Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Direkter Blickkontakt verändert die Emotion

14.12.2009
Grad der Involvierung entscheidet über Reaktion des Gehirns

Es macht einen deutlichen Unterschied, ob man von einer Person direkt angesehen wird oder ob diese einen Dritten anblickt. Dass diese aus der intuitiven Alltagswahrnehmung bekannte Tatsache auch im Gehirn feststellbar ist, hat Leonhard Schilbach vom Universitätsklinikum Köln gezeigt. Seine Forschung wurde mit dem Promotionspreis der Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) auf deren Jahrestagung in Berlin ausgezeichnet.

Autisten sehen sich stets als Dritte

Schilbach unterscheidet bei sozialen Begegnungen zwischen zwei Grundformen. "Da ist erstens der Blick aus der Beobachterperspektive auf die Begegnung anderer, an der man selbst nicht teilnimmt. Bei der ,Zweiten-Person-Perspektive' ist man hingegen direkt involviert und erfährt soziale Interaktion als Teilnehmer", erklärt Schilbach gegenüber pressetext. Menschen mit bestimmten Krankheiten wie etwa Autismus gelingt es trotz oft sogar überdurchschnittlicher Intelligenz kaum, jemals in die Zweite-Person-Perspektive zu gelangen. "Sie nehmen ein Gesicht nicht ganzheitlich als Spiegel der Psyche des anderen, sondern interessieren sich eher für Details, so wie etwa ein Augenarzt nur das Auge sieht."

Der Kölner Mediziner überprüfte, inwiefern diese beiden Perspektiven neurobiologisch unterschiedlich verarbeitet werden. In mehreren Experimenten zeigte er dazu seinen Versuchspersonen kurze Videos, die virtuelle, menschenähnliche Charaktere mit sich verändernden Gesichtsausdrücken zeigten. Diese sahen dem Betrachter manchmal direkt in die Augen, manchmal in Richtung einer anderen Person. Gleichzeitig beobachtete man die Gesichtsmuskeln, die Augenbewegungen der Probanden oder auch deren Gehirndurchblutung per funktioneller Magnetresonanztomographie.

Nur direkter Blick berührt

Sah die virtuelle Figur dem Betrachter in die Augen, aktivierte dies mit der Inselrinde, der Amygdala und dem orbito-frontalem Kortex Gehirnregionen, die Emotionen verarbeiten. Gleichzeitig waren die Gesichtsmuskeln aktiv und ahmten unwillkürlich die Mimik des Blickpartners nach, entsprechend des Phänomens der sozialen Ansteckung. Besonders bei warmen, freundlichen Emotionssignalen wie etwa Lächeln war dies der Fall. Uneindeutige Emotionen kurbelten das Hirn auf ganz andere Weise auf Hochtouren an. "Wird man direkt angesehen, löst dies oft Gedanken darüber aus, was der Gesichtsausdruck des anderen wohl bedeutet", berichtet Schilbach.

War der Blick des gezeigten Agenten hingegen an eine andere Person gerichtet, war der Parallellappen des Gehirns an der Reihe, der unter anderem für räumliche Denkprozesse zuständig ist. "Bei der Beobachtung des Blickkontaktes anderer treten die Emotionen möglicherweise in den Hintergrund und die Verarbeitung fokussiert andere Aspekte, zum Beispiel wie sich die beiden sich Ansehenden zueinander verhalten", erklärt der Wissenschaftler.

Erfolgsgeheimnis von Second Life

Als "interessant" wertet Schilbach die Tatsache, dass anthropomorphe, virtuelle Charaktere im Gehirn Zustände auslösen konnten, die denen von realen Personen sehr nahe kamen. "Die Wahrnehmung scheint ähnlich wie gegenüber einer realen Person abzulaufen." Dies könne erklären, warum so viele Menschen bestimmte Medienformate wie etwa in Second Life ansprechend finden, so der Kölner Mediziner. Zu untersuchen sei, inwiefern virtuelle Realitäten auch therapeutisch nutzbar seien.

Allerdings legt die Forschung auch nahe, dass es bedeutsame Unterschiede zwischen medien-vermittelter und direkt-persönlicher Interaktion gibt. Wichtig sei das für therapeutische Settings. "Man kommt immer mehr ab von der Vorstellung, der Psychotherapeut sei nur eine dritte, unbeteiligte Person, und erkennt die emotionalen Beziehung zum Patienten als entscheidenden Erfolgsfaktor einer Therapie. Diese Beziehung erlaubt es dem Patienten, Dinge zu ändern, die Umgebung anders wahr zu nehmen oder sein Verhalten zu modulieren", so Schilbach.

In der vermittelten Kommunikation über Telefon, Chat oder andere Medien sei es weit schwieriger, eine derart qualitative Beziehung aufzubauen. Das Resümee des Mediziners: "Die Arbeiten unterstreichen, dass Menschen soziale Wesen sind, für die der direkte Kontakt miteinander besondere Bedeutung hat."

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-koeln.de
http://www.dgppn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Massenverlust des Antarktischen Eisschilds hat sich beschleunigt
14.06.2018 | Technische Universität Dresden

nachricht Teure Flops: Nur 5% der Innovationsideen werden erfolgreich
12.06.2018 | Institut für angewandte Innovationsforschung e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics