Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Den Patienten zu Hause überwachen und behandeln

18.12.2003


Über die Telefonleitung können die Studienteilnehmer bequem die Daten ihres EKG zur Analyse und Auswertung an ein Telemedizinisches Zentrum schicken. / Foto: Philipps Healthcare Telemedizin


Studie der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg testet telemedizinische Betreuung von Patienten mit schwerer Herzmuskelschwäche


An der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg wird derzeit eine Studie begonnen, die erstmals in Deutschland untersucht, wie effektiv eine telemedizinische Überwachung für die Versorgung von Patienten mit schwerer Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) ist. Insgesamt 90 Patienten, die in der Klinik wegen einer schweren Herzinsuffizienz behandelt wurden, erhalten Messgeräte, die täglich ihren Blutdruck, Frequenz und Rhythmus ihres Herzschlages sowie Körpergewicht und Sauerstoffsättigung an den behandelnden Arzt weiterleiten. Die Messgeräte werden von der Firma Philipps Healthcare Telemedizin zur Verfügung gestellt.

"Studien haben gezeigt, dass bei vielen Patienten die in der Klinik initiierte Behandlung zu Hause nicht optimal weitergeführt wird", erklärt Professor Dr. Hugo A. Katus, Ärztlicher Direktor der Abteilung Kardiologie, Pulmologie und Angiologie der Medizinischen Universitätsklinik. Obwohl die Wirksamkeit von Betablockern und ACE-Hemmern inzwischen als erwiesen gilt, werden sie nur einem Teil der herzinsuffizienten Patienten verschrieben oder tatsächlich von ihnen eingenommen. Lässt die Pumpkraft des Herzens nach oder treten gefährliche Herzrhythmusstörungen auf, müssen die Patienten oft notfallmäßig in die Klinik gebracht und dort mit hohem Aufwand versorgt werden.


Vergleich zwischen telemedizinischer Betreuung durch Hausarzt und Fachambulanz

Die Heidelberger Studie untersucht nicht nur, ob die Behandlungsergebnisse mit telemedizinischer Unterstützung zu Hause stabilisiert werden können, sondern auch wie sich die medizinische Betreuung durch den Hausarzt, mit oder ohne Telemedizin, von der Betreuung durch die Fachambulanz unterscheidet. 30 Patienten werden durch den Hausarzt telemedizinisch betreut, 30 Patienten sind in herkömmlicher hausärztlicher Versorgung und 30 Patienten werden durch die Heidelberger Fachambulanz überwacht.

Zur kostenlosen telefonischen Datenübertragung, die ca. drei Minuten dauert, legt der Patient einen Gürtel mit dem tragbaren Messgerät an. Die Daten werden zunächst in einem externen Zentrum, das rund um die Uhr mit einem Arzt besetzt ist, überprüft und anhand einer elektronischen Patientenakte mit individuell festgesetzten Grenzwerten verglichen. Deuten die Befunde auf eine drohende Befundverschlechterung (kardiale Dekompensation) hin, so nimmt der Arzt mit den Patienten telefonisch Kontakt auf, um durch eine frühzeitige Intervention eine erneute stationäre Aufnahme zu verhindern. Geplant ist, den Krankheitsverlauf aller Patienten nach einem, zwei und sechs Monaten zu dokumentieren.

"Wir messen die Ergebnisse der Behandlung und ihre Qualität. Außerdem möchten wir wissen, ob unsere Betreuung die Zahl der Klinikaufenthalte und Behandlungstage und damit die Krankheitskosten senken kann", erklärt Dr. Christian Zugck, der in der Heidelberger Klinik die Telemedizinstudie betreut. Um den Verlauf der Therapie beurteilen zu können, wird bei allen Studienteilnehmern u.a. ein Blut-Schnelltest durchgeführt, dabei wird die Konzentration des "Brain Natriuretic Peptide" (BNP) und seiner Vorstufe (NT-proBNP) im Blut gemessen. Diese Eiweißstoffe werden von der erkrankten linken Herzkammer im Falle einer Befundverschlechterung im Überschuss produziert. Außerdem lassen sie Rückschlüsse auf die Prognose der Herzinsuffizienz zu.

Das Ziel der Untersuchung ist es, wissenschaftliche Grundlagen für eine Betreuung von herzkranken Patienten zu erarbeiten. Angesichts der knapper werdenden Ressourcen im Gesundheitswesen ist eine ganzheitliche Patientenversorgung zwingend erforderlich, bei der sich die medizinischen Kooperationspartner die Versorgungsaufgaben teilen. Nach erfolgreicher stationärer "Krisenintervention" in der Klinik sollte dadurch gewährleistet sein, dass die medikamentöse Therapie durch den Hausarzt am Heimatort nahtlos und konsequent fortgeführt wird.

Ansprechpartner:

Dr. Christian Zugck, E-Mail: Christian_Zugck@med.uni-heidelberg.de
Privatdozent Dr. Andrew Remppis, E-Mail: Andrew_Remppis@med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-heidelberg.de

Weitere Berichte zu: Fachambulanz Hausarzt Herzinsuffizienz Messgerät Telemedizin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Mobilfunkstrahlung kann die Gedächtnisleistung bei Jugendlichen beeinträchtigen
19.07.2018 | Swiss Tropical and Public Health Institute

nachricht Neue internationale Studie: Immuntherapie für Kinder mit akuter Leukämie
13.07.2018 | Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics