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Tourist, Migrant und Einheimischer – in einer Person: RUB-Forscherin analysiert Mobilitäten in Europa

17.08.2010
Wie das EU-Grenzregime sich auswirkt

Kann man im Urlaub noch vom Besuch eines Fremden bei Einheimischen sprechen, wenn die Hotelangestellten selbst von weit her kommen? Ist die Serbin, die im Winter nach Deutschland reist um zu arbeiten, eine Touristin?

Die Rollen vermischen sich, lautet ein Fazit von Dr. Ramona Lenz, Mitarbeiterin am RUB-Zentrum für Mittelmeerstudien. Sie hat Menschen auf Zypern und Kreta befragt und so die Auswirkungen des EU-Europäischen Grenzregimes untersucht. Ihre Dissertation „Mobilitäten in Europa“ ist jetzt im Buchhandel erhältlich.

Kreta und Zypern: südöstliche Grenze der EU

Für ihre Untersuchung hat Ramona Lenz mit Zypern und Kreta die südöstlichen Grenzen der EU gewählt. Kreta ist als Teil von Griechenland schon seit 1981 in der EU, Zypern erst seit 2004. Beide Inseln sind auch für „Illegale“ Eintrittsort in die EU. Als beliebte Urlaubsziele zieht besonders Kreta nicht nur Touristen an, sondern auch EU-Ausländer und Menschen aus Ländern außerhalb der EU, die hier Arbeit suchen. So begegnen Urlauber im Hotel nicht „Einheimischen“, sondern oft Einwanderern. Diese wiederum fühlen sich mehr oder weniger heimisch und reisen in den Wintermonaten selbst als Touristen in andere Länder – manchmal auch um zu arbeiten. „Von sesshaften Einheimischen und mobilen Fremden zu sprechen ist überholt“, zieht Ramona Lenz Bilanz. Sie hat stattdessen die Wechselbeziehungen von Tourismus und Migration untersucht und dabei die Auswirkungen des Europäischen Grenzregimes mit in den Blick genommen.

Rassismus gegenüber Albanern

Auf Kreta macht sich vor allem ein Rassismus gegenüber Albanern bemerkbar, die seit den 1990er Jahren die größte Migrantengruppe darstellen und häufig im Tourismus arbeiten. Touristen gegenüber geben sich Albaner gelegentlich als Italiener aus, um nicht unter ihrem negativen Image zu leiden. Andere Zuwanderer schließen sich dem Rassismus der Kreter gegenüber den Albanern an, wie etwa ein Deutscher, der sich langfristig auf der Insel niedergelassen hat und die Kreter stark idealisierte, oder sie identifizieren sich mit ihnen, wie zwei Engländer, die sich von den Kretern ausgebeutet fühlen.

Zwei-Klassen-Ausländer

Auf Zypern ist die Situation von der geänderten Rechtslage nach dem EU-Beitritt geprägt. Es ist eine Hierarchie entstanden zwischen EU-Ausländern, die unbegrenztes Aufenthaltsrecht genießen und arbeiten dürfen, und Angehörigen von Drittstaaten. Für sie ist die Arbeitssuche schwieriger, da sie nur dann einen Arbeitsplatz bekommen, wenn sich dafür kein geeigneter EU-Bürger findet. Politik und Gewerkschaften plädieren gegen die Einstellung von Drittstaatenangehörigen, während Arbeitgeber und Nicht-Regierungs-Organisationen für ihre Einstellung werben. „Arbeitgeber schätzen allerdings auch meistens deren Ausbeutbarkeit“, gibt Ramona Lenz zu bedenken.

Titelaufnahme

Ramona Lenz: Mobilitäten in Europa. Migration und Tourismus auf Kreta und Zypern im Kontext des europäischen Grenzregimes. VS Verlag Wiesbaden 2010. ISBN 978-3-531-16967-5

Weitere Informationen

Dr. Ramona Lenz, Zentrum für Mittelmeerstudien der Ruhr-Universität, Konrad-Zuse-Str. 16, 44801 Bochum, Tel. 0234/32-18038, E-Mail: ramona.lenz@rub.de

Redaktion: Meike Drießen

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/

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