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Psychischer Stress verursacht Hunger und Fettleibigkeit

19.05.2008
Affenexperiment: "Underdogs" neigen zu kalorienreicherer Ernährung

Dass psychologischer Stress und sozialer Druck offenbar eng mit dem Entstehen von Übergewicht zusammenhängen, haben Forscher des Yerkes Primate Research Center an der Emory University im Versuch an weiblichen Rhesusmakaken nachgewiesen. Die Untersuchung an den Tieren, die an eine starke Hierarchie gebunden sind und die Gruppenstabilität durch ständige Angriffe und Einschüchterungen erhalten, ergab, dass die sozial untergeordneten Weibchen in Folge dazu neigten zu viel Nahrung zu sich zu nehmen.

Während der Testphase erhielten die Affenweibchen jeweils 21 Tage lang Zugang zu schmackhafter aber fettarmer bzw. fettreicher Kost. Dazwischen erhielten sie über die gleiche Dauer nur normales Affenfutter. Um die Nahrungsaufnahme genau studieren zu können, hatten die Wissenschaftler um Mark Wilson, Leiter der Abteilung für Psychobiologie, automatische Futterspender verwendet. Die Futtergabe wurde durch Mikrochips aktiviert, die in die Handgelenke der Makakenweibchen implantiert wurden. In beiden Versuchsreihen hatte sich dann gezeigt, dass die untergeordneten Weibchen innerhalb von 24 Stunden mehr Nahrung zu sich nehmen und zu jeder Tages- und Nachtzeit fressen. Die Höherrangigen hingegen fraßen deutlich weniger und taten dies nur tagsüber. Das unterschiedliche Fressverhalten habe sich dann bei den untergebenen Weibchen in beschleunigter Gewichtszunahme niedergeschlagen, berichten die Wissenschaftler.

"Bei den untergeordneten Weibchen können sich dadurch leicht Probleme im Stoffwechsel und bei der Fettspeicherung entwickeln", sagt Wilson. Als Folge des Stresses, dem sie durch die Rangkämpfe ausgesetzt sind, wiesen diese Affenweibchen auch einen höheren Spiegel des Hormons Cortisol auf. In Kombination mit der bevorzugten kalorienreichen Nahrung könne dies wiederum zu einer gesteigerten Bildung von Viszeralfett, also Fettgewebe um die inneren Organe herum, führen und verstärkend auf die Ausbildung eines Diabetes oder Herzkreislaufbeschwerden wirken, meinen die Forscher.

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Im nächsten Schritt will das Team anhand von Kernspinresonanzuntersuchungen die neurochemischen Grundlagen für das Fressverhalten der rangniedrigen Weibchen finden. Von besonderer Bedeutung ist für sie dabei die Frage, ob sich die Mechanismen zwischen Hungersignalen und den für Belohung und Sättigung zuständigen Hirnregionen zwischen den Weibchen verschiedenen Ranges unterscheiden.

Claudia Misch | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.yerkes.emory.edu

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