAR-T-Zellen in vivo erzeugt

17.09.2018 | Biowissenschaften Chemie

MoreGrasp: beachtliche Forschungsergebnisse in der Gedankensteuerung von Greif-Neuroprothesen

17.09.2018 | Medizintechnik

Studierende organisieren internationalen Wettbewerb für zukünftige Flugzeuge

17.09.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics