Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gesundheit in Ost und West im Vergleich: SHIP-Studie liefert Basis für neue Therapien

09.10.2013
Mecklenburg-Vorpommern ist in Deutschland die Region mit der geringsten Lebenserwartung, denn hier leben auch die meisten Menschen mit Übergewicht, Diabetes mellitus und Bluthochdruck.

Dies zeigt das mit rund 8700 Teilnehmern weltweit größte Untersuchungsprojekt seiner Art, die Greifswalder „SHIP-Studie“. Die Ergebnisse erlauben es auch, Zusammenhänge zwischen Risikofaktoren und Krankheiten zu verstehen und Krankheitsverläufe individuell besser einschätzen zu können.

Denn je mehr Ärzte über einen Patienten und seine Krankheit wissen, desto gezielter können sie therapieren. „Companion Diagnostics“ nennen sich Tests, die Vorhersagen über den Erfolg einer Therapie zulassen.

Sie waren Thema des heutigen Herbstsymposiums der Korporativen Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM). Dort stellten Forscher auch die SHIP-Studie vor und diskutierten, wie sich Wissen zur therapieleitenden Diagnostik aus Bevölkerungsstudien gewinnen lässt.

Die Study of Health in Pomerania (SHIP) wurde in den 90er Jahren ins Leben gerufen, um die im bundesweiten Vergleich auffallend niedrige Lebenserwartung im Nordosten Deutschlands zu erklären. „Es bestand der Verdacht, dass in der dortigen Bevölkerung Risikofaktoren für wichtige Erkrankungen besonders häufig auftreten“, beschreibt Privatdozent Dr. rer. med. habil. Dr. phil. Carsten Oliver Schmidt vom Institut für Community Medicine an der Universitätsmedizin Greifswald.

Schon die in „SHIP-0“ zwischen 1997 und 2001 durchgeführte Eingangsuntersuchung bestätigte die Annahme: Einwohner dieser Region haben ein besonders hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, erläutert Schmidt: „Die Häufigkeit von Fettleibigkeit, Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes liegt hier über dem Bundesdurchschnitt“. Bei Gallensteinen belege Vorpommern sogar weltweit eine Spitzenposition.

Seit der Basisuntersuchung an 4308 Erwachsenen führten die Forscher von 2002 bis 2006 und von 2007 bis 2012 zwei Nachuntersuchungen durch. Zudem gewannen Sie zusätzlich 4422 Teilnehmer. Mittlerweile ist das Untersuchungsprogramm das umfassendste dieser Art weltweit. SHIP schließt alle häufigen, bevölkerungsrelevanten Erkrankungen ein. Die Untersuchungen umfassen nicht nur ein Interview und einfache Tests von Herzschlag, Blutdruck und Blutzucker. Auch eine zahnärztliche Befundung gehört dazu, Ultraschalluntersuchungen von Leber, Schilddrüse und Halsschlagadern, Herz-Lungen Funktionstests, eine Hautanalyse, ein 3D-Body-des Körpers und Messungen der Gefäßfunktion. Einige Teilnehmer verbringen zudem eine Nacht im Schlaflabor. „SHIP“ ist zudem die erste Bevölkerungsstudie, die eine Ganzkörperuntersuchung im Kernspintomografen einschließt“, sagt Dr. Schmidt.

Die Ergebnisse seien für zukünftige Forschungsprojekte und gezielte Therapieansätze sehr interessant, meint Professor Ulrich R. Fölsch, Generalsekretär der DGIM, aus Kiel. Blutproben, Urin, Speichel und Schleimhautabstriche der Teilnehmer der SHIP-Studie werden gesammelt und in Biobanken archiviert. „Die Informationen in all diesen Proben könnten auch für die „Companion Diagnostics“ genutzt werden“, sagt Fölsch, indem Forscher untersuchten, wie sich von der Norm abweichende Werte langfristig auf die Gesundheit auswirken. „Schon jetzt wurden in SHIP für zahlreiche Biomarker Normwerte für die Bevölkerung ermittelt, die zu einer verbesserten Diagnostik beitragen können“, meint Schmidt. 2014 beginnt die nächste umfassende Nachfolgeerhebung, die weitere Erkenntnisse zum Zusammenspiel zwischen Risikofaktoren und Erkrankungen verspricht. Geplant sind auch internationale Anschluss-Projekte: Im Jahr 2014 startet eine erste Schwesterstudie in Blumenau, Brasilien.

Welche Ansätze SHIP für „Companion Diagnostics“ und neue Behandlungswege bietet und welche wissenschaftlichen, ethischen und rechtlichen Probleme sich daraus ergeben, diskutierten Experten heute auf dem Herbstsymposium der Korporativen Mitglieder der DGIM in Wiesbaden.

Kontakt für Journalisten:
Anna Voormann/Christine Schoner
DGIM Pressestelle
Postfach 30 11 20/70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-552
Fax: 0711 8931-167
voormann@medizinkommunikation.or

Anna Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgim.de

Weitere Berichte zu: Bluthochdruck Diagnostik Herbstsymposium Lebenserwartung SHIP SHIP-Studie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Mobilfunkstrahlung kann die Gedächtnisleistung bei Jugendlichen beeinträchtigen
19.07.2018 | Swiss Tropical and Public Health Institute

nachricht Neue internationale Studie: Immuntherapie für Kinder mit akuter Leukämie
13.07.2018 | Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics