Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stahlrecycling trägt zur Sicherung der Stahlproduktion in Deutschland bei

03.11.2016

Die Stahlrecyclingbranche ist ein bedeutender Akteur in der Wertschöpfungskette der Stahlindustrie und wird in Zukunft immer wichtiger. Das belegt eine Studie von Fraunhofer UMSICHT im Auftrag der Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen e.V. (BDSV). Die Forscher sprechen von einem »symbiotischen Verhältnis« von Stahlproduzenten und Stahlrecyclingunternehmen.

Nach einer Untersuchung des Forschungsinstituts Fraunhofer UMSICHT im Auftrag der BDSV leistet die deutsche Stahlrecyclingwirtschaft einen maßgeblichen Beitrag zum Fortbestand der deutschen Stahlindustrie. In der ersten umfassenden wissenschaftlichen Studie über die Rolle des Stahlrecyclings, welche sich im Detail mit den technischen, ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Faktoren von Stahl- und Edelstahlschrott befasst, untersuchten die Forscher die Bedeutung der Stahlrecyclingunternehmen in Deutschland. Ergebnis:


Stahl- und Edelstahlschrott sind eine wichtige Säule der Rohstoffversorgung der heimischen Stahlproduktion.

Fraunhofer UMSICHT/Jochen Nühlen


Wettbewerbsvorteil für die deutsche Stahlindustrie.

Fraunhofer UMSICHT/Jochen Nühlen

Die Stahlrecyclingbranche ist der zentrale Dienstleister in der Wertschöpfungskette der Stahlindustrie und nimmt in Zukunft eine noch wichtigere Rolle bei der Entwicklung der zirkulären Wirtschaft ein.

Als einen wesentlichen Grund nennen die Experten von Fraunhofer UMSICHT, dass der derzeitige und künftige Rohstoffbedarf der deutschen Stahlindustrie allein aus Primärmaterial nicht zu decken ist. Markus Hiebel, Leiter der Abteilung Nachhaltigkeits- und Ressourcenmanagement bei Fraunhofer UMSICHT:

»Die Unternehmen der Stahlrecyclingwirtschaft sind es, die die Sekundärrohstoffe erfassen und qualitativ so aufbereiten, dass das Material von den Stahlproduzenten überhaupt wiedereingesetzt werden kann.« Zudem würden das Know-how und die Qualitätssicherung der Stahlrecyclingwirtschaft wegen zunehmend komplexerer Produktzusammensetzungen und Stoffströme immer wichtiger.

Symbiotisches Verhältnis

Die Forscher sprechen daher in ihrer Studie von einem »symbiotischen Verhältnis« von Stahlproduzenten und Stahlrecyclingunternehmen. Nicht nur im Edelstahlbereich habe die Stahlrecyclingbranche eine ausgefeilte Analytik und innovative Techniken entwickelt, um den steigenden Qualitätsstandards der Stahlwerke gerecht zu werden.

Andreas Schwenter, Präsident der BDSV: »Die Studie zeigt eindrücklich, dass Stahl- und Edelstahlschrott in der Öffentlichkeit zu Unrecht als Rohstoff zweiter Klasse bzw. als wertlos abqualifiziert wird. Schrott ist erstens nicht gleich Schrott und zweitens in den unterschiedlichsten Qualitäten in unserer gesamten Infrastruktur enthalten. Stichwort: Urban Mining.«

»Schrott ist auch heute ein unverzichtbarer Sekundärrohstoff für die Produktion von hoch innovativen Stahlprodukten, sowohl national als auch International«, so Dr. Hiebel von Fraunhofer UMSICHT.

Intelligent gesteuertes Sekundärmaterial

Der Studie zufolge kann intelligent gesteuertes Sekundärmaterial ohne Qualitätsverlust und immer wieder in der Stahl- und Edelstahlproduktion u. a. für die Bereiche Bau, Automobil, Energietechnik sowie in der Luft- und Raumfahrttechnik eingesetzt werden. Durch Fortschritte in der Werkstofftechnik können aus ausgedienten Stahlprodukten im Zeitverlauf sogar Werkstoffe mit besseren Eigenschaften hergestellt werden.

Zudem macht der Schrotteinsatz deutsche Stahlprodukte deutlich klimafreundlicher als im Ausland produzierte Stähle und spart Energie. Nicht zuletzt sorgt der Einsatz von Schrott als Sekundärrohstoff in der Stahlproduktion dafür, dass weniger Primärrohstoffe und Stahlprodukte, die zum Teil unter fragwürdigen Bedingungen gefördert und produziert, nach Deutschland importiert werden.

Auch in der Hochofenroute wurden in den letzten Jahren enorme Fortschritte bei der CO2-Minderung erzielt. Die Studie zeigt jedoch, dass die Produktion von 12,6 Mio. Tonnen Rohstahl auf Basis des Sekundärrohstoffs Stahlschrott über die Elektrostahlroute dazu beiträgt, in Deutschland rund 17 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr einzusparen, im Vergleich zu einer Rohstahlproduktion, die rein auf Basis von Primärrohstoffen stattfinden würde.

Zusammengefasst belegt die wissenschaftliche Studie, dass Stahl- und Edelstahlschrott eine wichtige Säule der Rohstoffversorgung der heimischen Stahlproduktion sind und dessen qualitätsgesicherte Bereitstellung eine zirkuläre Wirtschaft erst ermöglicht. So kann durch die intensive Schrottnutzung in Deutschland ein dringend nötiger Wettbewerbsvorteil für die deutsche Stahlindustrie insbesondere gegenüber den asiatischen Playern erreicht werden. Denn in China sind Schrott und das diesbezügliche Know-how noch knapp.

Weitere Informationen:

https://www.umsicht.fraunhofer.de/de/presse-medien/2016/studie-stahlrecycling.ht... Pressemitteilung
https://www.umsicht.fraunhofer.de/de/forschung/bereiche/produkte/nachhaltigkeits... Abteilung Nachhaltigkeits- und Ressourcenmanagement

Dipl.-Chem. Iris Kumpmann | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Massenverlust des Antarktischen Eisschilds hat sich beschleunigt
14.06.2018 | Technische Universität Dresden

nachricht Teure Flops: Nur 5% der Innovationsideen werden erfolgreich
12.06.2018 | Institut für angewandte Innovationsforschung e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics