Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Teure Flops: Nur 5% der Innovationsideen werden erfolgreich

12.06.2018

Studie zeigt Wege zu mehr Produktivität in Forschung und Entwicklung

Neue Produkte sichern den Unternehmenserfolg von morgen. Folgerichtig investieren Unternehmen Millionen in Forschung und Entwicklung. Doch nur 5% der Ideen setzen sich erfolgreich am Markt durch. Wer an den Bedürfnissen der Kunden vorbei entwickelt oder erfolgversprechende Potenziale ungenutzt lässt, „verschwendet“ knappe Ressourcen: Zeit, Geld und häufig auch „Nerven“ der Fach- und Führungskräfte.


Produktivitätsprobleme in Forschung und Entwicklung

IAI Bochum e.V.

Wie knappe Ressourcen nützlich verwendet werden können, analysierten Wissenschaftler des IAI Bochum in einer vom Bundesforschungsministerium geförderten empirischen Studie bei über 370 technologieorientierten Unternehmen.

Wenn man bedenkt, dass die Forschungs- und Entwicklungsausgaben von global agierenden Unternehmen im Milliardenbereich liegen, ist eine Flopquote von 95% der Neuproduktideen ein ernüchternder Befund. Selbst von den Ideen, die es bis zur Markteinführung schaffen, wird nur jede zweite zum Markterfolg.

Der Markt honoriert nur unzureichend das, wofür Unternehmen riskante Investitionen vornehmen. Hintergründe von „teuren Flops“ sind eine häufig falsch verstandene Kundenorientierung. Die Vermutung, was der Kunde (ge-)brauchen können müsste, ersetzt nicht echte Innenkenntnis der An- und Verwendungsbedingungen der Kunden. In diesem Sinne wird der Faktor „Kunde“ für die Suche nach neuen Innovationsimpulsen aber nur bei einer Minderheit der befragten Unternehmen (38%) einbezogen.

Doch nicht nur der Markt sieht manche Entwicklung skeptisch, sondern die Forscher und Entwickler selbst schätzen das eigene Innovationsportfolio als begrenzt zukunftsfähig ein. Mehr als 75% sind überzeugt, zu wenig aus den Möglichkeiten ihres Unternehmens zu machen. In über 57% der Fälle bemängeln die Befragten die strategische Ausrichtung der eigenen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten. Mit anderen Worten: In der Forschung und Entwicklung besteht durchaus eine hohe Sensibilität, zu wenig für das Geschäft von morgen zu tun und die Ressourcen noch (zu) stark auf den Feldern von heute einzusetzen.

Mehr als zwei Drittel der Befragten meinen, dass dies dem hektischen Tagesgeschäft geschuldet sei und keine Zeit für langfristige Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten aufzubringen ist. 49% der Unternehmen geben etwa an, sich mit zu vielen kurzfristigen kundenorientierten Projekten zu befassen. Doch es ist nicht nur der Druck des Kurzfristigen, der den Raum für Zukunftssicherung einengt, sondern auch finanzielle Ressourcenengpässe schränken die Möglichkeiten ein.

In rund einem Drittel der Fälle wurden in diesem Zusammenhang zu geringe Budgets beklagt. Doch die Ursachen für die strategische Lücke in der Forschung und Entwicklung liegen noch tiefer: Selbst wenn Zeit und Geld verfügbar wären, scheint nicht selten die Orientierung zu fehlen. Etwa ein Drittel der Forschungs- und Entwicklungsexperten sieht eine mangelnde Orientierung als Ursache für unzureichende Zukunftssicherung an.

Doch nicht nur im strategischen, sondern auch im operativen Bereich liegen noch Verbesserungsmöglichkeiten. Dabei reicht das Spektrum von organisatorischen Unzulänglichkeiten bis hin zu personellen Verfügbarkeiten. Wer etwa zu viele Projekte gleichzeitig verfolgt (57%), zu lange auf Entscheidungen warten muss (47%) und dann zu wenige Forscher und Entwickler hat, die eigenverantwortlich anspruchsvolle Projekte bearbeiten können (57%), muss sich über hohe Flopraten nicht wundern. Überlastete Schlüsselpersonen (77%) machen erfolgreiche Innovationsarbeit nicht leichter.

Der Gestaltungsbedarf scheint klar „auf dem Tisch“ zu liegen – doch häufig fehlt die Orientierung, wo anzusetzen ist, um knappe Mittel nützlicher einzusetzen. Die Bochumer Innovationsforscher haben hierfür Lösungswege ausgearbeitet. Entgegen gängiger Moden ist dabei aber nicht nur eine Steigerung von Effizienz das Ziel. Die Professoren Kriegesmann und Kerka, wissenschaftliche Leiter der Studie, warnen vor einer einseitigen Ausrichtung auf kurzfristige Ziele: „Denn sonst besteht die Gefahr, hocheffizient das Falsche zu machen und Zukunftsfelder zu übersehen!“

Die Studie „FuE-Management: Mehr aus knappen Innovationsressourcen machen“ (ISBN 978-3-928854-39-9) ist über das IAI Bochum zum Preis von 39 Euro zu beziehen.

Kontakt:
Institut für angewandte Innovationsforschung (IAI) e.V. an der Ruhr-Universität Bochum,
Buscheyplatz 13, 44801 Bochum, 0234/97117-0, info@iai-bochum.de,
www.iai-bochum.de, www.refo-projekt.de

Angelika Schröer-Siebenhaar | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Studie zur tiefen Hirnstimulation bei Parkinson-Erkrankung als Meilenstein der Therapie
29.05.2020 | Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

nachricht »Grüner« Wasserstoff oder »grüner« Strom für die Gebäudewärme?
29.05.2020 | Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Magnetische Kristallschichten für den Computer von Morgen

Ist die Elektronik, so wie wir sie kennen, am Ende?

Der Einsatz moderner elektronischer Schaltkreise für immer leistungsfähigere Rechentechnik und mobile Endgeräte stößt durch die zunehmende Miniaturisierung in...

Im Focus: K-State study reveals asymmetry in spin directions of galaxies

Research also suggests the early universe could have been spinning

An analysis of more than 200,000 spiral galaxies has revealed unexpected links between spin directions of galaxies, and the structure formed by these links...

Im Focus: Neue Messung verschärft altes Problem

Seit Jahrzehnten rätseln Astrophysiker über zwei markante Röntgen-Emissionslinien von hochgeladenem Eisen: ihr gemessenes Helligkeitsverhältnis stimmt nicht mit dem berechneten überein. Das beeinträchtigt die Bestimmung der Temperatur und Dichte von Plasmen. Neue sorgfältige, hoch-präzise Messungen und Berechnungen mit modernsten Methoden schließen nun alle bisher vorgeschlagenen Erklärungen für diese Diskrepanz aus und verschärfen damit das Problem.

Heiße astrophysikalische Plasmen erfüllen den intergalaktischen Raum und leuchten hell in Sternatmosphären, aktiven Galaxienkernen und Supernova-Überresten....

Im Focus: New measurement exacerbates old problem

Two prominent X-ray emission lines of highly charged iron have puzzled astrophysicists for decades: their measured and calculated brightness ratios always disagree. This hinders good determinations of plasma temperatures and densities. New, careful high-precision measurements, together with top-level calculations now exclude all hitherto proposed explanations for this discrepancy, and thus deepen the problem.

Hot astrophysical plasmas fill the intergalactic space, and brightly shine in stellar coronae, active galactic nuclei, and supernova remnants. They contain...

Im Focus: Neuartiges Covid-19-Schnelltestverfahren auf Basis innovativer DNA-Polymerasen entwickelt

Eine Forschungskooperation der Universität Konstanz unter Federführung von Professor Dr. Christof Hauck (Fachbereich Biologie) mit Beteiligung des Klinikum Konstanz, eines Konstanzer Diagnostiklabors und des Konstanzer Unternehmens myPOLS Biotec, einer Ausgründung aus der Arbeitsgruppe für Organische Chemie / Zelluläre Chemie der Universität Konstanz, hat ein neuartiges Covid-19-Schnelltestverfahren entwickelt. Dieser Test ermöglicht es, Ergebnisse in der Hälfte der Zeit zu ermitteln – im Vergleich zur klassischen Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR).

Die frühe Identifikation von Patienten, die mit dem neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) infiziert sind, ist zentrale Voraussetzung bei der globalen Bewältigung...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Gebäudewärme mit "grünem" Wasserstoff oder "grünem" Strom?

26.05.2020 | Veranstaltungen

Dresden Nexus Conference 2020 - Gleicher Termin, virtuelles Format, Anmeldung geöffnet

19.05.2020 | Veranstaltungen

Urban Transport Conference 2020 in digitaler Form

18.05.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Magnetische Kristallschichten für den Computer von Morgen

03.06.2020 | Informationstechnologie

Wundheilung detailliert aufgeschlüsselt

03.06.2020 | Biowissenschaften Chemie

Ein einzelnes Gen bestimmt das Geschlecht von Pappeln

03.06.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics