Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Jeder Zweite akzeptiert fehlende Privatsphäre im Netz

10.12.2013
85 von 100 Schweizerinnen und Schweizern haben Zugang zum Internet. Die Nutzung wird intensiver, selbst 70 Prozent der Seniorinnen und Senioren sind online.

Die Besorgtheit im Umgang ist aber nach wie vor hoch – etwa bezüglich Datenkontrolle durch Unternehmen. Junge Menschen sind generell sorgloser und Frauen mehr darauf bedacht, ihre Privatsphäre zu schützen. Dies zeigt eine Erhebung des Instituts für Publizistikwissenschaft und Medienforschung (IPMZ) der Universität Zürich.

Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer sind online. «Die Schweiz zählt bei der Internet-Verbreitung weltweit zu den Top-Ländern», sagt Prof. Michael Latzer von der Abteilung Medienwandel & Innovation des IPMZ der Universität Zürich. Er hat mit seinem Team das «World Internet Project – Switzerland» nach 2011 zum zweiten Mal durchgeführt.

Überdurchschnittlich gestiegen ist in den letzten zwei Jahren auch der Anteil jener Nutzerinnen und Nutzer, die mobil im Internet surfen: Rund 39 Prozent der Bevölkerung und fast die Hälfte der Internet-Nutzerinnen und -Nutzer sind auch unterwegs online. Treiber dieser Verdoppelung der mobilen Internet-Nutzung sind hauptsächlich Smartphones. Zu Hause wird von 44 Prozent der Nutzer das Internet verstärkt für berufliche Zwecke eingesetzt (+13 Prozentpunkte). Der hohen Verbreitung zum Trotz: Vier von zehn Schweizerinnen und Schweizer fühlen sich nach Selbsteinschätzung «gar nicht oder nur ein wenig» in die Informationsgesellschaft eingebunden.

Einkommen und Bildung definieren den Zugang zur digitalen Schweiz

Eine digitale Spaltung in der Schweiz zeigt sich bezüglich Internet-Zugang entlang des Einkommens (deutlich bei der mobilen Nutzung), der Bildung und des Beschäftigungsgrades. Unterschiede aufgrund von Alter und Geschlecht haben an Bedeutung verloren: «Bemerkenswerte 70 Prozent der 60- bis 74-jährigen Schweizerinnen und Schweizer nutzen heute das Internet, insgesamt etwa gleich viele Frauen wie Männer», so Latzer. Nach Regionen betrachtet, hinkt die italienischsprachige Schweiz hinterher. Und: Eine Million Schweizerinnen und Schweizer (ab 14 Jahren) surft nach wie vor nicht im World Wide Web und begründet dies mit fehlendem Interesse und Nutzen.

Besorgtheit unverändert hoch

Vertrauen und Sorgen bezüglich Internet-Nutzung sind in den letzten Jahren in der Schweiz im Wesentlichen gleich geblieben: «Zumindest die Hälfte der Internet-Inhalte wird von drei Vierteln der Bevölkerung als glaubwürdig eingestuft», fasst Prof. Latzer zusammen. Professionelle Angebote – speziell jene der SRG und der Regierung – werden als besonders vertrauenswürdig eingestuft, jene aus sozialen Online-Netzwerken und Blogs am wenigsten. Rund 40 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer wären bei einer Kredit- oder Bankkartenverwendung im Internet «sehr oder extrem besorgt»; wobei fünf Prozent tatsächlich Opfer von Kreditkartenbetrug im Internet geworden sind.

Unternehmen wird punkto Datenkontrolle nach wie vor deutlich stärker misstraut (40%) als der Regierung (26%). «Diese Einschätzung ist trotz des NSA-Skandals im Vergleich zu 2011 unverändert geblieben», so der Medienexperte. Grundsätzlich sind junge Schweizerinnen und Schweizer – und auch Männer – weit weniger besorgt als Ältere. Acht von zehn Internet-Nutzern sind sehr bedacht darauf, ihre Privatsphäre zu schützen, und 45- bis 59-Jährige verlangen häufiger regulatorische Beschränkungen des unternehmerischen Datensammelns als Jüngere. Resignierend meint jeder zweite Nutzer, man müsse sich damit abfinden, dass es keine Privatsphäre im Internet mehr gebe.

Information wichtiger als Unterhaltung

Das Internet hat seine Rolle als mediale Vielzweckinfrastruktur für Information und Unterhaltung, für das Wirtschaften und Sozialisieren in der Schweiz weiter ausgebaut. Die Nutzung zu Informationszwecken – mit den Spitzenreitern Produkt- und Reiseinformationen sowie Nachrichten – übertrifft auch 2013 die Unterhaltung; in diesem Bereich stehen Video- und Musikportale zuoberst auf der Rangliste. Auffällig häufiger genutzt werden soziale Online-Netzwerke wie Facebook oder Twitter, letzteres vor allem von jüngeren Nutzern. Fast sechs von zehn Surfern verwenden soziale Online-Netzwerke, zwei Drittel davon täglich. Private soziale Online-Netzwerke sind dreimal beliebter als berufliche wie etwa Xing. Die E-Commerce-Nutzung stagniert auf hohem Niveau: 78 Prozent suchen Produktinformationen, 67 kaufen online ein und 63 machen online Preisvergleiche.

Frauen schätzen ihre Internet-Fähigkeiten geringer ein als Männer

Je nach Alter wird das Internet unterschiedlich genutzt: Bei interaktiven Anwendungen, bei den von Nutzern selber produzierten Inhalten und bei der Unterhaltung sind Jüngere aktiver, umgekehrt nutzen Ältere das Internet vermehrt für elektronische Einkäufe und Online-Banking. Ein Geschlechterunterschied besteht heute nicht mehr in Bezug auf den Zugang zum Internet, jedoch immer noch bei der Intensität, wie Information und Unterhaltung genutzt werden, der Selbsteinschätzung der Internet-Fähigkeiten und dem Gefühl der Zugehörigkeit zur Informationsgesellschaft: All diese sind geringer bei Frauen als bei Männern.

Internet gewinnt gegenüber traditionellen Medien an Bedeutung

Das Internet hat für Information und Unterhaltung im Vergleich mit anderen Medien seit 2011 an Relevanz gewonnen. Für die Nutzerinnen und Nutzer liegt es als Informationsquelle an der Spitze – gleichauf mit der Zeitung. Für junge Internet-Nutzer (14 bis 29 Jahre) hat das Internet die anderen Medien abgehängt. Bei der Unterhaltung dominieren nach wie vor Fernsehen und Radio, bei den jüngeren Nutzern Fernsehen vor Internet.

Digitales Politisieren mit viel Zurückhaltung

Die grosse Skepsis in der Schweiz gegenüber einer digitalen Teilnahme an politischen Prozessen hat sich fortgesetzt. Im internationalen Vergleich gehört die Schweiz zu den Ländern, die am stärksten an den Möglichkeiten einer digitalen Demokratisierung zweifeln: Nur eine verschwindende Minderheit von vier bis sieben Prozent sind von positiven Effekten des Internets auf die demokratische Qualität stark überzeugt. Das Internet wird deshalb wenig für die Teilnahme an politischen Diskussionen genutzt, selbst unter Internetnutzern diskutieren 71 Prozent politische Themen ausschliesslich offline. Nur die Hälfte der Befragten findet es ausserdem richtig, die Regierung im Internet frei kritisieren zu dürfen, ein Drittel lehnt dies klar ab.

World Internet Project

Das World Internet Project (WIP) ist eine vergleichende Langzeitstudie und erfasst in 30 Ländern die Verbreitung und Nutzung des Internets im internationalen Vergleich und analysiert soziale, politische und ökonomische Implikationen der Netzentwicklung.

Das WIP-CH-Projekt wird von der Abteilung Medienwandel & Innovation des Instituts für Publizistikwissenschaft und Medienforschung (IPMZ) der Universität Zürich unter der Leitung von Prof. Michael Latzer nach 2011 zum zweiten Mal durchgeführt und basiert auf einer repräsentativen telefonischen Befragung von 1114 Personen ab 14 Jahren, die im Mai/Juni 2013 von gfs Zürich durchgeführt wurde. Mitglieder des Projektteams sind Natascha Just, Sulkhan Metreveli, Florian Saurwein, Moritz Büchi und Jeannine Egi.

Das WIP-CH-Projekt wird vom Bundesamt für Kommunikation (Bakom) und vom Dekanat der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich unterstützt.

Alle Themenberichte finden Sie auf www.mediachange.ch zum Download.

Nathalie Huber | Universität Zürich
Weitere Informationen:
http://www.mediachange.ch
http://www.mediadesk.uzh.ch/articles/2013/jeder-zweite-akzeptiert-fehlende-privatsphaere-im-netz.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Mobilfunkstrahlung kann die Gedächtnisleistung bei Jugendlichen beeinträchtigen
19.07.2018 | Swiss Tropical and Public Health Institute

nachricht Neue internationale Studie: Immuntherapie für Kinder mit akuter Leukämie
13.07.2018 | Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics