Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Für einen guten Zustand der Gewässer

08.09.2004


Prognosemodell für Pflanzenschutzmittelbelastung der Oberflächengewässer



Einträge von Pflanzenschutzmitteln (PSM) stellen eine Gefahr für den "guten Gewässerzustand" der Oberflächengewässer dar, der bei der Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) bis zum Jahre 2015 erreicht werden soll. Die laufende Bestandsaufnahme von Belastungen und deren Auswirkungen auf den guten Zustand macht daher auch eine Quantifizierung der Einträge von Pflanzenschutzmitteln aus diffusen Quellen erforderlich. Das Institut für Ressourcenmanagement der Universität Gießen entwickelte - in einem Forschungsprojekt im Auftrag des Umweltbundesamtes - das Prognosemodell DRIPS (Drainage-Runoff-Spraydrift Input of Pesticides in Surface Waters). Es soll Schätzungen ermöglichen, wie sich die PSM-Anwendungen im Ackerbau, auf die PSM-Konzentrationen in Flüssen auswirken.



Folgende Messergebnisse verdeutlichen, welche Probleme Pflanzenschutzmittel in den Gewässern verursachen: Von 38 wasserwirtschaftlich bedeutenden PSM hielten in den Jahren 2000-2002 nur acht die Zielvorgaben der Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) an allen untersuchten Messstellen des LAWA-Messnetzes ein; fünf überschritten sie an mehr als 25 Prozent der Messstellen. Bei 25 der 38 PSM traten vereinzelt Überschreitungen auf. Die Belastungen sind auf sachgerechte Anwendungen - die mit dem DRIPS-Modell abgebildet werden - , aber auch auf nicht sachgerechte Anwendungen der PSM zurückzuführen.

Das Modell soll es künftig ermöglichen, die zu erwartenden PSM-Konzentrationen in Flussgebieten zu prognostizieren. Daraus lässt sich schätzen, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Qualitätsziel voraussichtlich überschritten wird. Dargestellt in Karten, eignen sich die Ergebnisse dann gut zur Identifikation von "hot spots" der diffusen PSM-Einträge. Daran kann dann die Wasserwirtschaft eigene Messungen orientieren.

Als diffuse Quellen berücksichtigt das Modell DRIPS: Abschwemmung durch Oberflächenabfluss, Drainage- sowie Abdrift-Einträge aus Ackerflächen. Dabei werden die am häufigsten in Deutschland ein gesetzten 59 PSM-Wirkstoffe betrachtet. In der Summe aller für das Jahr 2000 errechneten Einträge ist nach den Modellergebnissen im Ackerbau der Oberflächenabfluss - mit knapp 15.000 kg im Jahr - der mit Abstand dominierende Eintragspfad. Es gilt allerdings weiterhin, dass in vielen Regionen Deutschlands ein erheblicher Teil der PSM-Einträge über die Hofabläufe als Folge der Waschvorgänge der Pflanzenschutzgeräte auf den Landwirtschaftsbetrieben in die Gewässer gelangt. Diese werden mit dem Modell nicht erfasst. In Obst- und Gemüsebaugebieten mit einem dichten Gewässernetz ist die Abdrift für die Gesamtbelastung von entscheidender Bedeutung; im Weinbau hingegen die Abschwemmung.

Die Pflanzenschutzmittel sind eine bedeutende Gruppe der den guten Zustand der Oberflächengewässer gefährdenden Stoffe. Das DRIPS-Modell ist deshalb ein wichtiges Hilfsmittel, um im gerade begonnenen Prozess zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie die PSM-Einträge innerhalb der laufenden Bestandsaufnahme zu schätzen.

Schädigungen der Gewässerstruktur - wie zum Beispiel Wehre, die Wanderungshindernisse für Fische darstellen - oder diffuse Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft stellen weitere bedeutende Belastungen der Oberflächengewässer dar. Sollten die ab 2006 durchzuführenden Messprogramme die Einschätzungen der Bestandsaufnahme bestätigen, müssen die Maßnahmen bei allen Belastungen in der jeweils adäquaten Weise ansetzen. Im Jahr 2009 sollen die Maßnahmenprogramme zur Wasserrahmenrichtlinie beschlossen werden und im Jahr 2012 umgesetzt sein.

Die Publikation "Prediction of Pesticide Concentrations in German River Basins from Agricultural Inputs" ist in der Schriftenreihe BERICHTE des UBA als Nummer 02/04 in englischer Sprache mit deutscher Kurzfassung erschienen. Sie umfasst 215 Seiten mit 26 Farbkarten, kostet 39,80 Euro und ist beim Erich Schmidt Verlag Berlin, Genthiner Str. 30g, 10785 Berlin sowie im Buchhandel (ISBN-Nr.: 3-503-08322-7) erhältlich.

Jana Schmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.umweltbundesamt.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Meeresmüll in entlegensten Regionen
13.08.2018 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Wie bekommt man das Problem Plastikmüll in den Griff?
03.08.2018 | Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue interaktive Software: Maschinelles Lernen macht Autodesigns aerodynamischer

Neue Software verwendet erstmals maschinelles Lernen um Strömungsfelder um interaktiv designbare 3D-Objekte zu berechnen. Methode wird auf der renommierten SIGGRAPH-Konferenz vorgestellt

Wollen Ingenieure oder Designer die aerodynamischen Eigenschaften eines neu gestalteten Autos, eines Flugzeugs oder anderer Objekte testen, lassen sie den...

Im Focus: New interactive machine learning tool makes car designs more aerodynamic

Scientists develop first tool to use machine learning methods to compute flow around interactively designable 3D objects. Tool will be presented at this year’s prestigious SIGGRAPH conference.

When engineers or designers want to test the aerodynamic properties of the newly designed shape of a car, airplane, or other object, they would normally model...

Im Focus: Der Roboter als „Tankwart“: TU Graz entwickelt robotergesteuertes Schnellladesystem für E-Fahrzeuge

Eine Weltneuheit präsentieren Forschende der TU Graz gemeinsam mit Industriepartnern: Den Prototypen eines robotergesteuerten CCS-Schnellladesystems für Elektrofahrzeuge, das erstmals auch das serielle Laden von Fahrzeugen in unterschiedlichen Parkpositionen ermöglicht.

Für elektrisch angetriebene Fahrzeuge werden weltweit hohe Wachstumsraten prognostiziert: 2025, so die Prognosen, wird es jährlich bereits 25 Millionen...

Im Focus: Robots as 'pump attendants': TU Graz develops robot-controlled rapid charging system for e-vehicles

Researchers from TU Graz and their industry partners have unveiled a world first: the prototype of a robot-controlled, high-speed combined charging system (CCS) for electric vehicles that enables series charging of cars in various parking positions.

Global demand for electric vehicles is forecast to rise sharply: by 2025, the number of new vehicle registrations is expected to reach 25 million per year....

Im Focus: Der „TRiC” bei der Aktinfaltung

Damit Proteine ihre Aufgaben in Zellen wahrnehmen können, müssen sie richtig gefaltet sein. Molekulare Assistenten, sogenannte Chaperone, unterstützen Proteine dabei, sich in ihre funktionsfähige, dreidimensionale Struktur zu falten. Während die meisten Proteine sich bis zu einem bestimmten Grad ohne Hilfe falten können, haben Forscher am Max-Planck-Institut für Biochemie nun gezeigt, dass Aktin komplett von den Chaperonen abhängig ist. Aktin ist das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen. Das Chaperon TRiC wendet einen bislang noch nicht beschriebenen Mechanismus für die Proteinfaltung an. Die Studie wurde im Fachfachjournal Cell publiziert.

Bei Aktin handelt es sich um das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen, das bei Prozessen wie Zellstabilisation, Zellteilung und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Das Architekturmodell in Zeiten der Digitalen Transformation

14.08.2018 | Veranstaltungen

EEA-ESEM Konferenz findet an der Uni Köln statt

13.08.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung in der chemischen Industrie

09.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kleine Helfer bei der Zellreinigung

14.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Oberflächeneigenschaften für holzbasierte Werkstoffe

14.08.2018 | Materialwissenschaften

Fraunhofer IPT unterstützt Zweitplatzierten bei SpaceX-Wettbewerb

14.08.2018 | Förderungen Preise

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics