Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsche Kreditwirtschaft hält am Veränderungskurs fest

22.11.2006
Die Zahl der Optimisten unter den Topmanagern in Kreditinstituten nimmt ab: Nur noch einer von fünf Entscheidern aus dem Finanzbereich erwartet ein überdurchschnittliches Branchenwachstum – neun Prozent weniger als im Vorjahr.

Das Bankgewerbe steht damit auch in den nächsten Jahren vor der Fortsetzung der erheblichen Umstrukturierungen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Branchenkompass 2006 Kreditinstitute“ von Steria Mummert Consulting in Zusammenarbeit mit dem F.A.Z.-Institut.

Für die kommenden drei Jahre sehen die Finanzentscheider nur ein geringes Wachstumspotential. Gerade einmal 22 Prozent der Befragten glauben noch an Zuwachsraten über dem Niveau der Gesamtwirtschaft. In den beiden Vorjahren waren noch mehr als 30 Prozent davon überzeugt, dass es der Bankenbranche besser gehen wird als anderen Wirtschaftszweigen. Um dieser Marktentwicklung zu trotzen, setzen viele Geldinstitute auf Fokussierung. Drei von vier Managern planen, sich auf lukrative Kundensegmente und Geschäftsfelder zu spezialisieren, in denen sie besonders kompetent aufgestellt sind.

60 Prozent der befragten Banken planen überdies strategische Kooperationen. Gemeinsam mit ihren Partnern können sie Kundenbedürfnisse umfassender befriedigen, den Vertrieb stärken und Kosten sparen. Beispielsweise gehen drei Viertel der Befragten davon aus, dass Kredite künftig Teil von Paketlösungen sein werden. Weitere Bestandteile solcher Komplettangebote können von Partnern innerhalb und außerhalb der Finanzbranche stammen. Vorstellbare Paketteile sind Waren oder Dienstleistungen wie Fahrzeuge, Haushaltsgeräte, Handys, Gesundheitsdienste oder Versicherungen. Durch die Kooperationen können die Banken neue Kundenfelder erschließen, ohne die Konzentration auf ihr Kerngeschäft aufzugeben. Deshalb ist das Modell derzeit deutlich populärer als Fusionen und Unternehmenskäufe: Nur 29 beziehungsweise 12 Prozent planen solche Maßnahmen zur Neuausrichtung.

Nicht nur die Produktpalette, sondern auch die Vertriebswege werden auf zukünftige Herausforderungen ausgerichtet. Die Konzentration auf hochrentable Angebote und finanzkräftige Kunden leitet eine Renaissance des Filialgeschäfts ein: 60 Prozent der Befragten erwarten hohe Wertschöpfungsbeiträge aus ihren Niederlassungen. Zwar beabsichtigt noch ein Viertel der Institute, unergiebige Standorte zu schließen. Dies stellt aber bereits einen deutlichen Rückgang im Vergleich zu den Vorjahren dar. Zudem planen bereits 15 Prozent der Banken die Eröffnung neuer Außenstellen. Der Grund: Für Beratungsgespräche bevorzugen Kunden immer noch die Filiale. Dort werden margenstarke Produkte abgesetzt und der höchste Gewinn erzielt.

Aber auch Telefon- und Onlinebanking genießen weiter Pflege und Aufmerksamkeit: Durch Standardisierung und Automatisierung haben sich diese Vertriebswege von einer subventionierten Servicemaßnahme zu einem rentablen Absatzkanal entwickelt. Oft nachgefragte, aber margenschwache Produkte lassen sich hier mit größerem Gewinn platzieren. Ein Drittel der Manager setzt deshalb auf hohe Gewinne aus dem Internet-Geschäft. Große Hoffnungen setzen die Banken auch in Beratungs-Hausbesuche. Vom mobilen Vertrieb erwartet mehr als die Hälfte der Befragten hohe Erträge.

Als massives Vertriebsproblem erweisen sich mittlerweile die Selbstbedienungsbereiche am Filialeingang. Ursprünglich sollten sie als Servicedienstleistung Kunden binden und das Personal für die ertragreicheren Geschäfte entlasten. Sie bewirken aber das genaue Gegenteil: Da die Kunden für ihre alltäglichen Erledigungen die Filialräume nicht mehr betreten müssen, besteht auch keine Gelegenheit, sie persönlich an lukrative Themen wie Altersvorsorge, Geldanlage oder Kredite heranzuführen. Zudem vermindert die Unpersönlichkeit von SB-Bereichen, Onlineportalen und Spracherkennungscomputern die Bindung an das Institut. Steigende Wechselquoten sind die Folge. Die Banken reagieren mit neuen Raumkonzepten und verstärkten Investitionen in Kundenbindungsmaßnahmen: 88 Prozent der Befragten messen diesem Thema eine hohe Bedeutung bei. Eine datengestützte Segmentierung der Kundschaft ermöglicht es, standardisierte, aber bedarfsgerechte Servicekonzepte zu entwickeln. Durch Zufriedenheitsbefragungen etwa soll die abwanderungswillige Klientel erkannt und mit günstigen Angeboten gehalten werden.

Der scharfe Wettbewerb um die Kunden gilt inzwischen als die größte Herausforderung im Bankgeschäft. Vor vier Jahren hielt nur einer von fünf Finanzmanagern die Mitbewerber für die Hauptschwierigkeit. Seitdem ist der Anteil stetig gestiegen. Inzwischen sehen mehr als die Hälfte der Befragten die Konkurrenz als das brennendste Problem in einer Branche, deren Konsolidierung noch lange nicht abgeschlossen ist. Obwohl sich die Anzahl der Banken in Deutschland während der vergangenen fünfzehn Jahre halbiert hat, decken die fünf größten nur 22 Prozent des Marktes ab. In Frankreich liegt die Konzentration beispielsweise bei 45 Prozent, in Großbritannien bei 35 Prozent. Der Konkurrenzdruck durch Mitbewerber aus dem eigenen Land drückt die Gewinnspannen. Zudem nehmen ausländische Banken den traditionellen Kreditinstituten Marktanteile im Privat- und Firmenkundengeschäft ab.

Kostensenkungen, Serviceverbesserungen und Kooperationen sind lange nicht alle Maßnahmen, die die Kreditinstitute zur Weichenstellung nutzen. Die Bankmanager bedienen zeitgleich unterschiedlichste Stellschrauben, um steigende Umsätze zu generieren. Eine klare Strategie hat sich dabei bisher nicht herauskristallisiert. So geben beispielsweise neun von zehn Managern an, mit Bestandskunden wachsen zu wollen. Drei Viertel wollen aber zugleich auch Neukunden gewinnen. Diese Ziele schließen sich nicht aus, erfordern jedoch zwei völlig unterschiedliche Strategien zur selben Zeit. Dies birgt die Gefahr einer Verwässerung der Maßnahmen, erschwert die Kommunikation nach innen wie nach außen und behindert die Erfolgskontrolle.

Die aktuelle Studie „Branchenkompass 2006 Kreditinstitute“ von Steria Mummert Consulting AG entstand in Zusammenarbeit mit dem F.A.Z.-Institut. In einer Topentscheiderbefragung informierten 100 Führungskräfte aus 100 der größten Bankgesellschaften Deutschlands über ihre Investitionsziele und ihre Marktpolitik bis 2009.

Joerg Forthmann | Steria Mummert Consulting
Weitere Informationen:
http://www.steria-mummert.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Grundlagen der Blockchain-Technologie in der Energiewirtschaft
27.07.2018 | Forschungsstelle für Energiewirtschaft e.V.

nachricht Studie zu Werkstoffprüfung: Schäden in nichtmagnetischem Stahl mit Magnetismus aufspüren
23.07.2018 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bionik im Leichtbau

17.08.2018 | Verfahrenstechnologie

Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

HAWK-Ingenieurinnen und -Ingenieure entwickeln die leichteste 9to-LKW-Achse ihrer Art

17.08.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics