Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schwankungen sorgen für Stabilität - Weltweit Degradation von Weideflächen untersucht

10.05.2012
Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstitutes in Görlitz haben in einer weltweiten Studie die Degradation von Weideflächen untersucht. Die Ergebnisse helfen, beweidungsbedingte Degradation besser zu verstehen und die Nutzung der Weideflächen langfristiger zu planen. Die Studie ist kürzlich im Fachjournal „Ecological Applications“ erschienen.

Mehr als 30 Prozent der terrestrischen Erdoberfläche wird durch Grasland und Wüste bedeckt. Diese Flächen sind für den Ackerbau ungeeignet und werden daher überwiegend als Weidegebiet genutzt. Doch mit zunehmendem Bevölkerungsdruck nimmt weltweit auch die Überweidung und Degradation (die Verschlechterung bestimmter Weideland-Eigenschaften) zu. Dies gefährdet nicht nur die lokale Biodiversität und die Böden, sondern auch die Lebens- und Nahrungsgrundlage großer Bevölkerungsgruppen.


In Trockenräumen gibt es oft nur in regenreichen Jahren hinreichend Futter, um größere Herden zu ernähren. © Senckenberg


In Trockengebieten mit hochvariablen Niederschlägen wechseln sich Trocken- und Feuchtphasen ab, nur in letzterem wächst wie hier gezeigt genug Futter für Nutztiere. © Senckenberg

Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstitutes in Görlitz haben nun gemeinsam mit der Leuphana Universität Lüneburg und weiteren Kooperationspartnern nach den Gründen für die Degradation von Weideflächen gesucht. Dabei fanden die Forscher heraus, dass gerade in Trockenregionen Überweidung eher selten zu sein scheint. „Wir glauben, dass Niederschlagsschwankungen in Trockengebieten einer der Hauptgründe für die relative langfristige Stabilität dieser Ökosysteme sind,“ erklärt PD Dr. Karsten Wesche, Leiter der Abteilung Botanik in Görlitz.

Was erst einmal paradox klingt, ist Ergebnis einer umfassenden weltweiten Studie. Das Forscherteam hatte Daten von mehr als 19.000 Klimastationen aus der ganzen Welt zusammengetragen, um eine globale Karte der Variabilität des jeweiligen Jahresniederschlags zu erstellen.

„Ein häufiger Grund für die Degradation ist die Überweidung des Landes. Deshalb haben wir mit Hilfe der von uns erstellten Karte 58 Studien zu Beweidungseffekten aus der ganzen Welt gezielt darauf hin ausgewertet, ob beweidungsbedingte Degradation auch in Trockengebieten häufig auftritt“, erläutert Junior-Professor Henrik von Wehrden von der Leuphana Universität Lüneburg.

Es zeigte sich, dass Trockengebiete, die stark schwankende Niederschläge aufweisen, in der Regel keine Hinweise auf Degradation zeigen. Räume mit regelmäßigen Regenfällen leiden dagegen häufiger unter zu starker Beweidung.

Den Hauptgrund für dieses Phänomen sieht das Wissenschaftlerteam in häufigen Dürren, die in Trockengebieten immer wieder zu Verlusten von Weidetieren führen. Dadurch wird der Viehbestand so gering gehalten, dass die Tiere keine Degradation verursachen. In Systemen mit gleichmäßigem Niederschlag fehlen diese Dürre-Episoden. Die Beweidung ist kontinuierlich hoch und die Fläche wird daher langfristig degradiert.

„Unsere Studie belegt eindeutig, dass einige Trockengebiete, beispielsweise die südliche Mongolei, starken Niederschlagsschwankungen unterworfen sind. Die direkten Auswirkungen der Dürren auf die Pflanzendecke sind eher gering, aber das Weidevieh stirbt während dieser Extremereignisse“, fasst Wesche zusammen. Er fährt fort: „Die mongolischen Nomaden kennen und fürchten die Dürrekatastrophen, da sie immer wieder Vieh verlieren. Aus Sicht des Weidemanagements sind die Dürren aber günstig, denn sie verhindern, dass die Viehzahlen langfristig über ein für Vegetation und Boden verträgliches Maß hinaus steigen!“

Kontakt
Karsten Wesche
Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz
Abteilung Botanik
Tel.: 03581 4760 5300
karsten.wesche@senckenberg.de
Prof. Dr. Henrik von Wehrden
Leuphana Universität Lüneburg
Methodenzentrum und Institut für Ökologie
Tel.: 04131-677-1571 oder 0172 - 9033251
Henrik.von_Wehrden@leuphana.de
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Judith Jördens
Tel. 069- 7542 1434
Fax 069- 75421517
judith.joerdens@senckenberg.de
Die Erforschung von Lebensformen in ihrer Vielfalt und ihren Ökosystemen, Klimaforschung und Geologie, die Suche nach vergangenem Leben und letztlich das Verständnis des gesamten Systems Erde-Leben – dafür arbeitet die SENCKENBERG Gesellschaft für Naturforschung. Ausstellungen und Museen sind die Schaufenster der Naturforschung, durch die Senckenberg aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse mit den Menschen teilt und Einblick in vergangene Zeitalter sowie die Vielfalt der Natur vermittelt.

Judith Jördens | Senckenberg
Weitere Informationen:
http://www.senckenberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Laterale Hemmung hält ähnliche Erinnerungen auseinander
02.11.2018 | Institute of Science and Technology Austria

nachricht Wenn das Smartphone zur Schuldenfalle wird
15.10.2018 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Gold Krankheiten aufspüren

Röntgenfluoreszenz könnte neue Diagnosemöglichkeiten in der Medizin eröffnen

Ein Präzisions-Röntgenverfahren soll Krebs früher erkennen sowie die Entwicklung und Kontrolle von Medikamenten verbessern können. Wie ein Forschungsteam unter...

Im Focus: Ein Chip mit echten Blutgefäßen

An der TU Wien wurden Bio-Chips entwickelt, in denen man Gewebe herstellen und untersuchen kann. Die Stoffzufuhr lässt sich dabei sehr präzise dosieren.

Menschliche Zellen in der Petrischale zu vermehren, ist heute keine große Herausforderung mehr. Künstliches Gewebe herzustellen, durchzogen von feinen...

Im Focus: A Chip with Blood Vessels

Biochips have been developed at TU Wien (Vienna), on which tissue can be produced and examined. This allows supplying the tissue with different substances in a very controlled way.

Cultivating human cells in the Petri dish is not a big challenge today. Producing artificial tissue, however, permeated by fine blood vessels, is a much more...

Im Focus: Optimierung von Legierungswerkstoffen: Diffusionsvorgänge in Nanoteilchen entschlüsselt

Ein Forschungsteam der TU Graz entdeckt atomar ablaufende Prozesse, die neue Ansätze zur Verbesserung von Materialeigenschaften liefern.

Aluminiumlegierungen verfügen über einzigartige Materialeigenschaften und sind unverzichtbare Werkstoffe im Flugzeugbau sowie in der Weltraumtechnik.

Im Focus: Graphen auf dem Weg zur Supraleitung

Doppelschichten aus Graphen haben eine Eigenschaft, die ihnen erlauben könnte, Strom völlig widerstandslos zu leiten. Dies zeigt nun eine Arbeit an BESSY II. Ein Team hat dafür die Bandstruktur dieser Proben mit extrem hoher Präzision ausgemessen und an einer überraschenden Stelle einen flachen Bereich entdeckt. Möglich wurde dies durch die extrem hohe Auflösung des ARPES-Instruments an BESSY II.

Aus reinem Kohlenstoff bestehen so unterschiedliche Materialien wie Diamant, Graphit oder Graphen. In Graphen bilden die Kohlenstoffatome ein zweidimensionales...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Können Roboter im Alter Spaß machen?

14.11.2018 | Veranstaltungen

Tagung informiert über künstliche Intelligenz

13.11.2018 | Veranstaltungen

Wer rechnet schneller? Algorithmen und ihre gesellschaftliche Überwachung

12.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Automatisierte Klebfilmablage und Stringerintegration für den Flugzeugbau

14.11.2018 | Materialwissenschaften

Wie Algen und Kohlefasern die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre nachhaltig senken könnten

14.11.2018 | Biowissenschaften Chemie

Was das Meer zur Klimaregulierung beiträgt: Neue Erkenntnisse helfen bei der Berechnung

14.11.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics