Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mission BepiColombo: Jenaer Sensor hilft, Geheimnisse des Merkur zu entschlüsseln

19.10.2018

Europas erste Mission zum Merkur soll am 20. Oktober 2018 in Französisch-Guayana starten. Mit auf die fast 9 Milliarden Kilometer weite Reise der Raumsonde BepiColombo geht ein Thermosensor aus dem Leibniz-Institut für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) in Jena. Er wird berührungslos die Temperatur auf dem bislang am wenigsten erforschten Planeten im inneren Sonnensystem und dessen mineralogische Zusammensetzung erkunden. So wollen Wissenschaftler mehr über die Entwicklung des Merkur und den Ursprung unseres Sonnensystems erfahren. Sieben Jahre lang wird das europäisch-japanische Gemeinschaftsvorhabe unterwegs sein, bis das Raumfahrzeug Ende 2025 den Merkur erreichen soll.

Um 3.45 Uhr unserer Zeit soll BepiColombo an Bord einer Ariane-5-Trägerrakete zum Merkur starten. Mit zwei wissenschaftlichen Orbitern an Bord und in einer Geschwindigkeit von bis zu 60 Kilometern pro Sekunde nähert sich die Mission dem sonnennächsten Planeten. Auf komplizierten Flugbahnen: Wegen der enormen Anziehungskraft der Sonne wird die Raumsonde den Merkur zunächst sechsmal umkreisen, bevor sie in dessen Umlaufbahn einschwenkt.


Der im Leibniz-IPHT spezialangefertigte Thermosensor zur Erforschung des Merkur

Leibniz-IPHT

Dann beginnt für die Instrumente und Kameras an Bord ein Einsatz unter Extrembedingungen: Herrscht tagsüber eine Hitze von bis zu 430 Grad Celsius, fallen die Temperaturen auf dem Merkur nachts auf bis zu minus 180 Grad Celsius. Gewappnet gegen den Sonnenwind und die hohe Sonneneinstrahlung, wird der robuste Sensor aus dem Leibniz-IPHT diese Schwankungen erkunden.

Als Teil des thermalen Infrarot-Spektrometers MERTIS (Mercury Radiometer and Thermal Infrared Spectrometer) misst der in Jena spezialangefertigte Sensor berührungslos die thermische Strahlung an der Oberfläche des Planeten über einen breiten Spektralbereich von 4-40µm Wellenlänge, aufgelöst durch 30 Sensorpixel.

Aus den Ergebnissen können Wissenschaftler nicht nur Rückschlüsse auf die Temperatur, sondern auch auf die mineralogische Zusammensetzung des Merkur ziehen. Neben dem inneren Aufbau und dem planetaren Umfeld des Merkur wollen sie darüber hinaus den Sonnenwind erforschen und herausfinden, wie der Planet der Extreme mit der sonnennahen Umgebung in Wechselwirkung steht. Für die europäische Weltraumorganisation ESA (European Space Agency) ist die Reise zum Planeten der Extreme eine anspruchsvollsten Missionen, die sie jemals durchgeführt hat.

Das Spektrometermodul MERTIS, in dem unter anderem der Jenaer Radiometer-Detektor verbaut ist, entwickelten Wissenschaftler unter der Leitung der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) und des Berliner Instituts für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Auf dem Gebiet der Weltraumforschung arbeitet das Leibniz-IPHT mit dem DLR bereits seit der 2004 gestarteten europäischen Rosetta-Mission zusammen, die im November 2014 auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko landete. Anfang Oktober 2018 kam mit dem Einsatz des Landegeräts MASCOT auf dem erdnahen Asteroiden Ryugu ein weiteres Projekt aus dieser Zusammenarbeit erfolgreich zum Abschluss.

Auch im Mars-Rover Curiosity sind Sensoren des Leibniz-IPHT verbaut. Die Jenaer Wissenschaftler sind mit spezialangefertigten Sensoren außerdem an der Mission InSight zur Erkundung des Mars-Inneren beteiligt, an der Mars-Rover-Mission Mars 2020 sowie an der europäisch-amerikanischen Asteroiden-Abwehrmission AIDA. Weitere Zusammenarbeiten sind in die Wege geleitet.

Weitere Informationen:

https://www.leibniz-ipht.de/forschungseinheiten/forschungsabteilungen/quantendet...

Lavinia Meier-Ewert | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Volle Wertschöpfungskette in der Mikrosystemtechnik – vom Chip bis zum Prototyp
18.10.2019 | Forschungsverbund Berlin e.V.

nachricht Lumineszierende Gläser als Basis neuer Leuchtstoffe zur Optimierung von LED
17.10.2019 | Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste Ameise der Welt - Wüstenflitzer haben kurze Beine, aber eine perfekte Koordination

Silberameisen gelten als schnellste Ameisen der Welt - obwohl ihre Beine verhältnismäßig kurz sind. Daher haben Forschende der Universität Ulm den besonderen Laufstil dieses "Wüstenflitzers" auf einer Ameisen-Rennstrecke ergründet. Veröffentlicht wurde diese Entdeckung jüngst im „Journal of Experimental Biology“.

Sie geht auf Nahrungssuche, wenn andere Siesta halten: Die saharische Silberameise macht vor allem in der Mittagshitze der Sahara und in den Wüsten der...

Im Focus: Fraunhofer FHR zeigt kontaktlose, zerstörungsfreie Qualitätskontrolle von Kunststoffprodukten auf der K 2019

Auf der K 2019, der Weltleitmesse für die Kunststoff- und Kautschukindustrie vom 16.-23. Oktober in Düsseldorf, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR das breite Anwendungsspektrum des von ihm entwickelten Millimeterwellen-Scanners SAMMI® im Kunststoffbereich. Im Rahmen des Messeauftritts führen die Wissenschaftler die vielseitigen Möglichkeiten der Millimeterwellentechnologie zur kontaktlosen, zerstörungsfreien Prüfung von Kunststoffprodukten vor.

Millimeterwellen sind in der Lage, nicht leitende, sogenannte dielektrische Materialien zu durchdringen. Damit eigen sie sich in besonderem Maße zum Einsatz in...

Im Focus: Solving the mystery of quantum light in thin layers

A very special kind of light is emitted by tungsten diselenide layers. The reason for this has been unclear. Now an explanation has been found at TU Wien (Vienna)

It is an exotic phenomenon that nobody was able to explain for years: when energy is supplied to a thin layer of the material tungsten diselenide, it begins to...

Im Focus: Rätsel gelöst: Das Quantenleuchten dünner Schichten

Eine ganz spezielle Art von Licht wird von Wolfram-Diselenid-Schichten ausgesandt. Warum das so ist, war bisher unklar. An der TU Wien wurde nun eine Erklärung gefunden.

Es ist ein merkwürdiges Phänomen, das jahrelang niemand erklären konnte: Wenn man einer dünnen Schicht des Materials Wolfram-Diselenid Energie zuführt, dann...

Im Focus: Wie sich Reibung bei topologischen Isolatoren kontrollieren lässt

Topologische Isolatoren sind neuartige Materialien, die elektrischen Strom an der Oberfläche leiten, sich im Innern aber wie Isolatoren verhalten. Wie sie auf Reibung reagieren, haben Physiker der Universität Basel und der Technischen Universität Istanbul nun erstmals untersucht. Ihr Experiment zeigt, dass die durch Reibung erzeugt Wärme deutlich geringer ausfällt als in herkömmlichen Materialien. Dafür verantwortlich ist ein neuartiger Quantenmechanismus, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift «Nature Materials».

Dank ihren einzigartigen elektrischen Eigenschaften versprechen topologische Isolatoren zahlreiche Neuerungen in der Elektronik- und Computerindustrie, aber...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

VR-/AR-Technologien aus der Nische holen

18.10.2019 | Veranstaltungen

Ein Marktplatz zur digitalen Transformation

18.10.2019 | Veranstaltungen

Wenn der Mensch auf Künstliche Intelligenz trifft

17.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Insekten teilen den gleichen Signalweg zur dreidimensionalen Entwicklung ihres Körpers

18.10.2019 | Biowissenschaften Chemie

Volle Wertschöpfungskette in der Mikrosystemtechnik – vom Chip bis zum Prototyp

18.10.2019 | Physik Astronomie

Innovative Datenanalyse von Fraunhofer Austria

18.10.2019 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics