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Studie gestartet: Schutz der Nerven durch medikamentöse Prophylaxe bei der Operation von Vestibularisschwannomen (Akustikusneuri

25.03.2010
Im Rahmen einer Multicenter-Studie mit dem Studienzentrum an der Neurochirurgischen Universitätsklinik Halle (Saale) wird der Nutzen einer prophylaktischen medikamentösen Therapie für den Funktionserhalt des Hör- und Gesichtsnerven bei der Operation von Vestibularisschwannomen untersucht. Unterstützt wird das Projekt vom TRM Leipzig, dem Roux-Programm der Universität Halle-Wittenberg und dem Koordinierungszentrum für Klinische Studien Halle. Das Vestibularisschwannom ist der häufigste infratentorielle Hirntumor bei Erwachsenen. Die Inzidenz (Neuerkrankungen pro Jahr) beträgt etwa 1 von 100.000 Erwachsenen. Diese Diagnose ist für die Betroffenen oft ein schwerer Schlag. Bei der Behandlung dieses gutartigen Tumors sind der motorische Gesichts- und der Hörnerv gefährdet.

Dabei steht besonders der Nervus facialis im Mittelpunkt des Interesses, da eine intakte mimische Muskulatur über die soziale Integration des betroffenen Patienten entscheidet. Der Erhalt der Hör- und Facialisfunktion bei der Resektion des Vestibularisschwannom ist unter anderem von der Tumorgröße abhängig (bei einer Tumorgröße unter einem Zentimeter: Erhalt des Hörvermögens in 57 Prozent, Erhalt der Funktion des N. facialis in 95 bis 100 Prozent, bei einer Tumorgröße von ein bis zwei Zentimeter: Erhalt des Hörvermögens in 33%, Erhalt der Funktion des N. facialis in 80 bis 92 Prozent, bei einer Tumorgröße über zwei Zentimeter: Erhalt des Hörvermögens in sechs Prozent, Erhalt der Funktion des N. facialis in 50 bis 76 Prozent (Greenberg M: Handbook of Neurosurgery. Lakeland, Florida: Greenberg Graphics, 2006, page 437).

Bisher existiert in der Neurochirurgie über die Gabe von Dexamethason hinaus keine medikamentöse Neuroprotektion (Schutz der Nerven). Prof. Dr. med. Christian Strauss und Dr. med. Christian Scheller (Universitätsklinik und Poliklinik für Neurochirurgie Halle) haben eine prophylaktische Medikamentengabe entwickelt, bei der am Tag vor der Operation Nimodipin und ein Plasmaexpander bis zum siebten postoperativen Tag intravenös verabreicht werden. Nimodipin ist ein Medikament, das routinemäßig seit über 20 Jahren in der Neurochirurgie bei bestimmten Formen der Hirnblutung eingesetzt wird und mit dem große Erfahrungen vorliegen. Es erweitert die Blutgefäße und fördert so die Durchblutung. Darüber hinaus gibt es Hinweise auf die Erhöhung der Widerstandsfähigkeit des Nervengewebes gegenüber mechanischen und anderen perioperativen Einwirkungen aus mehreren Studien. Nebenwirkungen sind bei beiden Medikamenten in der Regel nur im Rahmen des bereits dokumentierten Nebenwirkungsspektrums zu erwarten, da es sich um häufig verwendete und verträgliche Wirkstoffe mit einem über Jahrzehnte dokumentierten Nebenwirkungsprofil handelt. Bleibende Schäden wurden bislang nicht beobachtet.

Neben tierexperimentellen Belegen konnte in klinischen Untersuchungen, sowie einer Pilot-Studie der positive Effekt dieser Behandlung auf den Funktionserhalt und die Regeneration des Gesichts- und Hörnervens bereits nachgewiesen werden. Die ersten Patienten der hier vorgestellten Multicenter-Studie wurden bereits im Januar 2010 eingeschlossen. Insgesamt sollen 112 Patienten rekrutiert werden. Fünf weitere Neurochirurgische Universitätskliniken (Erlangen, Göttingen, Tübingen, Ulm/ Günzburg und Würzburg) beteiligen sich an dieser Studie. Es ist geplant, die erforderliche Patientenzahl bis Ende 2011 zu erreichen. Ziel ist es, den prophylaktischen Einsatz von Nimodipin und HAES bei der Operation von Vestibularisschwannom als Standard zu etablieren, um die Langzeitergebnisse der Nervenfunktionen nach derartigen Operationen zu verbessern.

Translationszentrum für Regenerative Medizin (TRM)
Universität Leipzig
Pressestelle
Manuela Lißina-Krause
Tel.: 0341-9739634
Fax: 0341-9739609
E-Mail: Presse@trm.uni-leipzig.de
Hintergrund: Über das Translationszentrum für Regenerative Medizin der Universität Leipzig

Das Translationszentrum für Regenerative Medizin (TRM) Leipzig unterstützt junge Forschende mit eigenen Vorhaben, die Produkte und Verfahren für Diagnostik und Therapie entwickeln und erfolgreich in die klinische Anwendung bringen wollen. Das Zentrum fördert darüber hinaus gesellschaftswissenschaftliche Fragestellungen in Fächern wie Recht und Ethik, die Rahmenbedingungen der Biomedizin untersuchen. Das TRM Leipzig wurde im Oktober 2006 gegründet und wird durch das Bundes-ministerium für Bildung und Forschung, den Freistaat Sachsen und die Universität Leipzig gefördert.

Jens Müller
Unternehmenskommunikation
Leiter und Pressesprecher
Universitätsklinikum Halle (Saale)
Medizinische Fakultät der
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Ernst-Grube-Str. 40
06120 Halle (Saale)
Tel: (0345) 557-1032
Fax: (0345) 557-5749

Jens Müller | Universitätsklinikum Halle (Saal

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