Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Letzte Chance für Chinas Flussdelfine

29.06.2006
Zoologen entwickeln Plan für meist gefährdetes Säugetier der Welt

Nur noch 17 lebende Flussdelfine soll es im Jangtse geben, berichten Umweltforscher. Nun haben britische Wissenschaftler des Institute of Zoology in London von der Zoological Society of London ZSL einen Plan entwickelt, um das meist gefährdete Säugetier der Welt zu retten: In einem nahe des Flusses gelegenen See soll der Delfin überleben können. Dort soll auch genügend Nahrung für die Tiere vorhanden sein.

Die Ursachen für den starken Rückgang der Flussdelfine Baiji (Lipotes vexillifer) sind Umweltverschmutzung, Kollisionen mit Booten und Schiffen sowie die Überfischung ihrer Nahrungsreserven. Zudem gehen die Delfine immer wieder als Beifang in die Fischernetze und verenden dann qualvoll. Von der internationalen Naturschutzunion IUCN wurde der Baiji in den so genannten "Roten Listen" als "vom Aussterben bedroht" eingestuft. Insgesamt beträgt die Zahl der heute lebenden Baiji nur noch ein Tausendstel der vor industriellen Zeit.

Im Vorjahr hatten sich Zoologen in San Diego getroffen, um Notfallspläne für den bedrohten Flußdelfin zu starten. Der Plan wurde nun vom britischen Forscher Samual Turvey der Öffentlichkeit präsentiert. "Seit längerer Zeit gab es den Vorschlag, die Delfin-Population nur in einem überwachten abgeschlossenen Territorium zu züchten. Das ist die einzige Möglichkeit, dass diese Tierart überleben kann", so der Forscher. Der 21 Kilometer lange Tian-e-Zhou-See, der bis 1970 zum Jangtse gehörte, soll zum neuen Lebensraum des Delfins werden. Der See biete ideale Voraussetzungen, da dort bereits ein anderer Süßwasser-Säuger, nämlich der zu den Schweinwalen gehörende Neophocaena phoconoides lebt. "Es gibt zwar am See einige Fischer, aber bei weitem nicht in jener Zahl wie am Fluss selbst", meint der Forscher. Ein weiteres Problem neben der Überfischung des Jangtse selbst, ist die Veränderung des natürlichen Flusslaufes durch Dämme. "Der Drei-Schluchten-Damm ist nur noch ein weiterer Sargnagel. Die Population der Delfine war schon Jahrzehnte zuvor permanent fallend", so der Experte.

... mehr zu:
»Delfin »Fluss »Flussdelfine

Innerhalb der kommenden drei Jahre sollen fünf der letzten verbliebenen Baiji aus dem Jangtse gefangen und mit Hubschraubern zum See gebracht werden. Derzeit suchen die Forscher noch nach Sponsoren für das Projekt, das zwischen 360.000 und 550.000 Dollar kosten wird.

"Trotz des internationalen Walfang-Moratoriums gibt es weiterhin mehrere höchst gefährdete Populationen mit weniger als 500 Tieren. Dazu zählen zum Beispiel der Narwal, der Beluga sowie die beiden Flussdelfin-Arten in China und in Mexiko", so Andrea Nouak, österreichische Kommissärin für die Internationale Walfang-Kommission IWC im pressetext-Gespräch. Beim 58. Jahrestreffen des IWC wurde kritisiert, dass effiziente Schutzmaßnahmen dagegen kaum unternommen werden. "300.000 Wale und Delfine werden jährlich durch Beifang und Schiffskollisionen getötet", so Nouak.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.zsl.org
http://www.iucn.org
http://www.baiji.org

Weitere Berichte zu: Delfin Fluss Flussdelfine

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Umweltressourcen nachhaltig nutzen
17.07.2018 | Leibniz Universität Hannover

nachricht Mikroplastik – überall und in großen Mengen
12.07.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vernetzte Beleuchtung: Weg mit dem blinden Fleck

18.07.2018 | Energie und Elektrotechnik

BIAS erhält Bremens größten 3D-Drucker für metallische Luffahrtkomponenten

18.07.2018 | Verfahrenstechnologie

Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz

18.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics