Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verhalten bei Katastrophen seit 100 Jahren gleich

21.06.2010
Forscher vergleichen die Schiffunglücke von Titanic und Lusitania

Wie sich Menschen in einer lebensgefährlichen Situation verhalten, hat ein internationales Forscherteam anhand zweier großer historischer Schiffskatastrophen untersucht. Die beiden Passagierschiffe Titanic und Lusitania haben beide jeweils rund 2.000 Menschenleben gefordert. Benno Torgler von der Queensland Universität und Bruno Frey von der Universität Zürich haben die beiden Unglücksfälle miteinander verglichen.

"Der große Unterschied der beiden Katastrophen war, dass die Titanic zwei Stunden und 40 Minuten nach der Eisbergkollision gesunken ist, die Lusitania hingegen nur 18 Minuten nach dem deutschen U-Boot-Angriff", so Frey gegenüber pressetext. Das habe sich auch im Verhalten der Passagiere deutlich gezeigt. "Bei der Titanic wurden zum Beispiel Passagiere der ersten Klasse bevorzugt behandelt. Zudem wurde Frauen und Kindern geholfen", so Frey. Bei der Lusitania hingegen sei das Unglück so schnell geschehen, dass es eine Rette-Sich-So-Schnell-Wie-Möglich-Situation eingetreten ist.

Überlebensrate alters- und standesabhängig

Die beiden Schiffe Titanic und Lusitania wurden in der Vergangenheit fälschlicherweise als Schwesternschiffe bezeichnet. Doch gehörten sie zwei verschiedenen Eigentümern. Beide Schiffe waren hingegen groß. Auf der Titanic waren am 14. April 1912, zum Zeitpunkt der Katastrophe, 2.207 Passagiere und Besatzungsmitglieder an Bord, auf der Lusitania, die am 7. Mai 1915 vom Torpedo getroffen wurde, 1.949. Die Sterberate an Bord der beiden Schiffe war - mit 68,7 Prozent auf der Titanic und mit 67,3 Prozent auf der Lusitania - nahezu gleich hoch.

"Was uns interessierte, war die Frage, wie hoch die Überlebenschance für jene Zielgruppen lag, die in der dritten Klasse reisten, 35 Jahre oder älter waren und keine Kinder hatten", so Frey. Denn die Opferzahlen in dieser Gruppe waren am höchsten. "Ein Grund dafür war, dass viele zu alt und zu tief im Schiffsinneren waren, um an die Rettungsboote zu kommen, die auf dem Niveau der ersten Klasse waren, bestätigt Frey. "Ein anderes Problem war auch, dass viele unter ihnen zu wenig Ortskenntnis an Bord des Schiffes hatten. Was im Cameron-Film jedenfalls falsch dargestellt war, war die Tatsache, dass es eine versperrte Eisentüre vom Unterdeck zum Oberdeck gegeben habe.

Frey: Immer noch gleiches Verhalten

Frey geht davon aus, dass auch heute - fast 100 Jahre nach den beiden Unglücken - Menschen sich gleich verhalten. "Natürlich haben Menschen aus diesen Schiffskatastrophen gelernt und daher stehen heute ausreichend Rettungsboote und Schwimmwesten zur Verfügung", erklärt Frey. "Zudem wurde ein Rettungsdrill als Reaktion auf Unglücksfälle erlernt."

"Ein pikantes Detail am Rande der Untersuchung war, dass sich die britischen Männer in beiden Unglücksfällen als echte Gentlemen erwiesen und Frauen sowie Kindern halfen, während hingegen die US-amerikanischen Männer eher zu rücksichtslosem Handeln tendierten", erklärt Frey. In der englischen Presse sei dies erwartungsgemäß gut angekommen, in der US-amerikanischen hingegen nicht.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.bsfrey.ch

Weitere Berichte zu: Lusitania Rettungsboote Schiffskatastrophen Unglücksfälle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Staub in Westasien gibt Hinweis auf Eisschmelze
21.07.2020 | MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen

nachricht So verändert sich das Supply Chain Management bis 2040
15.07.2020 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: New Strategy Against Osteoporosis

An international research team has found a new approach that may be able to reduce bone loss in osteoporosis and maintain bone health.

Osteoporosis is the most common age-related bone disease which affects hundreds of millions of individuals worldwide. It is estimated that one in three women...

Im Focus: Neue Strategie gegen Osteoporose

Ein internationales Forschungsteam hat einen neuen Ansatzpunkt gefunden, über den man möglicherweise den Knochenabbau bei Osteoporose verringern und die Knochengesundheit erhalten kann.

Die Osteoporose ist die häufigste altersbedingte Knochenkrankheit. Weltweit sind hunderte Millionen Menschen davon betroffen. Es wird geschätzt, dass eine von...

Im Focus: Lastenfahrräder: Leichtbaupotenziale erkennen und nutzen

Lastenräder sind »hipp« und ein Symbol für klimafreundliche Mobilität, tagtäglich begegnen wir ihnen. Straßen und Radwege müssen an diese neue Fahrzeugkategorie angepasst werden. Aber nicht nur die Infrastruktur kann optimiert werden, Lastenräder selbst bieten noch reichlich Potenzial. Im neu gestarteten Projekt »LastenLeichtBauFahrrad« (L-LBF) suchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF zusätzliche Leichtbaupotenziale dieser urbanen Vehikel. Über die Fortschritte des Projekts informiert eine eigene Webseite unter www.lbf.fraunhofer.de/L-LBF 

Form und Design von Lastenfahrrädern variieren von schnittig schick bis kastig oder tonnig. Sie stellen das neue Statussymbol der »mittleren Generation« dar....

Im Focus: AI & single-cell genomics

New software predicts cell fate

Traditional single-cell sequencing methods help to reveal insights about cellular differences and functions - but they do this with static snapshots only...

Im Focus: Künstliche Intelligenz & Einzelzellgenomik: Neue Software sagt das Schicksal einer Zelle vorher

Die Erforschung der Zelldynamik ermöglicht einen tieferen Einblick in die Entstehung und Entwicklung von Zellen sowie ein besseres Verständnis von Krankheitsverläufen. Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München und der Technischen Universität München (TUM) haben „scVelo“ entwickelt – eine auf maschinellem Lernen basierende Methode und Open-Source-Software, welche die Dynamik der Genaktivität in einzelnen Zellen prognostizieren kann. Damit können die Forscher den künftigen Zustand einzelner Zellen vorhersagen.

Herkömmliche Verfahren für die Einzelzellsequenzierung erlauben es, Erkenntnisse über Unterschiede und Funktionen auf zellulärer Ebene zu gewinnen - allerdings...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovationen der Luftfracht: 5. Air Cargo Conference real und digital

04.08.2020 | Veranstaltungen

T-Shirts aus Holz, Möbel aus Popcorn – wie nachwachsende Rohstoffe fossile Ressourcen ersetzen können

30.07.2020 | Veranstaltungen

Städte als zukünftige Orte der Nahrungsmittelproduktion?

29.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Ein neuer Job für Augenzellen

05.08.2020 | Biowissenschaften Chemie

Essigsäure steuert Immunzellen für eine präzise orchestrierte Abwehr

05.08.2020 | Medizin Gesundheit

Elektrogesponnene Vliese mit gerichteten Fasern für die Sehnen- und Bänderrekostruktion

05.08.2020 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics