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Solarthermie im Aufwind

05.07.2002


Start-up-Portait: Solar Millennium AG, Erlangen, will die Energieerzeugung abseits von Atomkraft und Kohle voran treiben

Nicht das Licht, sondern die Wärme der Sonne will Solar Millennium nutzen, um Strom zu erzeugen. Hindernis auf dem Weg zur sauberen Energie sind bisher vor allem geeignete Stromabnahmeregelungen.


Der Kampf gegen die Mühlen jordanischer Bürokratie blieb lange ergebnislos. Erst als sich die Führungsriege der Solar Millennium AG direkt an König Abdullah II. wandte, gab es grünes Licht für die Ausschreibung eines Parabolrinnen-Kraftwerks. Seine Majestät gab den Erlanger Entwicklern von solarthermischen Großkraftwerken den Auftrag, ihr Projekt zu konkretisieren.

Inzwischen liegen der jordanischen Regierung zwei umfangreiche Vorschläge vor. Solar Millennium Vorstand Dr. Klaus Grethe erwartet bis September eine Vorentscheidung. Läuft alles nach Plan könnte 2004 mit dem Bau begonnen werden. Mit einer Leistung von 130 Megawatt entsteht dann das größte solarthermische Kraftwerk der Welt. Es soll knapp 10 % des heutigen Energiebedarfs Jordaniens abdecken und je nach Anlagenkonzept einen Jahresumsatz von 45 Mio. Dollar bis 70 Mio. Dollar erwirtschaften.

Über die in Gründung befindliche Technologiefirma „Solar Field Company“, ein Gemeinschaftsunternehmen der Solar Millennium und Flabeg Solar International, würde Solar Millennium am Bau des Kraftwerkes beteiligt sein. Denn die Rolle des Projektentwicklers allein genügt den Erlangern nicht. „Wir wollen die Kraftwerke mit betreiben, um auch am Ertrag beteiligt zu sein”, so Vorstand Dr. Klaus Grethe.

Mehr als 10 Mio. " investierte das 1998 gegründete Unternehmen bislang in die Projektentwicklung an Standorten im Sonnengürtel rund um den Erdball und hat dabei die Forschung, Planung und Entwicklung von solarenergetisch betriebenen Parabolrinnen- und Aufwindkraftwerken nach eigenen Angaben maßgeblich vorangetrieben. Im Unterschied zur Photovoltaik wird in beiden Fällen nicht die Lichtenergie der Sonne, sondern deren Wärmeenergie in Elektrizität umgewandelt.

Das nötige Startkapital beschafften sich die Solarthermie-Experten durch zwei selbst initiierte Publikumsfonds mit rund 1200 Kommanditisten, die im Herbst letzten Jahres auf die bereits bestehende Solar Millennium AG verschmolzen wurden. Rund 20 feste und freie Ingenieure, Projektmanager, Wissenschaftler und Finanzexperten beschäftigt das Erlanger Unternehmen. „Wir haben Berater in jedem Land, in dem wir Projekte verfolgen.” Neben Jordanien ist dies derzeit vor allem Spanien. Die Experten gehen davon aus, dass die seit drei Jahren existierende Einspeisevergütung in diesem Sommer auch auf die Solarthermie ausgeweitet wird. Damit wäre die Wirtschaftlichkeit einer Anlage weitgehend gesichert. Rund 100 potenzielle Standorte für den ersten Prototyp eines Parabolrinnenkraftwerks wurden analysiert. „Es wird ein Tal bei Almeria sein”, verrät Projektleiter Rainer Aringhoff. Konkreter will er nicht werden, „sonst schnellen die Bodenpreise nach oben.” Bei einem Flächenbedarf von 2 km2 pro Kraftwerk ist die Schmerzgrenze schnell überschritten. Auch in Spanien ist kein Alleingang geplant, sondern ein Konsortium mit spanischen Partnern. Denn der Grundsatz von Solar Millennium lautet: Sämtliche Projekte müssen mindestens zur Hälfte durch einheimisches Kapital finanziert sein.

Ein Kraftwerk mit verbesserten Techniken soll dann zum Einsatz kommen. Deren Praxistauglichkeit wird ab Anfang 2003 in einem bestehenden Parabolrinnenkraftwerk der kalifornischen Kramer Junction Operating Company getestet. Solar Millennium verfolgt gemeinsam mit europäischen Partnern die konsequente Weiterentwicklung der Kollektorrinnentechnik, um deutliche Kosteneinsparungen zu erzielen. Finanziert wird das Demonstrationsprojekt durch Fördermittel in Höhe von 1,7 Mio. ", die Solar Millennium im Rahmen des Zukunfts-Investitionsprogramms der Bundesregierung im März diesen Jahres erhalten hat. Insgesamt 10 Mio. " investiert die Bundesregierung, damit „Solarkraftwerke zu deutschen Exportschlagern der Zukunft werden”, so Umweltminister Jürgen Trittin.

H. PAULUS | VDI nachrichten.com

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