Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krise hält Europas Banken im Griff - Problemkredite erreichen Billionenmarke

15.08.2012
PwC-Studie: Volumen der "Non Performing Loans" hat sich von 2008 bis 2011 mehr als verdoppelt / Starker Anstieg in Euro-Krisenstaaten / Verkauf von Kreditportfolien in Deutschland bleibt schleppend

Das Volumen notleidender Kredite in den Bilanzen europäischer Kreditinstitute ist 2011 auf über eine Billion Euro gestiegen. Nach Berechnungen der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC standen Ende vergangenen Jahres "Non Performing Loans" im Nominalwert von rund 1,05 Billionen Euro in den Büchern, fast neun Prozent mehr als 2010. Im Krisenjahr 2008 lag das Volumen der Problemkredite noch bei gut 500 Milliarden Euro.

Zurückzuführen ist der Anstieg von 2011 maßgeblich auf die Zunahme problematischer Kredite in den Krisenstaaten Spanien und Griechenland, aber auch in Italien. So stieg der Nominalwert der Verbindlichkeiten, die von Gläubigern nicht mehr fristgerecht getilgt werden konnten, in Spanien um 23 Prozent auf 136 Milliarden Euro, in Italien um 37 Prozent auf 107 Milliarden Euro und in Griechenland sogar um fast 50 Prozent auf 40 Milliarden Euro. Vergleichsweise moderat verlief demgegenüber die Entwicklung in Irland und Portugal (vgl. Tabelle).

"Die schlechte wirtschaftliche Entwicklung in Südeuropa hat im vergangenen Jahr erwartungsgemäß zu mehr Zahlungsausfällen von Kreditschuldnern geführt. Zwar ist das Volumen der 'Non Performing Loans' in 2011 nicht mehr so stark gestiegen wie in den Vorjahren, von einer Trendwende ist der Finanzsektor jedoch angesichts der erneut verschlechterten Konjunkturperspektiven für 2012 noch weit entfernt", kommentiert Markus Burghardt, Mitglied des Vorstands und Leiter des Bereichs Financial Services bei PwC.

Auch die deutschen Banken konnten ihren Bestand an Problemkrediten trotz der vergleichsweise guten Wirtschaftsentwicklung im vergangenen Jahr nicht abbauen.

Banken finden wenige Käufer für Kreditportfolien

Die Bereinigung der Bankbilanzen verläuft allerdings auch deswegen schleppend, weil die Institute nach wie vor nur wenige Käufer für ihre Kreditportfolien finden. Zwar trennten sich die Kreditinstitute im vergangenen Jahr von Randaktivitäten ("Non Core Assets") und "Non Performing Loans" im Volumen von 36 Milliarden Euro und allein im ersten Halbjahr 2012 von weiteren 27 Milliarden Euro. Der deutliche Anstieg gegenüber dem Transaktionsvolumen in Höhe von 11 Milliarden Euro in 2010 relativiert sich allerdings vor dem Hintergrund der insgesamt zur Disposition stehenden Kreditportfolien: Nach Schätzungen der PwC-Experten müssen zu den notleidenden Krediten von gut einer Billion Euro zudem Kredite über weitere 1,5 Billionen Euro addiert werden, die Banken als "Non Core Assets" eingestuft haben.

In Deutschland gab es 2011 nur wenige Verkäufe von "Non Core Assets". Die bekannt gewordenen Transaktionen hatten ein Volumen von knapp 140 Millionen Euro bis rund 1,3 Milliarden Euro. Auf der Käuferseite standen in der Regel Private-Equity-Fonds bzw. auf Problemkredite spezialisierte Investoren.

"Internationale Finanzinvestoren sind in ausgewählten europäischen Ländern sehr aktiv. Hierzu zählen insbesondere Spanien und UK/Irland. Deutsche Kreditinstitute sollten sich durch gezielte Vorbereitung auf Verkäufe, die auch die Interessen dieser internationalen Investoren berücksichtigen, die Chance auf einen Teil der enormen Finanzmittel sichern. Damit könnte eine Wiederbelebung des Marktes für 'Non Performing Loans' in Deutschland erreicht werden, so wie wir es in den Jahren 2004 bis 2007 gesehen haben", meint Christopher Sur, Partner und Leiter des Bereichs Financial Services Transactions Services.

TABELLE: Volumen der "Non Performing Loans" in ausgewählten europäischen Staaten, in Mrd. Euro (Nominalwert)

Staaten: 2010 - 2011

Deutschland 196 - 196
Vereinigtes Königreich 172 - 172
Spanien 111 - 136
Irland 109 - 119
Italien 78 - 107
Griechenland 27 - 40
Portugal 10 - 12
Europa (inkl. Russland, Ukraine und Türkei) 965 - 1.048
Weitere Informationen sowie die PwC-Studie "European Outlook for non core and non performing loan portfolios" erhalten Sie unter:

www.pwc.de/npl-2012

Über PwC:

PwC bietet branchenspezifische Dienstleistungen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung und Unternehmensberatung. Mehr als

161.000 Mitarbeiter in 154 Ländern entwickeln in unserem internationalen Netzwerk mit ihren Ideen, ihrer Erfahrung und ihrer Expertise neue Perspektiven und praxisnahe Lösungen. In Deutschland erzielt PwC an 28 Standorten mit rund 9.500 Mitarbeitern eine Gesamtleistung von rund 1,45 Milliarden Euro.

Pressekontakt:
Claudia Barbe
PwC Presse
Tel.: (069) 95 85 - 3179
E-Mail: claudia.barbe@de.pwc.com

Claudia Barbe | PwC Presse
Weitere Informationen:
http://www.pwc.de/npl-2012
http://www.pwc.de/presse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie „Digital Gender Gap“
06.01.2020 | Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e. V.

nachricht Studie zeigt, wie Immunzellen Krankheitserreger einfangen
03.01.2020 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Loopings der Bakterien: Forschungsteam mit Beteiligung der Universität Göttingen analysiert Fortbewegung

Das magnetotaktische Bakterium Magnetococcus marinus schwimmt mit Hilfe von zwei Bündeln von Geißeln. Außerdem besitzen die Bakterienzellen eine Art intrazelluläre Kompassnadel und können daher mit einem Magnetfeld gesteuert werden. Sie werden deshalb als biologisches Modell für Mikroroboter benutzt. Ein internationales Team der Universität Göttingen, des Max-Planck-Instituts für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam und der CEA Cadarache (Frankreich) hat nun aufgeklärt, wie sich diese Bakterien bewegen und deren Schwimmgeschwindigkeit bestimmt. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift eLife erschienen.

Die Forscherinnen und Forscher nutzten eine Kombination von neuen experimentellen Methoden und Computersimulationen: Sie verfolgten die Bewegung der...

Im Focus: Ultraschnelles Schalten eines optischen Bits: Gewinn für die Informationsverarbeitung

Wissenschaftler der Universität Paderborn und der TU Dortmund veröffentlichen Ergebnisse in Nature Communications

Computer speichern Informationen in Form eines Binärcodes, einer Reihe aus Einsen und Nullen – sogenannten Bits. In der Praxis werden dafür komplexe...

Im Focus: Fraunhofer IOSB-AST und DRK Wasserrettungsdienst entwickeln den weltweit ersten Wasserrettungsroboter

Künstliche Intelligenz und autonome Mobilität sollen dem Strukturwandel in Thüringen und Sachsen-Anhalt neue Impulse verleihen. Mit diesem Ziel fördert das Bundeswirtschaftsministerium ab sofort ein innovatives Projekt in Halle (Saale) und Ilmenau.

Der Wasserrettungsdienst Halle (Saale) und das Fraunhofer Institut für Optronik,
Systemtechnik und Bildauswertung, Institutsteil Angewandte Systemtechnik...

Im Focus: A step towards controlling spin-dependent petahertz electronics by material defects

The operational speed of semiconductors in various electronic and optoelectronic devices is limited to several gigahertz (a billion oscillations per second). This constrains the upper limit of the operational speed of computing. Now researchers from the Max Planck Institute for the Structure and Dynamics of Matter in Hamburg, Germany, and the Indian Institute of Technology in Bombay have explained how these processes can be sped up through the use of light waves and defected solid materials.

Light waves perform several hundred trillion oscillations per second. Hence, it is natural to envision employing light oscillations to drive the electronic...

Im Focus: Haben ein Auge für Farben: druckbare Lichtsensoren

Kameras, Lichtschranken und Bewegungsmelder verbindet eines: Sie arbeiten mit Lichtsensoren, die schon jetzt bei vielen Anwendungen nicht mehr wegzudenken sind. Zukünftig könnten diese Sensoren auch bei der Telekommunikation eine wichtige Rolle spielen, indem sie die Datenübertragung mittels Licht ermöglichen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) am InnovationLab in Heidelberg ist hier ein entscheidender Entwicklungsschritt gelungen: druckbare Lichtsensoren, die Farben sehen können. Die Ergebnisse veröffentlichten sie jetzt in der Zeitschrift Advanced Materials (DOI: 10.1002/adma.201908258).

Neue Technologien werden die Nachfrage nach optischen Sensoren für eine Vielzahl von Anwendungen erhöhen, darunter auch die Kommunikation mithilfe von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leopoldina-Symposium: „Mission – Innovation“ 2020

21.02.2020 | Veranstaltungen

Gemeinsam auf kleinem Raum - Mikrowohnen

19.02.2020 | Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage am 14. und 15. März 2020: „Mach es einfach!“

12.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Schiffsexpedition bringt Licht ins Innere der Erde

24.02.2020 | Geowissenschaften

Elektronenbeugung zeigt winzige Kristalle in neuem Licht

24.02.2020 | Biowissenschaften Chemie

Antikörper als Therapiealternative bei Tumoren am Hör- und Gleichgewichtsnerv?

24.02.2020 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics