Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zwei Milliarden Autos belasten in 2050 das globale Klima

16.11.2005


Daniel Goeudevert, früherer VW-Vorstand, fordert ein konsequentes Umdenken und neue Antriebskonzepte / Kontroverse Experten-Diskussion auf dem internationalen "Zukunftspodium Automobil" in Luzern

"Mobilität wird künftig einen höheren Preis haben. Sie nachhaltig zu gewährleisten erfordert dringenden Handlungsbedarf". Dies ist eine der Kernaussagen einer spannenden Diskussionsrunde von Experten, die auf dem internationalen »Zukunftspodium Automobil« in Luzern Thesen künftiger Mobilität kontrovers diskutierten. Im Mittelpunkt der Diskussion standen aktuelle Themen wie Klimawandel, Ölreserven sowie notwendige neue Denkansätze zum Thema Auto und Mobilität in der Automobilindustrie und in der Gesellschaft. Die Diskussion kann als TV-Aufzeichnung im Internet unter www.zukunftspodium.com angesehen werden.

Nach Prognosen von British Petroleum werde der weltweite Fahrzeugbestand von heute rund 800 Millionen Autos bis zum Jahr 2050 auf rund 2 Milliarden Fahrzeuge steigen. Noch vor gut 40 Jahren betrug der globale Fahrzeugbestand erst 60 Millionen Autos. Zugleich werde die weltweite Energienachfrage bis zum Jahr 2030 um 60 Prozent zunehmen. Nach wie vor werde Erdöl dabei den größten Teil des globalen Energiebedarfs decken.

"Erdöl wird es auch in diesem Jahrhundert zur Genüge geben", sagte Marcel Krämer, Generaldirektor von Britisch Petroleum (BP) Schweiz und bei der europäischen Organisation der Erdölindustrie EUROPIA demnächst als Executive Officer für den Bereich Government Affairs and External Affairs in Brüssel zuständig. Auf dem Zukunftspodium Automobil ließ Krämer jedoch offen, welchen Preis Öl eines Tages haben wird.

Die Herausforderungen an Industrie, Politik und Gesellschaft sind gewaltig. Denn für die globale Erwärmung in diesem Jahrhundert bedeutet der vermehrte CO2-Ausstoß laut Krämer einen prognostizierten Anstieg um bis zu fünf Grad Celsius und mehr.

Tragfähige Antworten auf die vielen brennenden Fragen "Wir dürfen dem nicht tatenlos zusehen", appellierte Krämer vor Vertretern der internationalen Industrie- und Finanzwirtschaft. Referenten und Teilnehmer der spannenden und kontroversen Podiumsdiskussion waren neben Krämer auch der frühere Automobilmanager und Querdenker Daniel Goeudevert, sowie Ivo Menzinger, Chef des Bereiches Sustainability & Emerging Risk Management von der Schweizer Rückversicherung Swiss Re und der Vorsitzende das Berliner Instituts für Mobilitätsforschung ifmo der BMW Group, Detlef Frank.

Um auch in 20 oder 40 Jahren noch mobil zu bleiben, "müssen wir die Weichen heute stellen", betonte Peter E. Braun, Verwaltungsratspräsident der Schweizer iQ Power AG und Initiator des neuen Podiums. "Wir brauchen tragfähige Antworten auf die vielen brennenden Fragen", sagte Braun. Das Zukunftspodium Automobil sei eine geeignete Plattform, "um Themen von gesellschaftspolitischer Relevanz und Verantwortung im Zusammenhang mit Automobil und Mobilität auf neutralem Boden zu diskutieren und Denkanstöße sowie ein Bewusstsein für die Herausforderungen der Zukunft in die Öffentlichkeit zu tragen".

Die drohenden Umweltkatastrophen als Folge der zunehmenden globalen Erwärmung und steigenden CO2-Emission, "können wir uns derzeit nicht einmal ausmalen", warnte Krämer. Der Hurrikan Katrina habe lediglich "einen ersten Vorgeschmack geliefert". Um den globalen Temperaturanstieg auf 2 Grad Celsius zu begrenzen, dürfe es im Jahr 2050 nur ebenso viel an schädlichen CO2-Emissionen geben wie bereits heute.

Goeudevert: Handeln nur durch Spenden ersetzen

Für den Branchenkritiker Daniel Goeudevert und ehemaligen Automobilmanager bei Citroën und Renault sowie früheren Vorstand bei Ford und Volkswagen sei eine Entschärfung des sich zuspitzenden ökologischen Problems neben der Politik auch Aufgabe und Verantwortung der Automobilindustrie. Das Antriebssystem für das Auto sowie eine drastische Verringerung der CO2-Emission werden hierbei entscheidend sein. Derzeit sehe Goeudevert bei immer mehr PS und steigendem Fahrzeuggewicht jedoch nur Halbherzigkeit. Die Branche sei eingeklemmt zwischen Absatzproblemen, Kostendruck, hohen Treibstoffpreisen und wachsendem Klimaproblem.

Solange die Klimaänderung nicht durch eine Katastrophe auch in Europa spürbar werde, "werden wir notwendiges Handeln weiterhin nur durch Geldspenden für die Opfer ersetzen" mahnte Goeudevert. Zwar besitze die Industrie die Fähigkeit, neue Konzepte auch wirkungsvoll umzusetzen, doch vermisse er "den tatsächlichen Willen". Nicht ohne Lob zugleich: "In Europa haben wir die mit Abstand besten Automobilingenieure. Wenn es gelingt, diese Engineering-Fähigkeit in zukunftsorientierte und dem Markt gerechte Produkte umzusetzen, dann sind wir wieder die Weltmeister".

Doch gibt es auch Erfolge. Lief bisher der Ausstoß von CO2-Emissionen mit der steigenden Kilometerfahrleistung des Verkehrs synchron, sei es erstmals gelungen, diese Abhängigkeit zu entkoppeln und den Anstieg der CO2-Emission zu dämpfen. "Die Kurven Kilometerleistung und CO2-Emission driften langsam auseinander", verdeutlichte Detlef Frank, Vorsitzender des Berliner Instituts für Mobilitätsforschung ifmo, einen neuerlichen Trend zu weniger hohem Ausstoß von Treibhausgasen. Dies sei "ein Schritt in die richtige Richtung", so Frank.

Alternative Kraftstoffe als Übergang vom Erdöl zum Wasserstoff Trotz aller Anstrengungen der Autoindustrie, den Schadstoffgehalt der Abgase durch Katalysatoren und optimierte Motoren zu verringern und den spezifischen Verbrauch weiter zu senken, komme die Industrie nicht umhin, vollkommen neue Lösungen zu entwickeln, um eine ökologische und kreislaufgeführte, nachhaltige Mobilität zu erzielen. Wasserstoff als Treibstoff der Zukunft gelte hierbei langfristig als der attraktivste Weg. Die Technik dazu sei vorhanden, doch werde der Aufbau entsprechender Infrastrukturen viele Jahrzehnte dauern. Konsens bestand darin, dass es verstärkt Alternativen zum Erdöl geben werde, um den langen Weg bis ins Wasserstoffzeitalter zu überbrücken. Treibstoffe aus Biomasse würden hierbei schon heute ein hohes Potenzial bieten, das sich auch kurzfristig realisieren ließe. Eines jedoch sei heute schon sicher, sagte Frank: "Mobilität fordert künftig einen höheren Preis".

Peter E. Braun | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.iqpower.com
http://www.iqpower.com/index.php?pid=5,3
http://www.zukunftspodium.com

Weitere Berichte zu: Automobil CO2-Emission Erdöl Mobilität

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Waldwechsel in den asiatischen Tropen: Klimawandel lässt Vegetation ergrünen und sprießen
10.07.2020 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

nachricht Von Seegurken lernen: umweltfreundliche Biolacke aus dem Meer?
06.07.2020 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hammer-on – wie man Atome schneller schwingen lässt

Schwingungen von Atomen in einem Kristall des Halbleiters Galliumarsenid (GaAs) lassen sich durch einen optisch erzeugten Strom impulsiv zu höherer Frequenz verschieben. Die mit dem Strom verknüpfte Ladungsverschiebung zwischen Gallium- und Arsen-Atomen wirkt über elektrische Wechselwirkungen zurück auf die Schwingungen.

Hammer-on ist eine von vielen Rockmusikern benutzte Technik, um mit der Gitarre schnelle Tonfolgen zu spielen und zu verbinden. Dabei wird eine schwingende...

Im Focus: Kryoelektronenmikroskopie: Hochauflösende Bilder mit günstiger Technik

Mit einem Standard-Kryoelektronenmikroskop erzielen Biochemiker der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) erstaunlich gute Aufnahmen, die mit denen weit teurerer Geräte mithalten können. Es ist ihnen gelungen, die Struktur eines Eisenspeicherproteins fast bis auf Atomebene aufzuklären. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "PLOS One" veröffentlicht.

Kryoelektronenmikroskopie hat in den vergangenen Jahren entscheidend an Bedeutung gewonnen, besonders um die Struktur von Proteinen aufzuklären. Die Entwickler...

Im Focus: Electron cryo-microscopy: Using inexpensive technology to produce high-resolution images

Biochemists at Martin Luther University Halle-Wittenberg (MLU) have used a standard electron cryo-microscope to achieve surprisingly good images that are on par with those taken by far more sophisticated equipment. They have succeeded in determining the structure of ferritin almost at the atomic level. Their results were published in the journal "PLOS ONE".

Electron cryo-microscopy has become increasingly important in recent years, especially in shedding light on protein structures. The developers of the new...

Im Focus: Neue Schlankheitstipps für Computerchips

Lange Zeit hat man in der Elektronik etwas Wichtiges vernachlässigt: Wenn man elektronische Bauteile immer kleiner machen will, braucht man dafür auch die passenden Isolator-Materialien.

Immer kleiner und immer kompakter – das ist die Richtung, in die sich Computerchips getrieben von der Industrie entwickeln. Daher gelten sogenannte...

Im Focus: Elektrische Spannung aus Elektronenspin – Batterie der Zukunft?

Forschern der Technischen Universität Ilmenau ist es gelungen, sich den Eigendrehimpuls von Elektronen – den sogenannten Elektronenspin, kurz: Spin – zunutze zu machen, um elektrische Spannung zu erzeugen. Noch sind die gemessenen Spannungen winzig klein, doch hoffen die Wissenschaftler, auf der Basis ihrer Arbeiten hochleistungsfähige Batterien der Zukunft möglich zu machen. Die Forschungsarbeiten des Teams um Prof. Christian Cierpka und Prof. Jörg Schumacher vom Institut für Thermo- und Fluiddynamik wurden soeben im renommierten Journal Physical Review Applied veröffentlicht.

Laptop- und Handyspeicher der neuesten Generation nutzen Erkenntnisse eines der jüngsten Forschungsgebiete der Nanoelektronik: der Spintronik. Die heutige...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Intensiv- und Notfallmedizin: „Virtueller DIVI-Kongress ist ein Novum für 6.000 Teilnehmer“

08.07.2020 | Veranstaltungen

Größte nationale Tagung für Nuklearmedizin

07.07.2020 | Veranstaltungen

Corona-Apps gegen COVID-19: Nationalakademie Leopoldina veranstaltet internationales virtuelles Podiumsgespräch

07.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Nanoelektronik lernt wie das Gehirn

14.07.2020 | Informationstechnologie

Anwendungslabor Industrie 4.0 der THD: Smarte Lösungen für die Unikatproduktion

14.07.2020 | Informationstechnologie

Neue Kunststoff-Schaltschränke AX von Rittal

14.07.2020 | Maschinenbau

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics